Interview mit Verbraucherschützer: Scala-Kunden haben drei Möglichkeiten

Am Sonntag endet die Frist, die die Sparkasse für die Umstellung der Scala-Verträge gesetzt hat. Finanzexperte Niels Nauhauser beurteilt die Lage.

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Niels Nauhauser: Die Verbraucher fühlen sich nicht fair behandelt.  Foto: 

Angenommen, die Sparkasse macht ernst mit den befürchteten Kündigungen. Wie wirkt sich das für Scala-Kunden aus, die an ihren Verträgen festhalten?
NIELS NAUHAUSER: Die Sparkasse müsste dann darlegen, auf welcher Rechtsgrundlage sie kündigt. Sie behauptet ja, mit einer Frist von drei Monaten kündigen zu können. Das wäre dann frühestens zum 15. März 2014. Diese Rechtsgrundlage können die Betroffenen prüfen lassen. In den Fällen, die wir geprüft haben, sehen wir keine Grundlage.

Was kann der Kunde aus Ihrer Sicht gegen eine Kündigung tun?
NAUHAUSER: Einen Anwalt einschalten und eine Feststellungsklage einreichen, um eine gerichtliche Entscheidung über den Vertrag zu erwirken. Wenn die Sparkasse das Darlehensrecht des BGB falsch auslegt, können die Kunden dagegen nur zivilrechtlich vorgehen.

Und wenn die Sparkasse nicht kündigt? Dann müssen sich doch die Umsteiger geprellt fühlen?
NAUHAUSER: Bei uns melden sich Verbraucher, die das Treueangebot angenommen haben und sich betrogen fühlen, weil sie davon ausgingen, dass die Sparkasse ein Kündigungsrecht hat. Jetzt wollen sie den alten Vertrag zurück, sie fühlen sich nicht fair behandelt.

Wie kann die Sparkasse Ihrer Meinung nach aus diesem Dilemma eigentlich noch herauskommen?
NAUHAUSER: Das Vertrauen vieler Verbraucher ist nachhaltig gestört. Ich sehe nur eine Lösung: Die Sparkasse hält sich an ihre schriftlichen Vereinbarungen zur Laufzeit und den Bonuszinsen und bietet den Umsteigern an, ihre alten Verträge wiederherzustellen.

Was raten Sie Scala-Kunden angesichts der ablaufenden Frist?
NAUHAUSER: Betroffene können entweder nichts tun im Vertrauen auf die Aussage der Sparkasse, man wolle die Verträge nicht kündigen und es bestehe auch kein konkreter Kündigungstermin. Das Risiko ist dann, dass die Sparkasse doch kündigt. Oder sie nehmen das Treueangebot an - oder sie beauftragen einen Anwalt, sobald die Sparkasse kündigt. Nach unserer Auffassung haben die Kunden gute Chancen, angesichts fehlender Rechtssprechung besteht aber ein Restrisiko.

Info
Niels Nauhauser ist 38 Jahre alt, Bankkaufmann und Diplom-Kaufmann (Universität Mannheim). Der Finanzexperte arbeitet seit 2004 bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und ist seit 2006 Referent des Fachbereichs Altersvorsorge, Banken, Kredite.

Scala-Verträge: Sparkasse Ulm lässt Kunden im Unklaren

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Themenschwerpunkt

Die Scala-Verträge der Sparkasse Ulm

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