Jugendlichen für Sex bezahlt - Angeklagter kommt für ein Jahr in Haft

Zu einem Jahr Haft ist am Freitag ein 44-Jähriger am Landgericht Ulm verurteilt worden. Er hatte einen Minderjährigen sexuell missbraucht.

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Den 29. Juli 2013 wird er wohl nicht so schnell vergessen können: Nur knapp einen Monat nach seinem 17. Geburtstag wurde ein junger Mann sexuell missbraucht. Der Täter: eine Chat-Bekanntschaft aus dem Online-Portal "Team Ulm". Völlig unverhohlen fragte der spätere Angeklagte aus dem Alb-Donau-Kreis den 17-Jährigen, ob dieser ihn gegen Bezahlung sexuell befriedigen würde. "Für Geld mache ich alles", lautete dessen Antwort. Die beiden trafen sich, es kam zum verabredeten Oralverkehr und weiteren sexuellen Handlungen. Als Gegenleistung erhielt der Geschädigte 50 Euro. Nach dem Treffen suchte dieser seine Arbeitsstätte auf und erzählte seiner Chefin, einer Wirtin, er sei sexuell missbraucht worden. Daraufhin verständigte diese die Polizei, es kam zur Anklage.

Das Amtsgericht Ulm verurteilte den Täter am 23. Januar 2014 zu einer Haftstrafe von eineinhalb Jahren ohne Bewährung. Dagegen wehrte sich der Angeklagte, er legte Berufung ein. Gestern wurde erneut verhandelt: In Handschellen wurde der Angeklagte in den Saal 136 des Landgerichts Ulm geführt. Er trug eine dunkelgraue Sweatjacke, schwarze Jeans und Turnschuhe. Sein Blick ging ins Leere. Während der Verhandlung meldete er sich kein einziges Mal zu Wort.

Es war nicht das erste Mal, dass der 44-Jährige, der sich dem Opfer im Chat als 29-Jähriger ausgegeben hat, wegen sexueller Handlungen mit Jugendlichen gegen Entgelt auf der Anklagebank sitzt. Bereits 2010 wurde er in zwei anderen Fällen durch das Amtsgericht Ulm zu zehn Monaten und drei Jahren Bewährung verurteilt. Damals hatte er eine 15-Jährige und einen 16-Jährigen zum Geschlechtsverkehr mit ihm und miteinander überredet. Dafür erhielt das Mädchen 70, der Junge 50 Euro. Eine Lehre schien der Angeklagte, der zum Zeitpunkt der gestern verhandelten Straftat noch unter Bewährung stand, daraus nicht gezogen zu haben.

Richter Wolfgang Tresenreiter erklärte, er könne das Urteil des Amtsgerichts prinzipiell nachvollziehen, lasse sich aber "gerne von etwas anderem belehren". Nach langem Hin und Her und einer 15-minütigen Unterbrechung einigten sich Richter und Verteidigung darauf, dass es nur noch um die Höhe der verhängten Strafe geht. Die Geschehnisse am 29. Juli 2013 wurden nicht infrage gestellt. Staatsanwältin Ayfer Kaplan-Pirl stimmte dem zu.

Auch das Opfer des sexuellen Missbrauchs war zur Verhandlung gekommen, der Jugendliche war als Zeuge geladen. Weil der Angeklagte ihm jedoch eine Aussage vor Gericht in zweiter Instanz ersparte - ein Umstand, der laut Richter Tresenreiter hoch zu bewerten ist - und das Alter des Opfers gemäß Gesetz nicht den höchsten Schutz fordert, verhängte das Landgericht eine mildere Strafe als das Amtsgericht: ein Jahr Haft, allerdings wieder ohne Bewährung. Weil der Angeklagte einschlägig vorbestraft ist, wurde ihm diese nicht gewährt. "Wir verzichten auf Rechtsmittel", erklärte Verteidiger Alfred Nübling. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

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