Jung und modern: Das Programm des Ulmer Kunstvereins

Von Dunkel zu Licht, von Konzept zu Figur, von Kassel nach Sao Paulo: Der Kunstverein Ulm bietet auch 2013 wieder ein vielfältiges Programm. Mit Raum für junge Kunst - und große Malerei.

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  • Im Schuhhaussaal des Kunstvereins werden dieses Jahr noch Arbeiten von Norbert Tadeusz (links) - hier das Gemälde "Roter Sessel" - und Madeleine Boschan zu sehen sein. Letztere zeigt Installationen wie "Dies alter". Foto: Christoph Münstermann©Galerie Schönwald und Beuse, Düsseldorf/Stephan Klonk courtesy Galerie Bernd Kugler, Innsbruck 1/2
    Im Schuhhaussaal des Kunstvereins werden dieses Jahr noch Arbeiten von Norbert Tadeusz (links) - hier das Gemälde "Roter Sessel" - und Madeleine Boschan zu sehen sein. Letztere zeigt Installationen wie "Dies alter". Foto: Christoph Münstermann©Galerie Schönwald und Beuse, Düsseldorf/Stephan Klonk courtesy Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
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"Die Welt ist so klein geworden", seufzt Monika Machnicki. Das ist in diesem Falle keine Floskel, sondern eine Problembeschreibung. Die Ausstellungsleiterin des Ulmer Kunstvereins würde ja gern so viel zeigen, aber Raum und Zeit haben nun mal ihre Grenzen - zumindest, wenn es sich um das Jahr im Schuhhaussaal handelt. "Wichtig war uns eine größtmögliche Vielfalt", sagt Machnicki. Dem riesigen Angebot müsse man Rechnung tragen.

Die ersten drei Ausstellungen 2013 sind deshalb Gruppenausstellungen. Eine davon läuft bereits: "dark matters" zeigt noch bis 3. März Werke von Sven Drühl, Claas Gutsche und Eckart Hahn. Drei Künstler, die sehr bewusst mit der Farbe Schwarz umgehen, wie Machnicki meint. Sie hat mit den Herren bereits aufschlussreiche Erfahrungen gemacht: "Es ist eine Ausstellung, die Stimmungen verstärkt." Wer schlecht gelaunt sei, merke den Witz nicht, "und die, die gut drauf sind, für die spielt das memento mori keine Rolle".

Mit dem Frühling zieht die Farbe in den Saal ein: "Abra o olho - Augen auf!" (17. März bis 26. Mai) empfiehlt entsprechend der Titel, unter dem zwei Künstler auftreten. José de Quadros und Adriana Woll sind mit ihrer Schau Teil des Frühlingsfestivals der Ulmer freien Kulturträger unter dem Motto Brasilien. Zwei Künstler, die zwar formale Unterschiede aufweisen, sich aber in ihrer politischen Haltung treffen, wie Machnicki erklärt. José de Quadros reflektiere stark auf seine Situation als Künstler, auf die Geschichte - übrigens auch auf die deutsche, hat er doch in Kassel studiert, wo er heute teils auch lebt. Die bedeutend jüngere Adriana Woll dagegen wurde in Sao Paulo ausgebildet und setzt sich mit dem brasilianischen Concretismo der 60er-Jahre auseinander - womit sich eine direkte Linie zur einstigen Ulmer HfG ergibt. Bindeglied zwischen beiden bildet eine Installation von Lapi Pires über brasilianische Favelas, die aus seiner Arbeit mit Jugendlichen entstand.

Eine Brasilianerin ist auch in der Sommerausstellung vertreten: "Mixed Signals/Part II" (16. Juni bis 11. August) präsentiert acht junge Künstler, die in Berlin leben, wo auch "Part I" zu sehen ist. Isabelle Borges, Juliane Eirich, Frederik Foert, Amelie Grözinger, Jens Hausmann, Christian Henkel, Vanessa Henn und Sven Reile haben sich in ihrem jeweiligen Medium ein Thema vorgenommen: die Klassische Moderne, und was davon in der zeitgenössischen Kunst übrig ist. Was bei dieser Reflexion herauskommt, ist eine Überraschung, denn für Ulm wollen die Künstler ganz neue Arbeiten schaffen.

Den ersten Einzelauftritt bringt der Herbst, wenn die 1979 geborene Madeleine Boschan - im Kunstverein inzwischen eine gute Bekannte - ihre erste institutionelle Einzelausstellung mit zehn Lichtplastiken präsentiert (8. September bis 3. November). Alle sind eigens für diese Gelegenheit hergestellt. Mit Rücksicht auf den Fußboden im Schuhhaussaal werde man die Objekte in "Insellösungen" auf Podesten gruppieren, erklärt Monika Machnicki. Passend zum Thema der Schwarm- und Rudelbildung, das Boschan sich bei der Verhaltensbiologie leiht. Diesmal allerdings werden die Installationen wohl voluminöser ausfallen, um den Raum zu bespielen. Ausstellungsleiterin Machnicki jedenfalls ist sehr gespannt, und zwar jenseits aller Theorie: "Das wird emotional sehr wirksam."

So dunkel das Jahr im Kunstverein begonnen hat, soviel Farbe schenkt er zum Ende hin. In der Reihe der deutschen zeitgenössischen Klassiker, in der schon Penck, Lüpertz und Immendorff zu sehen waren, kommt jetzt - eben nicht Baselitz an die Reihe. Sondern Norbert Tadeusz. Ein Beuys-Schüler, an dem man sehen könne, wie weit das Herz des Meisters war, sagt Machnicki. Denn Tadeusz sei "einfach nur ein Maler", und zwar ein figurativer. Man werde Bilder präsentieren können, die äußerst selten gezeigt werden. Der Kunstverein arbeitet für die Ausstellung (17. November bis 6. Januar 2014) mit der Galerie zusammen, die den Nachlass des 2011 verstorbenen Tadeusz verwaltet. Monika Machnicki freut sich hörbar: "Ich gehe davon aus, dass wir ein paar schöne, große Gemälde haben werden."

Info www.kunstverein-ulm.de

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