Jugendchor der Ulmer Spatzen reist durch China

Der Jugendchor der Ulmer Spatzen ist gut in Peking gelandet und hat dort in einem Workshop chinesische Chorleiter begeistert. Das öffentliche Interesse an den Deutschen ist groß. Reisenotizen aus Fernost.

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Als die Tänzerinnen und Tänzer des Ulmer Theaters vor fast 20 Jahren mit ihrem Ballettchef Qu Ping drei Wochen lang durch dessen Heimatland China tourten, war das noch eine Abenteuerreise, auch fast ein Politikum: zehn Vorstellungen in fünf Großstädten. Und Nachrichten gab es damals, 1996, nur spärlich, und zwar per Fax: "Essen hervorragend, Wetter heiß, viele Radfahrer." Dann herrschte wieder tagelang Schweigen. Da hat sich viel verändert, mittlerweile war auch die Junge Ulmer Bläserphilharmonie zweimal auf China-Reise. Und jetzt sind am Samstag die Ulmer Spatzen nach Fernost geflogen - sie melden sich via Internet.

Das heißt, im autoritären China ist das mit dem Internet so eine Sache, Facebook ist verboten, blockiert. Aber per Whatsapp schickte am Mittwoch Chormitglied Carla Frank Reisenotizen für die Leser der SÜDWEST PRESSE. Die rund 50 Ulmer Jugendlichen, ihre Betreuer sowie Dirigent Hans de Gilde sind rundum fasziniert von diesem Land, das sie in den Osterferien zwei Wochen lang erleben werden. "Von der ersten Minute an war klar: China ist völlig anders. Schriftzeichen, Essen, chaotischer Verkehr - als Europäer ist man hier meistens überfordert."

Was ungewohnt ist für die schon weit durch die Welt geflogenen Ulmer Spatzen: "Hier sind wir großteils auf unsere chinesischen Organisatoren angewiesen, da wir weder chinesisch noch die Chinesen deutsch sprechen können. Beim Essen lässt man sich am besten nicht von der europäischen Devise ,Das Auge isst mit' leiten, sondern probiert alles vorsichtig durch. Den Rest lässt man auf dem Teller liegen, das ist in China sogar üblich, wenn man den Koch nicht vor den Kopf stoßen möchte."

Beeindruckt zeigen sich die Spatzen ebenso von der Architektur: "Unzählige Hochhäuser, auch total moderne mit traditionellen chinesischen Dächern in bunten Farben. Besonders wichtig: alles am besten in Rot, in der Glücksfarbe der Chinesen!" Besichtigt hat der Chor in Peking auch das "Vogelnest", das von den Schweizern Herzog & de Meuron entworfene Nationalstadion für die Olympischen Spiele 2008.

Die erste Station der Reise war also Peking, Hans de Gilde und Barbara Comes (Klavier) hielten mit den Spatzen einen Workshop für chinesische Chorleiter - "alle hörten sehr engagiert und aufmerksam zu, machten ständig Fotos und drehten pausenlos Videos von uns. Toll fanden es die Chinesen, dass wir auch ein traditionelles chinesisches Volkslied sangen - ,Jasmine'. Die mitgebrachten CDs waren schon nach drei Tagen alle verkauft."

Natürlich ist der Spatzen-Chor auch eine exotische Erscheinung, "es vergehen keine zwei Minuten, bis ein Mutiger sich traut, uns um ein gemeinsames Foto zu bitten. Wir werden exzellent behandelt, auch deshalb, weil die Chortradition in China relativ jung ist (die Chorleiterausbildung gibt es erst seit etwa zwölf Jahren) und alle etwas lernen möchten."

Aus diesem Grund, so berichtet Carla Frank, werde der Chor in Qingdao von einem Fernsehteam begleitet. Die Acht-Millionen-Stadt im Osten Chinas gehörte von 1898 bis 1919 als Kolonie zum Deutschen Reich, weltbekannt ist die Küstenmetropole für ihr Bier namens "Tsingtao". Gebraut wird es nach dem deutschen Reinheitsgebot. Auf dem Programm der Spatzen stehen die Besichtigung einer christlichen Kirche und der Wusi Square, von dem aus man übers Gelbe Meer direkt nach Korea schauen kann. Aber es wird auch eine Begegnung des Chors mit chinesischen Schülern geben, und Spatzen-Vorstand Tobias Mehlich und Dirigent Hans de Gilde unterzeichnen einen Freundschaftsvertrag mit dem Bürgermeister von Qingdao.

Die nächsten China-Stationen sind dann Zhengzou, Wuhan, Hefei und Taiyuan. Aber der Höhepunkt der Reise wird am Freitag nächster Woche ein Auftritt der Ulmer Spatzen in der Zhongshan Music Hall in der Verbotenen Stadt von Peking sein. Carla Frank schreibt: "Das Konzert wird zu unserer Freude vom chinesischen Staatsfernsehen CCTV 4 aufgezeichnet und am 12. April ausgestrahlt, so dass uns zirka 100 Millionen Menschen sehen und hören werden!"

Auf Tour in Fernost

Konzert Zwei Wochen lang bereisen die Spatzen das Reich der Mitte. Gestern schickte Sängerin Carla Frank im Namen des Jugendchors "Grüße aus China". Nach zahlreichen Konzerten und einem Besuch der Großen Mauer werden die Spatzen am 11. April wieder zurückfliegen. Die Musik und die Bilder der Reise stellt der Chor dann am 9. Mai beim Jahreskonzert der Ulmer Spatzen im Edwin-Scharff-Haus vor.

 

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