Interview mit dem Hornisten Felix Klieser

Burkhard Schäfer hat mit dem Hornisten Felix Klieser vor seinem Auftritt am 8. Dezember 2015 im Kornhaus gesprochen.

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Herr Klieser, Ihre neue CD mit Hornkonzerten von den Haydn-Brüdern hat ja ziemlich für Furore gesorgt. Wie erklären Sie sich diesen Hype?
Das weiß ich selbst gar nicht so genau, denn damit beschäftige ich mich nicht. Ich habe mit vier Jahren angefangen Horn zu spielen und das macht man, weil man den Wunsch hegt, später einmal diesen Beruf ausüben zu können. Und zwar so, dass man davon leben kann, die Leute sich dafür interessieren und zu Konzerten kommen oder sich CDs anhören. Ich denke, das ist es, was sich jeder Musiker wünscht und das ist die größte Belohnung. Mir ist es einfach wichtig, die Zuhörer von dem Instrument zu begeistern. Schließlich ist das Horn fast vollständig unbekannt, obwohl es sehr viel spannende Literatur von großen Komponisten dafür gibt: von Mozart und Haydn ebenso wie von Strauss, Weber oder Brahms. Es geht mir dabei gar nicht mal so um mich. Es ist schön zu sehen, wie die Zuhörer bei der Autogrammstunde leuchtende Augen bekommen.

Sehen Sie sich als ein Anwalt Ihres Instruments?
Ich glaube, es wäre bereits ein Fortschritt, dass es, wenn ich einmal sterbe, zur Gewohnheit geworden ist,  bei Konzerten einen Hornisten als Gast einzuladen. Das wäre wirklich schon ein kleiner Erfolg. Es gibt viele großartige Kollegen von mir, die als Solist spielen, das aber nur ab und zu machen und ansonsten im Orchester beheimatet sind. Solch eine Art von Hornisten-Leben ist vom Stressniveau her verträglicher (lacht). Ich glaube, eine Person alleine ist da nicht ausreichend und ich denke, da sollten andere mitmachen – und das tun sie ja bereits auch. Es ist schon viel gewonnen, wenn die Zuhörer bei einem Hornkonzert bereits einen Wiedererkennungseffekt haben. Bisher kann man aber ein Horn mit einer Geige oder einem Cello diesbezüglich noch schwer vergleichen.

Was ist das Spezifische am Horn? Was reizt Sie so daran?
Für mich ist das Horn ein sehr emotionales und kein virtuoses Instrument wie etwa die Geige oder die Trompete, wo sehr viel Technik im Vordergrund steht. Es ist auch deshalb ein sehr gefühlsbetontes Instrument, weil es viele Klangfarben und -nuancen hervorzaubern kann. Man denke nur an den wunderbaren Andante-Satz aus Richard Strauss‘ Hornkonzert!
 
Erzählen Sie uns ein bisschen mehr über dieses berühmte Werk für Horn…
Strauss‘ Andante ist für mich ein Paradestück für Horn. Es kommt wahnsinnig auf die Emotionen an: Ist das ein Forte, ist das Maestoso? Das alles ist in den vier Minuten verpackt, die der Satz dauert. Genau das finde ich so spannend an diesem Instrument: Klangfarben, Emotionen, Stimmungen und Atmosphären zu erzeugen, die nur das Horn hervorbringen kann.
 

Sie spielen im Ulmer Konzert auch von Robert Schumann das Adagio und Allegro in As-Dur. Was hat es mit diesem Werk auf sich?
Ja, es ist wohl auch eines der bekanntesten Stücke für Horn und Klavier. Und es ist eines der ersten, die Schumann explizit für das damals ganz neue Ventil-Horn geschrieben hat. Entsprechend gefordert wird man als Hornist. Es ist das Werk, das alle Facetten des Instrumentes innerhalb von neun oder zehn Minuten demonstriert, dabei ist es sehr gesanglich und nicht primär virtuos. Wir haben es in einer Bearbeitung des WKO-Cellisten Georg Oyen auf dem Programm.

Was zeichnet das Haydn-Konzert für Horn und Orchester aus, das Sie ebenfalls präsentieren?
Zu Haydns Zeit gab es ja nur das Naturhorn, das auf eine bestimmte Bandbreite an Tönen beschränkt war. Es konnte nur die Naturtöne erzeugen. Und Haydn war ein Komponist, der sich den Möglichkeiten des Instruments angepasst hat. Er hat das sehr penibel gestaltet, während Mozart sozusagen darüber hinaus komponiert hat und dann konnten die Hornisten sehen, wie sie damit zurechtkommen (lacht). Es ist deshalb bei Haydn noch viel Jagdmotivisches in dem Stück vorhanden, speziell im dritten Satz. Und die vielen großen Tonsprünge in dem Werk sind nicht gerade einfach zu spielen…

Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit mit dem WKO?
Das WKO und ich arbeiten mittlerweile schon gut ein Jahr lang zusammen und ich finde es ein wunderbares Orchester, weil es für die Literatur perfekt passt. Das WKO ist ein Kammerorchester, das zwar auf modernen und nicht auf Originalinstrumenten spielt, aber trotzdem den Stil sehr verinnerlicht hat: die Art und Weise zu artikulieren, zu phrasieren. Es sind sehr nette Leute, keine elitären Musiker, wo es manchmal schwer wird, gemeinsam zu arbeiten. Ruben Gazarian ist ein  toller Dirigent, der vielleicht zu bescheiden ist, vor allem, wenn es ans Signieren geht (lacht).

Was ist Ihr Leitstern für die Zukunft?
Ach, ich weiß nicht. Da möchte ich gar nichts Konkretes herausgreifen. Der Kalender für nächstes Jahr ist schon recht voll und ich genieße es einfach zu spielen.
 

Zur Person

Felix Klieser (Jg. 1991) hatte im Alter von 4 Jahren den Wunsch, das Horn zu lernen. Heute ist er einer der gefragtesten Solisten seines Faches. Da er ohne Arme geboren wurde, spielt er das Horn mit den Füßen. Er war an der Musikschule Göttingen der jüngste Hornspieler aller Zeiten, dann Hornist im Bundesjugendorchester und mit Popstar Sting auf Tournee. Zahlreiche Preise: u.a. „Life Award“, 2010, und „Echo-Klassik“ 2014 in der Kategorie „Nachwuchskünstler des Jahres“. 2013 erschien seine Debüt-CD „Reveries“ mit dem Pianisten Christof Keymer und Werken der Romantik; im Jahr darauf folgte ein Album mit Hornkonzerten u.a. von Michael und Joseph Haydn (Label: Berlin Classics / Edel). Am 8. Dezember spielt Felix Klieser mit dem WKO unter Ruben Gazarian Joseph Haydns Hornkonzert Nr. 2 und das „Adagio und Allegro“ in As-Dur, op. 70, von Robert Schumann. 

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