Jagd- und Fischereimesse: Jeans zum Jagd-Janker

Jagdkleidung muss nicht immer nur grün und praktisch sein. Schicke Jagdmode in Leder und Pelz kann sogar zu jedem Anlass und zu Jeans getragen werden. Ein Streifzug durch die Messe "Jagd und Fischerei".

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Eine Damenlederhose im modernen Five-Pocket-Jeans-Style mit gerade geschnittenem, extralangem Bein zum Selbsteinkürzen und mit nietenbesetzten Taschen. Da wird nicht nur das Herz der Jägerinnen oder Förstersfrauen schwach. Denn solch eine Lederjeans in den Größen 34 bis 46 kann (fast) jede Frau tragen und sogar in der Waschmaschine waschen. Genauso gibt es dieses Modell für modebewusste Männer, Kleidergröße 46 bis 58. "Das ist Leder von argentinischen Steakrindern oder asiatischen Wasserbüffeln", sagt Roland Dannecker aus Kirchgellersen. Er ist mit seiner Lederbekleidungs-Kollektion extra aus der Lüneburger Heide nach Ulm zur Messe "Jagd und Fischerei" angereist. Sie ist auf dem Messegelände in der Friedrichsau noch heute, Samstag, und morgen jeweils von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet.

Zu einer schicken Lederdamenweste im Piratenlook, das heißt mit Schalkragen, empfiehlt Dannecker eine weiße Bluse sowie durchaus die klassische blaue Jeans. Aber man könne genauso gut einen Trachtenrock dazu anziehen und einen Jagd-Janker drüber. Allein für die Weste aus softigem Ziegenleder muss man aber schon rund 190 Euro hinlegen.

Hochpreisig sind erst recht Jacken, Westen und Mützen aus Rotfuchsfell. Das Besondere daran: Die Füchse wurden alle im Schwarzwald geschossen. Dort hat ihre Zahl - wie überall in Europa - um das Siebenfache zugenommen, weil es so gut wie keine Tollwut mehr gibt. So wagen sich die Füchse mangels Nahrung bis dicht an die Wohngebiete. Als eine Reaktion auf die hohe Populationsdichte des Fuchses hat der Landesjagdverband Baden-Württemberg das Artenschutzprojekt "Auerhuhn" ins Leben gerufen, sagt Dieter Geiger, der Auerwildbeauftragte für den Südschwarzwald. Er ist derzeit in Halle 3 Ansprechpartner für die Jagdmessebesucher.

Das Auerhuhn ist in Mitteleuropa nur selten und nur in unberührten Bergwaldregionen anzutreffen. Und der Fuchs ist sein Feind. Da die Jagd auf Füchse seit Jahren für die Jäger nicht mehr interessant war, weil keiner das Fell abkaufen beziehungsweise als Pelz tragen wollte, soll dieser Markt nun wieder forciert werden. Geschossen werden die heimischen Rot- und Kohlfüchse (die Färbung geht bis ins Dunkelbraun) jedoch nur im Winter, weil das Fell dann länger, dichter und räudefrei ist. 12 bis 20 Euro erhalten Jäger bislang wieder für jeden abgezogenen und getrockneten "Balg", die rohe Tierhaut.

Diese wird dann vom Gerber in verschiedene Gerbsäuren gelegt und schließlich getrocknet. Dieses Verfahren dauert im feuchten Winter bis zu vier Wochen, erklärt Kürschnermeister Oliver Ries aus Bonndorf im Schwarzwald. Er repariert die Schrotschusslöcher im Leder und setzt sich dann an die Pelznähmaschine, um die Felle zu Kleidung, Handtaschen und Bettüberwürfen zu verarbeiten. Das sei alles viel Handarbeit, betont Ries. Allein an einer Damenpelzweste sitzt er 20 Stunden samt Innenfutter und Verschlüssen. Deshalb auch der Verkaufspreis von rund 1000 Euro. Ein einziges Fuchsfell sei letztlich 100 Euro wert.

Gerber und Kürschner Karl Braun aus Geislingen, der auch viele Bälge aus der Ulmer Region aufkauft, begrüßt diese Entwicklung ebenfalls. Er näht etwa Schalkragen und Mützen aus heimischem Rotfuchsfell. Die Patchworkjacken setzt er aus vielen kleinen verschieden braunen Fellstreifen der Fuchsläufe (Beine) zusammen.

Schmuckhersteller Albert Schweitzer aus Gütersloh wiederum hat nur Interesse an den Reißzähnen des Fuchses. Er steckt sie an Schmuckmotive wie Wildschweinkopf, Edelweiß und Rehbockgehörn aus einer Zinnlegierung. Das Ganze wird auf einer Hirschhornscheibe befestigt, die auf eine grüne Kordel aufgezogen wird. Fertig ist die so genannte Trachtenkrawatte für den jagdmodebewussten Herrn. Frau trägt lieber "Grandelschmuck". Grandeln sind in der Waidmannsprache die Eckzähne von Wiederkäuern wie Hirsche. Die Zähne werden als Jagdtrophäen in Broschen und Anhänger eingearbeitet.

Die Dame, die nicht so gerne Wildzähne oder Knöpfe in Hirschhornoptik trägt, kann sich stattdessen mit Tüchern schmücken: Etwa aus Mikromodal, also weich gemachter Baumwolle, mit orange-weißem Muster, auf dem grüne Hirsche springen. Richtig edel ist das Seidentuch mit den Motiven Hagebutte, Auerhahn und Wildente; alles in Naturtönen gehalten.

Farbenfroh kommt dagegen die feine rote Jacke aus reiner Schurwolle daher, in die Modeberaterin Astrid Deimel aus Eggeringhausen (Nordrhein-Westfalen) für unser Foto geschlüpft ist. Das Revers leuchtet innen in Kiwigrün, die Seitentaschen haben orangefarbene Paspeln. Diese sind ein Hingucker und stabilisieren zugleich den Tascheneingriff. Zu der edlen Jacke "trage ich gerne Jeans", sagt Astrid Deimel. Oder eine schwarze Damenlederhose im modernen Five-Pocket-Jeans-Style. . .

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