Karlstraße: Zum Abschluss einen Baum gepflanzt

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Wo Frank Schlagenhauf von Gold Ochsen (mit Besen) noch fegen muss? Darüber sind sich Tim von Winning, Stephan Verdi und Gerhard Fraidel (von links) nicht einig.  Foto: 

Wenn Tim von Winning „Reduzierung der Fahrspuren“ liest, dann verursacht das schon mal ein leichtes Zucken beim Baubürgermeister. Denn, differenziert er: Es sei ja nicht so, dass die Karlstraße bis vor zwei Jahren immer und überall durchgehende vier Spuren gehabt hätte. Feinheiten beiseite – jetzt sind’s nur noch zwei Fahrbahnen. Was aber noch lange nicht alles ist: „Wir haben einen völlig neuen Straßencharakter“, sagte von Winning auf der kleinen Feier zum Abschluss der Bauarbeiten gestern.

Die fand statt an der Ecke Keplerstraße, mit gutem Grund: Nicht nur, dass die Erneuerung der Karlstraße unter vollem Betrieb von Feuerwehr und Gold Ochsen gestemmt wurde. Die Brauerei hat außerdem die Patenschaft für eine der Säulenhainbuchen übernommen, die die Stadt als Allee entlang der Straße gepflanzt hat. 1000 Euro kostet so ein Ulmer Stammbaum dort. 52 Bäume hätten es sein sollen, 51 sind es schließlich geworden: „An einer Stelle waren einfach zu viele Leitungen im Boden“, berichtet Gerhard Fraidel von der städt­ischen Verkehrsplanung. Ein weißer Anstrich schützt die jungen Bäume, die sehr gleichmäßig und geometrisch wachsen, vor Frost und Moos. Bewässert werden sie aus unterirdischen Tanks.

„Vor 25 Jahren habe ich jeden Baum bedauert, der hier gefallen ist“, erzählt Dieter Fortmann. Vor zehn Jahren hat der ehemalige Ulmer BUND-Vorsitzende dann ein Aktionsbündnis von Bürgern initiiert. „Damals haben wir angefangen, Krach zu schlagen.“ Das Bündnis entwickelte eigene Pläne und stieß in allen Fraktionen auf offene Ohren. Auf dem ersten Bauabschnitt – weitere sind auf unbestimmte Zeit verschoben – zwischen Besserer- und Frauenstraße gibt es deshalb jetzt nicht nur wieder eine Allee, sondern auch einen Mittelstreifen, barrierefreie Haltestellen und Flüsterasphalt. Außerdem wurde stickoxidreduzierendes Pflaster verbaut, denn Ulm überschreitet bei Stickstoffoxiden nach wie vor die Grenzwerte. Durch die Zugabe von Photokatalysator-Partikeln werden die Schadstoffe oxidiert. Übrig bleiben unschädliche Partikel, die mit dem Regenwasser weggeschwemmt werden, erklärt Fraidel.

Alles zusammengenommen findet Tim von Winning: „Das ist echter Mehrwert, ohne die Leistungsfähigkeit zu reduzieren.“ Mehrwert, den die Stadt sich sechs Millionen Euro hat kosten lassen. Doch der Baubürgermeister relativiert: „Man hätte fast genau so viel Geld ausgeben müssen, um die Straße einfach nur zu erneuern.“ Was man ohnehin hätte angehen müssen, so schlecht war ihr Zustand 2014. Jetzt können Anwohner, Geschäftsleute und Durchfahrer aufatmen: „Für die Leute, die das ertragen mussten, geht eine lange Leidenszeit zu Ende.“


Kilometer Leitungen mussten die Arbeiter beim Umbau der Karlstraße beachten. 8000 Quadratmeter Fläche wurden bearbeitet und 8500 Tonnen belasteter Boden entsorgt.

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Kommentare

08.12.2016 10:09 Uhr

Ein paar hundert Anwohner haben sich durchgesetzt,

viele tausend Verkehrsteilnehmer leiden darunter. Natürlich auch die Anwohner der Olgastr. , die den zusätzlichen Verkehr ertragen müssen. Die unsägliche Ulmer Verkehrspolitik, Hauptverkehrsachsen zurückzubauen, ohne Alternativen für den Verkehr anzubieten, setzt sich fort.Andere Städte bieten den Bürgern wenigstens einen vernünftigen ÖPNV an. In Ulm gibt es eine Straßenbahnlinie, bald sogar Zwei! Keine U Bahn, keine S Bahn.Nur noch ein paar, im Berufsverkehr, völlig überfüllte Busse. Ich war am Dienstag in einer Arztpraxis in der Ulmer Innenstadt. Die Arzthelferin erzählte mir, fast alle Patienten seien nicht rechtzeitig zum Termin erschienen. Egal ob sie mit dem Auto oder dem Bus gekommen sind. Anschliesend hab ich noch ein paar Weihnachtseinkäufe getätigt. Den Großteil bestelle ich jetzt im Internet.Mir tun die Innenstadtgeschäfte leid. Für mich sind sie leider nur noch schwer erreichbar.

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