Iveco-Belegschaft will 30.000 Unterschriften

Die Iveco-Belegschaft geht auf die Straße und unter die Leute. Sie sammelt Unterschriften, will die kurzfristige Lkw-Produktionseinstellung verhindern und Zeit gewinnen, um ein eigenes Konzept zu entwickeln.

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Beschäftigte sammeln Unterschriften, wollen Zeit gewinnen. Foto: Schulz

Verlagerung der Lkw-Produktion ins Iveco-Werk nach Madrid und Einstellung des Lastwagenbaus in Ulm, was den Verlust von 670 Arbeitsplätzen bedeutet; Konzentration der Brandschutzaktivitäten in Ulm und damit Ende für alle knapp 200 Arbeitsplätze im Brandschutzwerk im badischen Weisweil. Das sind, im Stenogrammstil, die Vorstellungen der Turiner Konzernleitung über die Zukunft von Iveco Deutschland. Die Belegschaft und ihre Vertretungen - örtlicher Betriebsrat, Vertrauensleute, Konzern-Betriebsräte - nehmen diese Absichten nicht als Gott gegeben hin. Seit Tagen sammeln die Arbeitnehmer Unterschriften. 30.000 sollen es in kurzer Zeit werden, berichtete am Samstag in der Fußgängerzone Armin Rehm, der dem Vertrauensleutekörper angehört und seit mehr als zwei Jahrzehnten bei Iveco schafft. Ein guter Anfang, dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, ist gemacht. Um so mehr, als bereits am vergangenen Mittwoch vor der Ratiopharm-Arena anlässlich des Basketball-Finalspiels Ulm gegen Bamberg mehr als 1000 Unterschriften gesammelt werden konnten.

Am Samstag ist am Stand in der Fußgängerzone auch eine Abordnung der Beschäftigten aus Weisweil vertreten. "Wir lassen uns nicht auseinander dividieren", beschwört Eberhard Mühlhaus den Zusammenhalt der Belegschaften verschiedener Standorte. Was Iveco für Weisweil bedeutet, macht er an Zahlen deutlich: Der Ort hat 2100 Einwohner, 480 Arbeitsplätze, davon 194 bei Iveco, nebenbei durchweg gut ausgebildete Fachkräfte.

Mit einer möglichst eindrucksvollen Liste an Solidaritätsadressen dieser Art in Händen "und mit breiter Unterstützung aus der Politik und von Funktionsträgern, die wir uns erhoffen" im Rücken will man dann mit der Konzernspitze um den Erhalt von Arbeitplätzen ringen, sagt Wilfried Schmid. Der Ulmer gehört als Konzernbetriebsratschef dem Iveco-Aufsichtsrat an. Es gelte, Zeit zu gewinnen. "Wir möchten ein vernünftiges Gegenkonzept entwickeln. Das geht nicht hopplahopp." Erstes Ziel sei es, die von der Konzernspitze beabsichtigte Lkw-Produktionsstilllegung Ende September zu verhindern. Schmid: "Es darf nicht das Bild einer leer stehenden Lastwagenfabrik entstehen."

Die Belegschaft meint, gute Argumente zu haben: Qualität der Mitarbeiter und der Produkte, zentrale Ulmer Lage in Europa. "Warum soll hier nicht das Dienstleistungszentrum für Iveco in Europa entstehen?", fragt Schmid. Ohnehin sei es Wahnsinn, Markenware von Ulm nach Spanien zu transportieren, dort die Lkw zu fertigen und sie aus dem Süden dann wieder nach Mitteleuropa zu karren. "Diese Logistikkosten haben die anderen Premiumhersteller Daimler und MAN nicht, weil sie hier produzieren."

Mit solchen Argumenten ernten die Iveco-Beschäftigten am Infostand Zustimmung, Aufmunterung - und Unterschriften. "Iveco gehört zu Ulm wie das Münster", sagt ein Passant. Keiner widerspricht.

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