Junge Rumänin wurde zwei Jahre ins Bordell gezwungen

Weitgehend hinter verschlossenen Türen wird seit Freitag vor dem Landgericht Memmingen ein Fall von Menschenhandel verhandelt. Vier Männer und eine Frau sollen junge Rumäninnen nach Deutschland gelockt und zur Prostitution gezwungen haben. Die Angeklagten bestreiten, ein Opfer ist aber extra aus Rumänien angereist und ihre Vorwürfe vor Gericht zu bekräftigen.

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Anfang 2014 noch wog die zierliche und nur 1,50 Meter große Frau 47 Kilogramm. Das war zu Beginn ihrer Zeit als Zwangsprostituierte in Neu-Ulm. Als sie von der Polizei am 2. Dezember vergangenen Jahres aus einer Wohnung befreit wurde, zeigte die Waage nur noch 33 Kilogramm bei einem „reduzierten Allgemein- und Ernährungszustand“. Was in diesen knapp zwei Jahren der Zwangsprostitution geschehen ist, will seit Freitag das Landgericht Memmingen herausfinden.

Vor der dortigen 1. Strafkammer wird gegen vier Männer und eine Frau aus Rumänien verhandelt, denen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung vorgeworfen wird. Wie der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift festhält, soll das Quintett mehrere Landsfrauen unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und hier zur Prostitution gezwungen haben.

Die Verhandlung wurde auf Antrag der Opferanwältin weitgehend nichtöffentlich geführt, obwohl die acht Verteidiger dem Antrag widersprachen. Das Gericht folgte dem aber und schloss für die Vernehmung der Hauptbelastungszeugin die Öffentlichkeit aus dem Verfahren aus.

Allein die Anklageschrift – so sie der Wahrheit entspricht – hat es aber in sich. Dafür spricht immerhin, dass die junge Frau für ihre Aussage vor Gericht aus Rumänien angereist ist, was bei derlei Prozessen höchst selten vorkommt, weil die Szene nicht gerade zimperlich ist, wie ein Blick in die Anklageschrift zeigt. Es geht darin um einen klassischen Fall von Menschenhandel, wie ihn beispielsweise das Ulmer Bündnis gegen Menschenhandel erst unlängst während des Donaufestes in Ulm zum Thema gemacht hat und eine entsprechende Ausstellung zeigt.

Im konkreten Fall geht es um eine 24-jährige Frau aus Rumänien, die schon seit mehreren Jahren zur Prostitution gezwungen wird. Zunächst in Spanien, seit Anfang 2014 aber auch im FKK Safari Club in Neu-Ulm, der zum Imperium von Markus Eberhardt gehört, der sich gern als Prinz Marcus von Anhalt ansprechen lässt und in sündhaft teuren Luxuslimousinen vorfährt.

In Spanien konnte sie sich befreien und ins Frauenhaus retten. Kaum in ihre Heimat zurückgekehrt, ist sie aber wieder an die Falschen geraten und statt zum Erholungsurlaub in Deutschland in dem Neu-Ulmer Bordell gelandet. Zunächst noch hatte sie sich gewehrt, führte der Staatsanwalt aus. Dann aber den Schlägen nachgegeben, vor allem aber den Drohungen, das Haus ihrer Eltern anzuzünden, sollte sie sich weiter verweigern.

Ihre Peiniger haben sie nicht aus den Augen gelassen. Die Frau wurde ins Bordell gebracht und abgeholt und ansonsten in einer Wohnung in Laupheim festgehalten, aus der es für sie kein Entrinnen gab. Alle zwei Wochen gab es einen freien Tag, ohne dass sie sich diesen frei hätte gestalten können. Ihren heute sieben Jahre alten Sohn in Rumänien durfte sie nicht besuchen.

Stattdessen musste sie sich in dem FKK Safari Club in Neu-Ulm und zwischendurch in einem weiteren Bordell in Böblingen splitternackt den Kunden präsentieren und täglich von 14 Uhr bis 2 Uhr nachts für Sex zur Verfügung stellen. Ihre Einnahmen wurden ihr abgenommen, einen Verdienst aus ihrer entwürdigenden Arbeit bekam sie nicht.

Hatte sie weniger als 300 Euro pro 12-Stunden-Schicht eingenommen, setzte es Schläge. Und das nicht zu knapp, mit der flachen Hand und mit der Faust. In einem Fall soll sie derart massiv gegen eine Wand geworfen worden sein, dass sie sich das rechte Kreuzbein brach – aber dennoch ins Bordell zum Anschaffen geschickt wurde. Und immer wieder die Drohungen, dass ihrer Familie in der Heimat Schlimmes geschehe, würde sie sich dem bezahlten Sex verweigern.

Die fünf Angeklagten haben sich am Freitag nicht geäußert. Wie aus dem Kreis der Verteidiger zu hören ist, bestreiten sie aber den Tatvorwurf und arbeiten auf Freisprüche hin.  Mindestens zwei der angeklagten Männer sollen die Frau selber sexuell missbraucht haben. Die mitangeklagte Frau wird als so genannte „Capo-Prostituierte“ bezeichnet, die die 24-Jährige „in die Arbeit eingeführt“ haben soll.

Fortsetzung am kommenden Freitag, 8.30 Uhr.

Ausstellung verlängert

Nachfrage Aufgrund des großen Interesses hat sich das „Ulmer Bündnis gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution“ dazu entschlossen, die während des Internationalen Donaufestes gezeigte Ausstellung „Ohne Glanz und Glamour“ im Stadthaus zu verlängern. Möglich wurde dies unter Mithilfe des Stadthauses, des Ulmer Frauenbüros und Terre des femmes. Die Ausstellung ist bis einschließlich 25. Juli während der üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

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