Jörg-Heinrich Benthien spielt den Hauptmann von Köpenick

Er ist bereits zum dritten Mal in Ulm engagiert, den "Hauptmann von Köpenick" gibt er auch schon zum zweiten Mal. Aber Theaterspielen findet Jörg-Heinrich Benthien (53) immer erfrischend.

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Mütze, Offiziersmantel und die richtige Haltung: Jörg-Heinrich Benthien freut sich, wieder den Voigt zu spielen. Foto: Volkmar Könneke

Sie spielen die Titelrolle in Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick": Ein Hamburger gibt vor Schwaben einen Berliner - geht das gut?

JÖRG-HEINRICH BENTHIEN: Sehr gut! Zuckmayers Kunstsprache ist ohnehin wie Musik. Und echte Berliner Schlampigkeit will ja keiner zwei Stunden lang hören, auch wenn wir mit einem Sprachcoach gearbeitet haben.

Sie haben die Rolle bereits 2004 in Saarbrücken gespielt, auch damals schon hat Andreas von Studnitz Regie geführt. Wie fühlt es sich an, der Figur des Voigt wieder einen Besuch abzustatten?

BENTHIEN: Es ist ein bisschen komplizierter - weil die Figur auch mich besucht. Zwischen dem Voigt und mir ist das so: Er stellt mir seine Blankheit zur Verfügung, und ich schenke ihm meine Fähigkeit zur Verwunderung. Wir beide haben uns mit der Zeit ganz gut kennengelernt.

Die Figuren des Stücks fußen im Soldatentum des Kaiserreichs, und Sie spielen das nun auf der Wilhelmsburg, einer militärischen Anlage aus dem 19. Jahrhundert. Klingt so, als passt es gut dorthin.

BENTHIEN: Klar. Aber zunächst hatte ich Zweifel - wegen den enormen Dimensionen auf der Burg, wegen diesen Entfernungen. Während der Proben habe ich dann festgestellt: Die Dunkelheit ist mein Freund und ein Freund der Figur, denn sie bringt eine Konzentration auf den Voigt mit sich. Außerdem werden die anderen Rollen sehr grell gezeichnet. Auch das unterstützt die Einsamkeit meiner Figur.

Sie spielen im "Hair"-Bühnenbild. Stört das nicht?

BENTHIEN: Es ist völlig egal. Wir haben auch ganz wenige Requisiten, dafür nutzen wir eben den Platz: Entweder sind die Figuren ganz weit voneinander entfernt, oder sie sind ganz nah beieinander. Mittlerweile finde ich: Die Größe auf der Burg fühlt sich geil an.

Ihr Regisseur sagt: "Jörg-Heinrich Benthien steht als Schauspieler und Mensch auf wunderbare Weise über den täglichen Kleinfrustanwandlungen - das passt toll zur Figur Voigt. Das ist keiner, der sich duckt und kleinmacht, sondern trotz der widrigen Verhältnisse seinen Witz und seine Widerworte nicht verliert." Können Sie damit was anfangen?

BENTHIEN: Das gefällt mir! Manchmal kann ich mich gut aus Sachen raushalten, manchmal gar nicht. Und das führt zu einer Grundfrage des Stücks: Was ist gerecht, was ist ungerecht?

Sie waren schon 1993/94 unter Bernd Wilms in Ulm, dann im ersten Studnitz-Jahr 2006/07 in der "Orestie" und in "Sweeney Todd" dabei, nun gehören Sie zum dritten Mal dem Ensemble an. Was führt Sie immer wieder nach Ulm zurück?

BENTHIEN: Es hat sich so ergeben, irgendwie war ich hier noch nicht fertig. Außerdem mag ich diesen Theaterklotz, der aussieht, als ob er vom Saturn gefallen wäre.

"Der Hauptmann von Köpenick" ist das achte Stück, in dem Sie in dieser Spielzeit zu sehen sind; allein das Märchen haben Sie 40 Mal gespielt. Sind Sie nicht urlaubsreif?

BENTHIEN: Nö. Wir machen jetzt auch nicht nur den "Hauptmann von Köpenick", sondern bereiten für die nächste Spielzeit "Cabaret" vor und unterhalten uns schon mal über "Dantons Tod". Urlaubsreif? Im Sommer spiele ich in Hannover Open-Air-Theater, ein "Sommernachtstraum"-Musical. Theaterspielen finde ich erfrischend.

Auch befreiend?

BENTHIEN: Es ist doch nur Theater, mir kann nichts passieren! Wenns gutgeht, wird die Welt ein bisschen reicher, wenn nicht, macht es zumindest mich an Erfahrungen reicher.

Am Sonntag ist Premiere auf der Wilhelmsburg
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