Interview mit Organisator Manfred Hommel: Mit Herzblut dabei

Eine so steile Karriere legen wenige hin: vom Autowäscher zum Chef der größten Mercedes-Niederlassung Deutschlands in Stuttgart. Hat Manfred Hommel überhaupt noch Zeit für die Donau Masters, die er mit aufgebaut hat? Selbstredend. Er nimmt sie sich - mit vollem Einsatz.

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Manfred Hommel in der Neu-Ulmer Oldtimerfabrik.
Ist die Rallye Donau Masters Ihr Baby?
Manfred Hommel: Das kann man so sagen. Ich hatte die Idee im Jahr 2006 gemeinsam mit meinem Freund Harry Seifert. Wir waren auf der Rückfahrt von dem berühmten Straßenrennen „Mille Miglia“, das von Brescia nach Rom und wieder zurückführt. Plötzlich war da der Gedanke: Warum nicht eine Oldtimer-Rallye von Ulm/Neu-Ulm aus, 1000  Kilometer an der Donau lang. Da sind wir relativ schnell auf Budapest als Zielort gekommen.
 

Sie sind Anfang April von Neu-Ulm nach Stuttgart gewechselt und leiten die dortige Mercedes-Niederlassung. Ändert sich dadurch etwas an der Aufgabenverteilung bei der Organisation der Rallye Donau Masters?
Hommel: Die Gesamtorganisation und Koordination übernehme nach wie vor ich. Zum Glück haben wir auch ein tolles Donau-Masters-Team - und die Möglichkeit, Aufgaben im Donau Masters Club zu delegieren. Zudem machen wir die Rallye jetzt schon zum achten Mal. Da sind gewisse Grundstrukturen vorhanden. Das Kernorganisationsteam weiß genau, welche  Aufgaben es anpacken muss. Von dieser Seite sind wir sehr gut aufgestellt. Für die achte Donau  Masters haben wir alles auf der Reihe. Wie es danach weiter geht, weiß ich noch nicht.
 
Wer steckt hinter der Organisation der Rallye?
Hommel: Die Gesamtorganisation läuft über den Donau-Masters-Club. Dort sind die gleichen handelnden Personen wie im Organisationsteam der Rallye, im Prinzip meine ehemaligen Mitarbeiter aus der Niederlassung Ulm/Neu-Ulm/Schwäbisch Gmünd. Das Kernteam bilden Susana Sautter, Florian Ilg, Horst Holland und ich. Wir vier treffen uns regelmäßig. Susana Sautter koordiniert sämtliche Abläufe im Backup. Florian Ilg und Horst Holland sind für die Genehmigungen und das Road-Book zuständig.
 
 
Wie viel Arbeit steckt in der Organisation der Rallye?
Hommel: Der Arbeitsaufwand für so eine Tour bedeutet für zwei bis vier Leute Arbeit von acht Monaten. In Stunden haben wir das noch nie ausgerechnet.
 
Was kostet Sie am meisten Zeit und Nerven?
Hommel: Sie müssen jedes Jahr schauen, dass sie all die Locations und Hotels bekommen. Das zweite ist die behördliche Genehmigung für die Strecke. Das dritte und größte Thema ist die Finanzierung, sie müssen Sponsoren und Co-Sponsoren gewinnen. Da steckt jedes Jahr aufs Neue sehr viel Arbeit drin. Wenn die einzelnen Bausteine feststehen, geht es darum, den Gesamtablauf festzulegen. Da gilt es, die unterschiedlichen Mosaiksteine zusammenzubringen. Über allem steht das große Thema Sicherheit. Dass sich dabei die Details häufig ändern und damit immer wieder neue Abstimmungen erforderlich sind, macht die Organisation zu einer Herausforderung.
 
Wie werden Sie an der Donau Masters teilnehmen: als Chief Officer in einem  schnellen modernen Mercedes wie bisher oder  jetzt mal als Teilnehmer im Oldtimer?
Hommel: Ich starte als Teilnehmer ich mit meinem englischen Wolseley (Baujahr 1935) höchstens 20 Kilometer gefahren. Bisher bin ich mit ihm höchstens 20 Kilometer gefahren. Da ist man fix und fertig. Der hat keinen Fahrkomfort, der hat kein Dach, und man braucht einen Satz Klamotten zum Wechseln. Im weiteren Verlauf werde ich in ein aktuelles Mercedes-Modell wechseln. Ich trage auch dieses Jahr als Chief-Officer die Verantwortung für die Rallye. Da muss ich während der Fahrt sehr viele Dinge koordinieren und fahre die Strecke der Donau Masters auch mehrfach ab.
 
Wird die Strecke auch dieses Jahr vor dem Rallye-Start abgefahren?
Hommel: Das wird jedes Jahr mindestens zweimal gemacht. Florian Ilg und Horst Holland fahren mit einem Fahrzeug und prüfen, ob es die bisherigen Strecken noch gibt und überarbeiten das Road-Book, also den detaillierten Rallye-Fahrplan für die Teilnehmer. Diese Strecke wird vom Regierungspräsidium Tübingen genehmigt nach Abstimmung mit den zuständigen Behörden in Österreich, Slowakei und Ungarn, auch in den in den vier Ländern an der Strecke sind darüber informiert.
 
Was verändert sich durch ihren beruflichen Wechsel nach Stuttgart?
Hommel: Ich muss erst mal sehen, wie meine Arbeitsbelastung in Stuttgart ist und wie viel  Zeit mir bleibt, die ich für die Donau Masters einsetzen kann. Ich habe vor,dabei zu bleiben. Ich habe die Rallye und den Club mit ins Leben gerufen habe, die Oldtimerfabrik mit aufgebaut. Da steckt viel Herzblut drin, und es ist nicht meine Art, nun einfach wegzulaufen. Momentan habe ich das Gefühl, dass ich für die Donau Masters sogar einen Mehrwert schaffen kann durch die Beziehungen, die ich in Stuttgart knüpfe.
 
Wie erfolgreich ist eigentlich die Oldtimerfabrik in Neu-Ulm als Location für Veranstaltungen?
Hommel: Wir hätten es nie für möglich gehalten, dass wir mit der Oldtimerfabrik ein Einzugsgebiet von mehr als 100 Kilometern haben. Das geht über den Bodensee hinaus bis in die Schweiz und nach Österreich. Was mich noch mehr überrascht, dass wir bis nach Augsburg und Stuttgart wahrgenommen werden. Wir haben mittlerweile mehrere große Firmen aus Stuttgart, die Veranstaltungen in der Oldtimerfabrik machen.
 
Wie sieht es bei den Oldtimer-Liebhaber und potenziellen Käufern alter Fahrzeuge aus?
Hommel: Die kommen aus einem Radius 100 Kilometer plus x. Wir hatten beispielsweise  auch schon Mitglieder eines Fiat- und eines Alfa-Club  aus dem Raum Reutlingen zu Gast. Das ist für den Donau Masters Club und die Oldtimerfabrik eine schöne Bestätigung der hier geleisteten Arbeit. Ich gehe davon aus, dass unser Einzugsgebiet noch größer wird.
 
Themenwechsel: Wie oft kommt bei Ihnen Daimler-Chef Dieter Zetsche in der Niederlassung Stuttgart vorbei?
Hommel: Herr Dr. Zetsche kommt nicht in der Niederlassung vorbei, um nach dem rechten zu sehen, als Vorstandsvorsitzender des Daimler-Konzerns hat er andere Themen. Aber natürlich führt der Vorstand das Jahr über Veranstaltungen in der Niederlassung durch, sei es dass sich einmal jährlich dort alle Zulieferer treffen oder dort Management-Treffen stattfinden. Daher hat Dr. Zetsche einen Bezug zu der Niederlassung, die ja nur ein paar hundert Meter von seinem Büro entfernt liegt. Sie bietet sich geradezu als Veranstaltungsort an, weil wir nicht nur eine normale Niederlassung sind, sondern ein Brand-Center: Dort wird auch die Marke präsentiert. Hinzu kommt das Mercedes-Museum in direkter Nachbarschaft. Das ist der Dreh- und Angelpunkt vieler Aktivitäten.
 
 
Sie leiten die größte Daimler-Niederlassung, die sich am Stammsitz des Konzerns befindet, Haben Sie sich bei Herrn Zetsche vorgestellt?
Hommel: Es gab ein einstündiges Kennenlernen. Wenn ich Statthalter von Mercedes in Stuttgart bin und Dr. Zetsche ist Daimler-Chef, sollte man sich kennen, weil man sich bei verschiedenen Aktivitäten über den Weg läuft.
 
Wie schwierig ist es im Jahr 2013 Autos zu verkaufen?
Hommel: Das Geschäft hängt immer von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Der eine Teil unseres Geschäfts ist der Pkw-Verkauf an Firmen und Privatleute. Ein anderer, der einen großen Umfang einnimmt, ist das Geschäft mit Transportern und schweren Lkw für die gewerblichen Kunden. Das hängt noch stärker an der wirtschaftlichen Situation. Wir haben dieses Jahr mit einem Marktrückgang zu rechnen. Die Prognosen sehen das Wirtschaftwachstum in Deutschland bei weniger als 0,5 Prozent. Bei unseren gewerbetreibenden  Kunden sind wir abhängig, wie deren Geschäft läuft. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einem leichten Rückgang im Geschäft mit Transportern und schweren Lkw. Bei den Pkw erwarten wir, dass wir leicht über dem Vorjahresniveau sein werden.
 
Wie schwierig ist es angesichts der Konkurrenz von Audi und BMW im Jahr 2013 Mercedes-Modelle zu verkaufen?
Hommel: Die neue A-Klasse wird das Geschäft beleben, da gibt es auch Abwandlungen wie beispielsweise den CLA. Wir werden daher auch in ein größeres Mengenwachstum kommen. Im mittleren und oberen Segment sind wir  unangetasteter Marktführer. Im kleineren Segment kommen wir nun mit großem Tempo.
 
Hat Mercedes einen Heimvorteil in der Region Stuttgart?
Hommel: Den gibt es, weil in der Region sehr viele Zulieferer und sehr viele Menschen im Daimler-Konzern  arbeiten. Das führt zu einem höheren Absatz. Aber auch in der normalen  Kunden-Klientel sind wir in Stuttgart sehr stark vertreten. Mercedes-Benz ist in Stuttgart weit vorne.
 
Sie haben ihre Karriere mit einer kaufmännischen Ausbildung begonnen und sind jetzt Leiter der größten Daimler-Niederlassung. Im operativen Vertriebsgeschäft kann man nicht höher aufsteigen. Haben Sie Ihre Karriere geplant?
Hommel: Nein, überhaupt nicht. Das, was ich gerade mache, tue ich mit voller Leidenschaft – immer schon. Angefangen habe ich als Autowäscher, dann kam eine kaufmännische Lehre beim Autohaus Widmann in Aalen, später habe ich Lkws verkauft. Anfang 30 wollte ich noch mal was Neues machen und bin zu Daimler gekommen.
 
Und wie sind sie zum Oldtimer-Liebhaber geworden?
Hommel: Alte Fahrzeuge haben mir schon immer gefallen. Schon in meiner Jugend träumte ich davon, eine Pagode (Mercedes stellte den Roadster W113 im Jahr 1963 auf dem Autosalon in Genf vor, Anmerkung der Redaktion) zu haben.
 
Wie kamen Sie zu Ihrem ersten Oldtimer?
Hommel: Als ich Ende 2003/Anfang 2004 nach Ulm gekommen bin, habe ich durch einen Zufall eine Pagode entdeckt, die ein Ehepaar  verkaufen wollte. Die Frau, die über 90 war, wollte das Fahrzeug aus der Garage haben. Das Fahrzeug (Baujahr 1967) ist in der Niederlassung Ulm ausgeliefert worden und wurde dort gewartet. Das Auto war aus erster Hand und war in absolutem Originalzustand. Als ich das Hardtop abgeholt habe, war das noch sogar noch originalverpackt. Das Jahr 2004 ist für mich was ganz Besonderes: Ich habe mir meinen Traum-Oldtimer gekauft – und genau in dem Jahr ist auch mein kleiner Sohn Maximilian zur Welt gekommen. 
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Themenschwerpunkt

Donau Masters 2013

83 Oldtimer machen sich vom 4. - 6. Juli auf den Weg von Ulm nach Budapest. Zum achten Mal fahren die Teilnehmer die 1000 Kilometer entlang der Donau. Die SÜDWEST PRESSE berichtet von unterwegs.

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