Joseph Furttenbach: Der Chef-Planer der Reichsstadt

Ein Ulmer von internationalem Rang war der Architekturtheoretiker Joseph Furttenbach. Eines seiner bekanntesten Bücher ist die Architectura universalis - nicht zu verwechseln mit der Architectura universale.

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Wer im Internet nach Joseph Furttenbach (1591-1667) sucht, findet dort Digitalisate seiner Werke, unter anderem seine "Architectura universalis". Das Buch mit dem lateinischen Titel besteht aus vier Teilen: einem militärischen, einem zivilen, einem über Wasserbauwerke, darunter Schiffe und Flöße, und einem über Geschütze, Geschosse, Feuerwerk und Pulvermagazine.

Dieses zu seiner Zeit recht bekannte Werk ist nicht zu verwechseln mit der dreibändigen "Architectura universale", die Furttenbach von Hand geschrieben und gezeichnet hat und die daher zu den Schätzen des Ulmer Stadtarchivs zählt. Ihr italienischer Titel verrät, dass der Autor zwölf Jahre seiner Jugend in Italien verbracht hatte, wo er unter anderem mit Galileo Galilei in Kontakt getreten war.

Der Unterschied zwischen der gedruckten und der von Hand gestalteten Fassung ist ganz erheblich: Die handgeschriebene enthält größtenteils Projekte, die Furttenbach während seiner Amtszeit als Leiter des Bauamts der Stadt Ulm geplant und teilweise ins Werk gesetzt hat. Zum Beispiel den Umbau des oben abgebildeten "Dicken Turms", von dem heute nur noch die achteckige Basis an der Stadtmauer die Spaziergänger zum Sitzen einlädt.

Von diesen Ulmer Projekten findet sich nichts in der Architectura universalis - zumindest nicht in der konkreten Ulmer Ausformung, sondern nur stark verallgemeinert, gewissermaßen als theoretische Modelle. Der Grund dafür ist der Einleitung zum ersten der handgeschriebenen Ulm-Bände zu entnehmen.

Darin weist Furttenbach auf seine bereits im Druck erschienenen früheren Werke hin. Die dürften den Ulmer Rat veranlasst haben, ihn, den gelernten Kaufmann, am 9. August 1631 in seinem Kontor mit der Aufforderung zu konfrontieren, die Leitung des Ulmer Bauamts zu übernehmen - was Furttenbach auch tat. Ein Jahr später, am 5. August 1632, schrieb er im Vorwort zu seiner Architectura universale, dass er nicht beabsichtige, diesen Band drucken zu lassen. Kein Wunder: Die darin beschriebenen Projekte waren zu einem großen Teil militärischer Art, betrafen unter anderem die Ulmer Stadtbefestigung - und dürften somit der Geheimhaltung unterlegen haben.

Das mag auch für den Umbau des Dicken Turms gegolten haben. Furttenbach bezeichnet ihn als "Fischerturm". Das ist insofern verwirrend, als die ältere mittelalterliche Befestigung ebenfalls einen "Fischerturm" aufwies, der aber beim Kobelgraben unterhalb der heutigen Wilhelmshöhe stand. Der Dicke Turm hingegen war Teil der erst 1480 errichteten Donaustadtmauer. Anderthalb Jahrhunderte später, zu Furttenbachs Zeit, war sein Standort zwar noch relevant für die Stadtverteidigung. Aber seine Bauweise konnte der weiterentwickelten Geschütze nicht mehr standhalten.

Der neue Stadtbaumeister analysierte zunächst die Situation. Er befand zunächst, dass die unteren Schießscharten viel zu tief lagen. Bei Hochwasser - der Dicke Turm stand damals noch in der Donau - wurde das untere Geschoss des Turmes geflutet. Außerdem seien die dort befindlichen Kanonen dem Unfug der Fischerbuben ausgesetzt, die von ihren Zillen aus Wasser in den Lauf schütten konnten. Andere Bösewichter könnten noch Schlimmeres bewirken, indem sie Pulversäcke in den Turm werfen und sie entzünden könnten. Sein Rat daher: Schießscharten im unteren Geschoss zumauern.

Im nächsten Stockwerk herrschte ein andere Problem: Beim Abfeuern der dortigen Kanonen entstand ein derartiger Rauch und Krach, dass eine effektive Verteidigung kaum möglich war. Furttenbachs Vorschlag: In der Mitte des Turms einen mächtigen Kamin als Rauchabzug einbauen und die Position der Kanonen weiter nach außen zu verlagern, damit weniger Rauch und Lärm in den Turm dringe.

Eine weitere Änderung erforderte das hohe Dach des Turmes, das zwar, wie Furttenbach einräumte, wunderschön war mit seinen acht Erkern. Doch im Falle eines Angriffs bot es ein großflächiges Ziel, und die herumfliegenden Trümmer gefährdeten die umstehenden Häuser.

Furttenbach schlug daher vor, das alte Dach samt Erkern abzunehmen und zu ersetzen durch ein niedrigeres achteckiges, aus dem der Kamin in Form eines Türmchens ragte. Zudem fügte er noch einen "oberen Boden" ein, der 20 Musketieren Platz zum Abfeuern ihrer Gewehre bot. Der Ulmer Rat billigte Furttenbachs Vorschläge, die alsbald in die Tat umgesetzt wurden.

Doch auch zahlreiche zivile Projekte hat Furttenbach in seiner dreibändigen Handschrift dokumentiert, darunter Lazarette, das Gefängnis, Friedhofsanlagen sowie sein heute noch zu besichtigender Neubau des abgebrannten Ostflügels der "Krone". Und schließlich verdanken wir ihm auch die erste zeichnerische Aufnahme eines Ulmer Donauschiffes, von dessen Typ laut Furttenbach 1632 auf Befehl des Schwedenkönigs Gustav Adolf zahlreiche gebaut wurden.

Leutkirch - Italien - Ulm

Der Erfinder Geboren ist Joseph Furttenbach am 30. Dezember 1591 in Leutkirch. Doch schon mit 16 Jahren kam er nach Italien, wo er zwölf Jahre lang den Kaufmannsberuf erlernte, sich aber auch mit Architektur befasste. Ein Jahr nach seiner Rückkehr zog er 1621 nach Ulm, wo er bis an sein Lebensende 1667 blieb. 1631 wurde er Leiter des Bauamts, und 1636 zog er in den Rat ein. Er plante unter anderem das erste Ulmer Theater. Sein eigenes Haus Ecke Sterngasse/Ulmer Gasse zog Besucher von nah und fern an.

 

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