James Crutchfield Trio mit Bill Elgart im Jazzkeller Sauschdall

Zwei junge Musiker aus der Würzburger Jazzszene und der in Ulm lebende Routinier Bill Elgart am Schlagzeug: Dabei kam eine bemerkenswerte Begegnung im Jazzkeller Sauschdall heraus.

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Abgeklärter Profi: Bill Elgart im Sauschdall.  Foto: 

Das ging mit einer interessanten Version der Beatles-Nummer "Cant Buy Me Love" im altehrwürdigen Jazz-Keller Sauschdall eigentlich gut los. Eigentlich, denn dann spielte die Technik Gitarrist James Crutchfield per defektem Kabel den einen oder anderen Streich. So was kann einen Musiker schon sehr in der Konzentration stören, und so holperte es anfangs ein wenig im Trio-Getriebe.

Mit dem Verlauf des Abends wurde dann alles schön und gut. Was seinen Grund auch in der Auswahl der Stücke (Sonny Rollins, Thelonious Monk, John Coltrane) hatte, aber nicht unbedingt der Verdienst von James Crutchfield war, der zwar seine Scales sehr sorgfältig gelernt, aber zu wenig eigene Farbe im Spiel hat. Der junge Texaner ist hörbar gut ausgebildet, sehr strukturiert und weiß immer genau, was er als nächstes spielt.

Senior-Drummer Bill Elgart hat davon unter Garantie keine Ahnung. Er überlässt sich der Musik, dem Groove und wartet darauf, was sie mit ihm macht. Er wird ein regelrechter Teil seiner Felle und Becken, oder anders herum, sie werden ein organischer Teil von ihm.

Seine Soli sind eigenständige, aus dem Moment geborene Zustandsbeschreibungen. Was dazu führen kann, dass Bill Elgart sich drehen und winden muss, als leide er unter einer Art von sanftem Krampfgeschehen. Das sieht nicht immer elegant aus, aber der Ulmer Drummer ist nicht nur als Musiker schon weit jenseits aller Eitelkeiten angekommen.

Als James Crutchfield scherzte, "wir haben überlegt, ob wir an Halloween mit Maske kommen . . .", war Elgarts Replik: "We dont need no masks" (Wir brauchen keine Masken)". Wie gesagt, keinerlei Eitelkeit, und wenn Elgart Musik macht, interessiert ihn, was in der Restwelt geschieht, sowieso herzlich wenig. Eine solche Haltung hat natürlich mit dem Alter und der in der Musik gereiften Persönlichkeit zu tun.

Die jungen Musiker des Trios haben da noch einen langen Weg vor sich. Auf einem sehr guten Weg dahin aber ist der erstaunliche Bassist Philipp Neuner-Jehle. Der überhaupt nicht nach Jazz aussieht, ihn aber bereits in beeindruckender Qualität produzieren kann. Was er da genau macht, ist schwer zu eruieren, denn er verzichtet auf jegliche technische Kabinettstückchen. Die hat er auch nicht nötig, denn er weiß genau auf was es ankommt: Sound, Phrasierung und Intensität. Ein guter Mann.

Info Am 30. November, 20.30 Uhr, gastiert das Ole Seimetz Quartett mit Max von Mosch (Saxophon), David Patrick (Piano), Andrew Robb (Bass) und Ole Seimetz (Schlagzeug) im Jazzkeller Sauschdall.

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