Juweliertreff HfG

Der Teppich rot, die Fensterscheiben in der Spätsommersonne dunkelblau: In der HfG auf dem Kuhberg war ein Kongress der Juweliere.

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Der Juwelier zwischen Laden und Online-Handel: eines der Themen beim Kongress in der HfG. Foto: Privat

"Die Fenster-Fronten blitzen intensiv blau. Eine Architektur, die ganz Landschaft sein wollte, erscheint nun kalt verspiegelt als Fremdkörper . . . ein unpassender Hightech-Touch."

So beschrieb Ira Mazzoni im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung eines der von den Puristen und Bewahrern des HfG-Erbes ausgemachten Sakrilege der Sanierung der Hochschule für Gestaltung; die Gebäude stammen aus den 50er Jahren, und ihre Runderneuerung läuft unter Regie Alexander Wetzigs, Ulmer Baubürgermeister und Zampano der HfG-Stiftung. Der Beitrag in der SZ erschien im April 2011 auf dem Höhepunkt des Streits über die Zukunft des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes. In der Auseinandersetzung - auch mit der Dessauer Bauhaus-Stiftung - ging es nicht nur um architektonische Stilfragen, sondern auch darum, was außer der Unterbringung des HfG-Archives denn in den heiligen Hallen der HfG sein darf und was nicht.

Helle Empörung unter ehemaligen Dozenten, Studenten, Sympathisanten dieser HfG, "deren bauliches Erbe derzeit wie ein Privatsache verschandelt wird" (Zitate aus besagtem SZ-Beitrag) rief hervor, dass Wetzig große Teile der Flächen an die Schmuckgestalter Ehinger-Schwarz vermietet hat; und noch mehr, dass Wetzig in diesem Zusammenhang erklärte, auch HfG-Mitgründer Otl Aicher habe einst ja Schmuck kreiert. Diese Wogen haben sich inzwischen geglättet, auch wenn die blauen Fenster in der Sonne noch immer eiskalt blau schimmern.

Abzuwarten bleibt, ob eine Veranstaltung nun neue Wallungen erzeugt. Am Wochenende fand in der HfG erstmals ein Juwelier-Kongress statt. Unter anderem zu Fragen wie jener, ob die Branche sich im Zeitalter des Online-Shoppings noch Läden leisten kann, soll oder muss. Zu erkennen war die Bedeutung der Veranstaltung an roten Teppichen, die ausgerollt waren. Und an teils sehr schweren Limousinen, die auf dem Kuhberg geparkt waren. In ökologisch politischer Korrektheit und im Angesicht des Klimawandels würde ein echter Alt-HfGler sagen: Autos, die die Welt nicht braucht.

Juwelier-Kongress? Wie darüber wohl Aicher und HfG-Architekt Max Bill denken würden? Im September 2012 erlebt die ehrwürdige HfG schon wieder ein blaues Wunder.

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