Internet für Senioren: Auch im Alter kein Hexenwerk

Ob Tablet oder PC, E-Book oder E-Zeitung - das Internet ermöglicht Senioren mehr Teilhabe. Theoretisch. Denn nur wenige haben gelernt, mit dem Medium umzugehen. Bildungsangebote sind rar gesät.

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Ein bisschen holprig sieht es noch aus. Gabriele Mäule schiebt auf ihrem iPad E-Mails hin und her, öffnet mal den Browser, dann wieder ihr Postfach, aus Versehen landet sie kurz in den Einstellungen. Doch im Großen und Ganzen läuft es schon recht rund mit ihr und dem Tablet-Computer. Auch die digitale Ausgabe der SÜDWEST PRESSE kann sie schnell bedienen, nach wenigen Minuten wischt sie mühelos durch die Zeitung. "Das Gerät ist eine schöne Spielerei für mich", sagt sie. Ja, dafür, dass die 88-Jährige das Gerät vor einem halben Jahr das erste Mal in den Händen hielt, läuft es ganz gut.

"So ein Computer bietet so viele Möglichkeiten. Die kann ich aber gar nicht nutzen", sagt Mäule. "Und ich möchte ja auch nicht ständig jemanden fragen." Mit ihren Problemen ist Mäule nicht alleine - den meisten Senioren geht es ähnlich. Der Aufstieg des Computers, das Internet, die digitale Revolution - all das kam, als sie schon in Rente waren. Mit einem Computer mussten sie sich nie auseinandersetzen. Einer Studie des statistischen Landesamtes zufolge nutzt nur jeder zehnte Baden-Württemberger über 65 täglich das Internet.

"Das ist ein ganz großes Problem", sagt Helga Gerstmeier, Vorsitzende des Ulmer Seniorenrats. Schließlich sei das Internet eine Möglichkeit zur Teilhabe an der Gesellschaft. Eine digitale Zeitung etwa lässt sich jederzeit von zu Hause aus abrufen, ihre Schrift kann beliebig vergrößert werden. So ermöglicht sie Menschen mit Sehbehinderung oder eingeschränkter Mobilität, am Tagesgeschehen teilzuhaben. Gleiches gilt für E-Books, wie Jürgen Lange, Leiter der Stadtbibliothek, vor kurzem erklärte: "Ich kenne einen Benutzer, der ist 73 Jahre alt und leiht sich E-Books aus, weil er die Schrift so groß stellen kann, wie er möchte."

Gerstmeier sieht die Gesellschaft in der Pflicht. Sie hat festgestellt, dass unter Senioren ein starkes Interesse besteht. Mobile Computer-Kurse des Landesseniorenrats seien schnell überlaufen gewesen. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Umgang mit Computern auch für Senioren kein Hexenwerk sei: "Wenn jemand schon von sich aus auf so etwas zugeht, dauert der Lernprozess nicht lange." Fünf bis sechs Nachhilfestunden reichten aus.

Es ist also nicht die Unwilligkeit der Älteren, die sie an der digitalen Teilhabe hindert, sondern schlicht ein Mangel an Angeboten. "Es gibt viele Rentner, die etwas lernen wollen, doch die Kurse, zum Beispiel an der vh, können sie sich nicht leisten", sagt die Seniorenratsvorsitzende. Gleiches gelte für private Nachhilfe von Studenten. Wer keinen hilfsbereiten Enkel habe, sei aufgeschmissen. Die Teilhabe am öffentlichen Leben werde so für viele zu einer Frage des Geldes und des Familienstandes. Gerstmeier fordert deshalb weiterführende Angebote für Senioren, etwa in Seniorenheimen. "Da könnte man systematisch Hilfe aufbauen", sagt sie. Es würde schon genügen, junge Männer und Frauen aus dem Bundesfreiwilligendienst einzusetzen.

Auch Gabriele Mäule hat nie einen Kurs besucht. In dem halben Jahr, seit ihr Cousin ihr das iPad geschenkt hat, hat sie sich erklären lassen, wie sie E-Mails schreibt und Fotoalben anschaut. Schritt für Schritt. Der E-Mail-Ordner ist voll, die Bilder blättert sie gerne und regelmäßig durch, viel lieber als "die verstaubten Dinger" im Schrank. Auch E-Mails sind für sie der beste Weg, "mit der Jugend zu sprechen." Die E-Zeitung der SÜDWEST PRESSE kannte sie bis jetzt nicht, war aber schnell interessiert. Die ist als nächstes dran.

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