Journalisten im Streik

Vor der neunten Tarifrunde bei Journalisten ging in der Ulmer Fußgängerzone eine Demo mit rund 100 Redakteuren über die Bühne.

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Rund 100 Redakteure nahmen gestern an einer Kundgebung gegen Tarifabbau ihrer Branche in Ulm teil und veranstalteten eine Protest-Aktion auf den Münsterplatz. Foto: Matthias Kessler

Die Tageszeitungs-Journalisten haben nach rund zehn Jahren mit Reallohn-Verlusten die Sparprogramme der Verlage satt. Das erklärte der neue Betriebsratsvorsitzende der SÜDWEST PRESSE, Thomas Gotthardt, bei einer Kundgebung im laufenden Tarif-Streik gestern am Berblinger-Brunnen in Ulm. Dazu waren mehr als 100 Journalisten gekommen - nicht nur von der Ulmer Redaktion, sondern auch aus Augsburg, Neu-Ulm, aus Geislingen, Göppingen, Heidenheim, Reutlingen und Ehingen. Es gab weitere Kundgebungen in Baden-Württemberg.

Mit Blick auf den geplanten Abbau beim Entgelt und Urlaub sagte Gotthard, Redakteure befürchteten, dass ihr Beruf entwertet wird: "Qualitätsjournalismus wird kaputtgemacht." Verdi und der Deutsche Journalistenverband (DJV) fordern dagegen die unveränderte Weiterführung des Manteltarifvertrags sowie 5,5 Prozent mehr Gehalt. Gotthardt: "Wir verdienen das" - auch wegen der unkalkulierbaren Arbeitszeiten und Wochenenddienste. Für Verdi und Deutsche Journalisten-Union (DJU) kritisierte Joachim Kreibich vom Bundesvorstand ebenfalls, dass die Zeitungsjournalisten beim Reallohn nach einer Reihe schlechter Abschlüsse hinterherhinken. Diesmal dürfe es trotz der Hinhalte-Taktik der Verleger keinen Abschluss als "Minusgeschäft" geben.

Das Jahresgeld an Zielvereinbarungen wie in der Industrie zu koppeln nannte er "skandalös", ähnlich wie Einschränkungen bei der Lohnfortzahlung. Es gehe nur noch um die Rendite. Kreibich betonte die Bereitschaft zu Verhandlungen, falls ein Verlag in Schwierigkeiten gerät. Aber: "So groß ist die Not nicht."

Zum Abschluss zogen die Journalisten durch die Hirschstraße zum Münsterplatz und bildeten dort mit einer Art Menschenkette das Motto nach: "Worte sind wertvoll".

SÜDWEST PRESSE betroffen
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