Investitionsstau bei der Lebenshilfe - Proteste in Jungingen

Die Einrichtungen der Lebenshilfe Donau-Iller sind in die Jahre gekommen. Dazu zählt auch die Behinderten-Werkstatt in Jungingen. Dort protestieren Eltern gegen die Zustände – und finden Gehör.

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Am Samstag lockt wieder der Weihnachstsmarkt in der Lebenshilfe-Werkstatt in Jungingen, auch mit einem Tag der offenen Tür. Vor den Toren beklagen aber Eltern, dass die dringend notwendige Sanierung auf sich warten lässt.  Foto: 
„Wir tun das für unsere Kinder, die sich selbst nicht wehren können.“ Das sagt Elke Plankenhorn aus Ulm, deren 27 Jahre alte und behinderte Tochter seit zwei Jahren in die Junginger Lebenshilfe-Werkstatt am Pfannenstiel geht. Die Einrichtung, so sagt sie, sei deutlich in die Jahre gekommen, besonders schlimm seien die sanitären Zustände, vor allem die heruntergekommen Toiletten. Schlimm sehe es dort aus, und es rieche zuweilen überaus unangenehm. Seit zehn Jahren lägen Sanierungspläne in der Schublade, getan habe sich bislang gar nichts, klagt sie.

Weshalb Elke Plankenhorn die kleine Initiativgruppe „Vorfahrt für Jungingen“ gegründet hat und Unterschriften sammelt. So geschehen am 14. November beim Adventsmarkt der Lebenshilfe-Gärtnerei in Sankt Moritz. 140 Personen haben sich in ihre Liste eingetragen. Und wenn die Junginger Werkstatt am morgigen Samstag ihren Weihnachtsmarkt mit dem traditionellen Tag der offenen Türe feiert, will sie wieder Unterschriften sammeln. Natürlich draußen auf dem Gehsteig, denn Ärger wie in Sankt Moritz, wo sie vom Gelände verwiesen worden war, will sie nicht haben.

Was Elke Plankenhorn frustriert, sind die Pläne des Neubaus des neuen Lebenshilfe-Verwaltungsgebäudes in der Finninger Straße in Neu-Ulm. Dafür sei offenbar das Geld vorhanden. „Stimmt“, sagt dazu Lebenshilfe Geschäftsführer Dr. Jürgen Heinz. Diese Geschäftsstelle müsse sein, weil die bestehenden Verwaltungsräume in Böfingen der dortigen Werkstätte zugeschlagen werden müssen. Heinz ist nicht etwa sauer auf Elke Plankenhorn, er kann ihren Ärger sehr gut nachvollziehen. „Ja“, sagt er, „in Jungingen haben wir geschlafen.“ Weshalb sofort 10.000 Euro bereit gestellt werden, um die sanitären Anlagen zu erneuern. „Es wird danach sicher kein Luxus herrschen, aber besser sein.“

Ein umfassende und 10,5 Millionen teure Sanierung der Junginger Werkstatt oder sogar deren Neubau stünden in den nächsten Jahren an. 2016 soll geplant werden, 2017 sehnt sich Heinz den Baubeginn herbei. Was aber nicht in den Händen der Lebenshilfe vor Ort liege. 4,2 Millionen Euro habe die Lebenshilfe selbst auf die Seite gelegt. Den Rest schieße der Kostenträger in Baden-Württemberg, der Kommunalverband Jugend und Soziales (KVJS) zu. Der Förderantrag werde im nächsten Jahr gestellt. „Ob es dann 2017 und doch erst 2018 los geht, liegt nicht in unserer Entscheidung. Die Hälfte unserer Einrichtungen sind 30 Jahre alt oder älter.“

Bis zum Jahr 2022 müssten insgesamt 50 Millionen Euro bereitgestellt werden, um den Investitionsstau aufzulösen. „Das ist ein Haufen Holz, vor allem aber viel Planungsarbeit“, sagt er, um nochmals festzustellen: „In Jungingen ist es besonders frustrierend, weil es seit zehn Jahren heißt, dass wir was tun werden. Ich kann den Ärger dort verstehen. Wir kriegen das sicher hin.“

 

Die Lebenshilfe in Zahlen

Statistik
Die Lebenshilfe Donau-Iller hat im Jahr 2010 ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert, ist jetzt also 55 Jahre alt. Nach der Fusion mit der Lebenshilfe in Günzburg beschäftigt sie knapp 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In den Einrichtungen und Wohnstätten in Ulm, Neu-Ulm, Günzburg, Senden, Amstetten und Blaustein werden 1800 Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen betreut.

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