Bundestags-Kandidat Marcel Emmerich: Jung, aber erfahren

Dem Grünen-Kandidaten Marcel Emmerich liegen die Kern-Inhalte seiner Partei wie Klimaschutz sehr am Herzen. Und auch der VfB Stuttgart.

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Marcel Emmerich war unter dem Motto „Kaffee, Kuchen, Kandidat“ auch in WGs unterwegs, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.  Foto: 

Marcel Emmerich ist 26. Erst, möchte man hinzufügen. Doch der junge Bundestagskandidat der Grünen bringt für sein Alter schon eine Menge politische Erfahrung mit. Er war bereits während des Politik-Studiums für die Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke tätig, arbeitet jetzt als persönlicher Referent des Göppinger Landtagsabgeordneten Alex Maier, kandidierte für den Kreistag seiner Heimatstadt Reutlingen, und vor allem: Er war von 2011 bis 2015 Landessprecher der Grünen Jugend; seine Nachfolgerin ist die Ulmer Stadträtin Lena Schwelling.

So jemanden, Alter hin oder her, kann man nicht so leicht aufs Glatteis führen. Ob für ihn Ministerpräsident Winfried Kretschmann noch ein echter Grüner ist? Emmerich lächelt nur und sagt: „Natürlich.“ Eine andere Antwort käme ihm der Journalistin gegenüber nicht über die Lippen, „dafür mach’ ich das schon zu lang“. Abgesehen davon gäbe es aber auch keine andere Antwort, schiebt er hinterher.

Atomausstieg urgrünes Thema

Emmerich hält es mit dem Stuttgarter OB Fritz Kuhn: Man kann auch mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben. Unter grünen Ideen versteht der Ulmer Kandidat in erster Linie Klimaschutz. Ihn ärgert zum Beispiel, dass der Atomausstieg in der öffentlichen Wahrnehmung Angela Merkel gutgeschrieben wird. Dabei sei das ein ur-grünes Anliegen gewesen.

Ohnehin markiere der Atomausstieg längst nicht das Ende der Klimaprobleme, sagt Emmerich. Um dem Klimawandel entgegen zu wirken sei mehr nötig als das, was „die Klimakiller-Kanzlerin“ auf den Weg bringe. „Die CO2-Emmissionen sind in Deutschland in den letzten Jahren nicht gesunken und 2016 sogar gestiegen.“

Emmerich ist freier Radioredakteur

Zu einer nachhaltigen Klimapolitik gehören für den Politikwissenschaftler und freien Radioredakteur Emmerich auch der Ausbau des ÖPNV, E-Mobilität, naturverträgliche Landwirtschaft und eine Regio-S-Bahn. Egal, was dieser Tage die Schlagzeilen beherrscht, ob Diesel-Skandal, Fipronil-Eier oder Klimawandel – alles seien grüne Themen. „Es gilt zu zeigen, dass wir darauf die richtigen Antworten haben.“

Wenn er mit Menschen spricht, wenn er potenzielle Wähler besucht etwa im Rahmen seines Wahlkampf-Formats „Kaffee, Kuchen, Kandidat“, dann erfährt er, dass zwei Themen die Bürger am meisten ängstigen: Klimawandel und Terror. Um die Sicherheit zu erhöhen, müssten Behörden effizient arbeiten und die Polizei gut ausgestattet sein, sagt Emmerich. „Ich glaube aber nicht, dass immer schärfere Gesetze der Weg zu mehr Sicherheit sind.“

Politisch interessiert war der gebürtige Reutlinger schon als Jugendlicher. „Ich habe gemerkt: Die Positionen der Grünen passen am besten zu meiner Meinung.“ Und weil er über Politik nicht nur meckern wollte, sondern „auch was tun“, trat er in die Partei ein und übernahm schnell Funktionen.

Ziel: Drittstärkste Kraft

Ob der nächste Schritt ein Bundestagsmandat sein wird, ist ungewiss. Seine Chancen umreißt Marcel Emmerich mit dem Satz: „Ich schaue nicht jeden Tag nach einer Wohnung in Berlin.“ Und auch nicht jeden Tag nach den Umfragewerten. Dennoch hat der Kandidat schon gerechnet: Wenn die Grünen bundesweit 12 bis 15 Prozent schaffen und die Grünen im Land bei etwa 16 Prozent liegen würden, dann könnte es ihm als 16. auf der Landesliste reichen. „Ich freue mich über jede Erststimme“, sagt er. „Wer mir aber einen Gefallen tun will, wählt Grün mit der Zweitstimme.“

Emmerich ist Realist genug um zu wissen, dass ein so gutes Abschneiden seiner Partei im Moment kaum wahrscheinlich ist. Das Ziel sei dennoch: „Wir wollen drittstärkste Kraft werden.“ Emmerich sagt aber auch auf die Frage, was das schlimmste Ergebnis der Bundestagswahl sein würde: „Dass wir rausfliegen. Aber davon gehe ich nicht aus.“

Dritter werden – das sieht Marcel Emmerich durchaus sportlich. Dritter sei eigentlich besser als Zweiter, meint er. „Der Zweite hat den Sieg verpasst. Der Dritte aber kommt noch aufs Podest und hat den Vierten hinter sich gelassen.“

Projekt Orange Campus findet er gut

Für Sport hat der 26-Jährige ohnehin viel übrig. Er schaut sich gern Spiele der Ulmer Basketballer an und findet auch das Projekt Orange Campus gut. Vor allem aber schlägt sein Herz für den VfB Stuttgart – nach seiner Freundin natürlich. Marcel Emmerich hat eine Dauerkarte, steht bei jedem Heimspiel mit Schal und Terodde-T-Shirt in der Cannstatter Kurve. Über den Aufstieg in die Bundesliga ist er froh, klar. Er kann aber auch der 2. Liga etwas abgewinnen: „Schön war, dass wir so oft gewonnen haben.“

Auf einen Sieg, jedenfalls ein gutes Ergebnis, hofft der Grünen-Kandidat auch bei der Bundestagswahl. Der Satz, den er über seine Leidenschaft für den VfB sagt, soll schließlich nicht für seine Partei gelten: „Wahre Liebe kennt keine Liga.“


Lebenslauf: Marcel Emmerich wurde vor 26 Jahren in Reutlingen geboren. Nach Abitur und Zivildienst studierte er in Würzburg und schloss mit dem Bachelor in Political and Social Studies ab. Schon während des Studiums war er Mitarbeiter einer Grünen-Bundestagsabgeordneten. Er war vier Jahre lang Landessprecher der Grünen Jugend Baden-Württemberg. Seit April 2016 ist Emmerich Referent des Landtagsabgeordneten Alex Maier. Außerdem arbeitet er als freier Radioredakteur unter anderem für Radio 7 und studiert an der Fern-Uni Hagen den Master-Studiengang Governance. Nach Ulm kam Emmerich 2015 der Liebe wegen: Seine Freundin studiert an der Uni Psychologie. Das Paar lebt mit Chihuahua-Hündin Mira am Karlsplatz.

Letztes Wort: „Ich stehe für echten Klimaschutz, ein weltoffenes Europa und eine solidarische Politik, die die Schwächeren unserer Gesellschaft unterstützt. Das gehe ich mit Mut und Zuversicht an statt mit Hass und Angstmacherei.“

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