Käptn Siebenhaar und die wilde 13

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Philipp Rösler hat Recht. Der Euro-Rettungsschirm ist Schrott. Wer je daran gezweifelt hat, der wird auf dem Themenschiff der Justizvollzugsanstalt Ulm eines Besseren belehrt. Nolens volens. Kaum in See gestochen, macht der überdimensionale Holzpropeller mit den Euro-Münzen erst mal schlapp. Ein Balken ist abgebrochen. Dabei war die Idee geradezu genial. Immer wenn der von Menschenhand in die Höhe beförderte Schwanz des Esels nach oben geht, setzt sich der Euro-Propeller in Bewegung und das Tier scheißt Münzen: auf die Länderumrisse von Griechenland, Spanien und Italien. Aber jetzt: nix, niente, nada. Verstopfung. Es sieht beschissen aus für die Südländer. So oder so. Weitere Erkenntnis für alle Machos, selbst jene nördlich der Alpen: Schwanzgesteuert funktioniert auch nicht immer.

Ansonsten läuft auf Boot 13 namens"Goldesel Deutschland" alles rund. Das neunköpfige Team der JVA um Kapitän Hans-Michael Siebenhaar hat ganze Arbeit geleistet und in tagelanger Vorarbeit - wozu hat man schließlich die Gefängnis-Werkstätten? - einen formidablen Esel geschreinert. Wobei man der Gerechtigkeit halber hinzufügen muss, dass der Eselskopf, er erinnert evidentan Angela Merkel, eine freundliche Leihgabe der Gögglinger Zoll-Zillenfahrer ist. Sag einer, die Ulmer verstünden nichts von Nachhaltigkeit. Beim Wasserumzug 2010 war die Pappmaché-Angie noch der"Euro-Fighter", jetzt ist die Kanzlerin zum Esel mutiert und nickt notorisch mit dem Kopf. Es sieht nicht gut für Merkel aus. So oder so.

Den Kanzlerkopf in die Höhe zu lupfen, ist Galeerenarbeit. Und wenn der an Bord befindliche Zeitungsreporter schon sonst für nix zu gebrauchen ist, kann er wenigstens diesen unlasierten, von Holzsplittern starrenden Hebel bewegen. Bedauerlich bloß, dass von Strömung nichts zu spüren ist und die Schwörmontags-Wassersause diesmal gefühlte drei Stunden dauert. Erste muskoskeletale Ermüdungserscheinungen stellen sich bereits in Höhe Gänstorbrücke ein.

Drei Kästen Bier und eine Magnumflasche Jim Beam lassen potenzielle mentale Verstimmungen aber unmittelbar versiegen und sorgen für heiter bis ausgelassene Bordstimmung."Ulmer Spatza, Wasserratza" - nonstop.

Falls nicht gerade der Esel brüllt, dessen Sound hausgemacht ist. Matrose Uwe Peters hat die markerschütternden Brunft- oder Was-auch-immer-Laute seines Maultiers"Pia" via Mikrophon aufgenommen und dann auf CD gepresst. Mittels Megaphon lässt er Pia nun in Endlosschleife"IIIIIAAAA" blöken. Dazu raucht und dampft es, weil am Popo des Holzesels ein Feuertopf steht, der von Peters permanent mit Spänen gefüttert wird, was die Darmwinde des Esels symbolisieren soll. Liebevolle Detailarbeit, nennt man so was wohl. Man könnte Käptn Siebenhaar freilich auch fragen:"Seid ihr alle noch ganz sauber?"

Spätestens an dieser Stelle ist nun zu erwähnen, dass sich keine Häftlinge oder Freigänger an Bord tummeln. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps, oder wie Matrose Jürgen Merk es ausdrückt:"Das hier ist eine reine Beamtenveranstaltung." Bis in den gehobenen Dienst. Gabi Schmidt etwa, eine von zwei Crew-Frauen, ist Geschäftsführerin des Vollzuglichen Arbeitswesens. Jetzt macht sie auf Spanierin, hat sich einen manns- beziehungsweise frauhohen Umhang in den Farben der spanischen Nationalflagge übergeworfen. Was sie dazu qualifiziert?"Ich hab früher Flamenco getanzt." Jürgen Merk mimt derweil den blau-weißen Griechen, Schwermatrose Dieter Pröbstle den grün-weiß-roten Italiener."Jungs, ich habe einen Verbesserungsvorschlag für nächstes Jahr", ruft einer aus dem Schiffsinneren."Wir brauchen Flaschenhalter."

Derweil hat einer aus der Mannschaft den Geld-Propeller wieder in Rotation gebracht, rechtzeitig vorm Erreichen der Ehrentribüne. Hallo Herr Rösler, der Euro-Rettungsschirm funktioniert also doch noch. Wenn auch nur als Kordelpatent. Die Mühe hat sich gelohnt, wie sich später zeigen wird: Schließlich holen Käptn Siebenhaar und Co. den Kübelespokal."Nächstes Jahr kommen wir wieder, mit der D-Mark", sagt Merk.

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