Integration und Inklusion stehen ganz oben auf der Liste

Petra Frey, die Geschäftsführerin des Diakonieverbands Ulm/Alb-Donau, über ihr erstes halbes Jahr im neuen Job. Und die Themen, die in Zukunft wichtig sind.

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Pfarrerin Petra Frey leitet sei Januar den Diakonieverband und hat ihr Büro im Grünen Hof.  Foto: 

In den Strukturen und Gremien bin ich schon gut gelandet. Ich weiß der Spur nach, wer in der Stadt und im Kreis wofür zuständig ist.“ Das Antwortet Petra Frey auf die Frage, ob sie in ihrem neuen Job schon angekommen ist. Die 49-jährige Pfarrerin ist seit sechs Monaten die Geschäftsführerin des Diakonieverbands Ulm/Alb-Donau.

Einen Hauptteil der Arbeit der ersten Monate hat die Veränderung der Kindergartenstruktur ausgemacht: Der Kirchenbezirk Blaubeuren hat die organisatorische Verantwortung – die Fachberatung  – seiner vier Kitas an den Diakonieverband abgegeben. Der ist zwar schon lang Träger aller 25 evangelischen Ulmer Kitas, dennoch hat die Aufstockung zu einem Umbau der Führungsebene geführt. „Wir sind als Träger zertifiziert und rezertifiziert. Das steht auf dem Papier. Aber es fordert Energie und immer wieder neue Bemühungen, diese Qualität mit Leben zu füllen“, sagt Frey.

Die anderen Säulen – Diakoniestationen, diakonische Bezirksstelle und psychologische Beratungsstelle – haben die neue Chefin im ersten halben Jahr nicht so gefordert. „Die arbeiten sehr selbstständig, da sitzen wirklich gute Leute.“ Die in Gerstetten aufgewachsene evangelische Theologin sieht ihre Rolle darin, „das Ganze im Blick zu behalten“ und zu überlegen, wo es hingehen soll. Beispielsweise bezüglich der Inklusion: „Eigentlich sollte man sagen: Es geht um Barrierefreiheit in jeglicher Form. Also um die  Frage, was Menschen daran hindert, am Leben der Gesellschaft teilzuhaben.“

Inklusion geht weit über Kitas und Schulen hinaus – lässt sich aber dort gut festmachen. „Die Erfahrung in den Betreuungseinrichtungen zeigt: Jeder will Inklusion, aber es gibt zu wenig Personal, um es gut umzusetzen.“ Denn Personal ist teuer. „Da muss man sich entscheiden, was man will“, betont die Diakonie-Chefin.

Ein zweiter Bereich, der nach Petra Freys Ansicht im Fokus bleiben muss, ist die Flüchtlingssozialarbeit. Zum einen bezüglich der Integration: Wie kommen Geflüchtete weiter? Wie schaffen sie einen Schulabschluss? Wie finden sie einen Job? Wie kommen sie an eine Wohnung? „Wir haben hier gute Kooperationspartner mit der Stadt, mit Ehrenamtlichen, Schulen, Betrieben“, stellt sie fest. „Es bleibt eine große Herausforderung, hier dranzubleiben.“ Das Thema ist aktuell, obwohl derzeit nicht mehr so viele Menschen kommen. Ein anderes Thema ist, dass „derzeit behinderte Flüchtlinge durch alle Raster fallen“.

Einen dritten Zukunfts-Bereich sieht sie im Zusammenhang mit der Ulmer Sozialraum-Entwicklung. „Da müssen wir überlegen, wie wir uns als Diakonieverband und als Kirche einbringen können. Beispielsweise durch Unterstützungsangebote, damit Menschen lange daheim leben können.“ Dabei geht es laut Frey um unterschiedlichste Angebote wie Nachbarschaftshilfen, wie sie einige Kirchengemeinden organisiert haben, bis hin zur Pflege durch die Diakoniestation.

Reizvoll findet sie dabei, dass Diakonie und Kirche von den Menschen häufig anders wahrgenommen werden: „In der Diakonie stellen wir ja die Tat in den Vordergrund.“ Dennoch gehören beide zusammen.

Bevor Petra Frey nach Ulm kam, war sie stets Gemeindepfarrerin: Erst in Schwäbisch Hall als Vikarin, dann in Weikersheim, Möglingen (bei Ludwigsburg) und die letzten sechs Jahre in Metzingen. Vermisst sie etwas in Ulm? „Mein kühles Pfarrhaus.“ Denn im Grünen Hof kann es ganz schön warm werden. Und nach kurzem Nachdenken: „Das Leben mit den Menschen, das man als Pfarrer hat, wenn man sie in entscheidenden Phasen begleitet.“

In den Bergen wird der Kopf frei

Ansonsten ist sie gern in Ulm, sie lebt in der Stadtmitte und genießt es, Gemeindeglied im Münster zu sein. Und das Predigen? „Als Diakoniepfarrerin halte ich ja weiter Gottesdienste in den unterschiedlichsten Gemeinden.“ Worin sie auch einen Vorteil sieht: So kann sie ihr Netz an Kontakten weiter knüpfen.

Ansonsten tut Petra Frey das nicht-dienstlich dadurch, dass sie im Ulmer Posaunenchor mitspielt und als passionierte Bergsteigerin und Kletterin über den Alpenverein Anschluss sucht. „In die Berge bin ich schon als Kind gern gegangen. Ich kriege dort gut den Kopf frei. Außerdem kann man dort gut Demut lernen und zugleich den weiten Blick genießen.“

Zahlen Der Diakonieverband Ulm/Alb-Donau wurde 1997 gründet als Dachverband verschiedener diakonischer Einrichtungen in Ulm, Blaubeuren, ehingen, Laichingen, Langenau, Munderkingen und Rottenacker. Dazu gehören:
29 evangelische Kitas (25 im Ulmer Stadtgebiet und 4 im Kirchenbezirk Blaubeuren);
vier Diakoniestationen in Blaubeuren, Langenau, Rottenacker und Ulm;
diakonische Bezirksstelle in Ulm;
psychologische Beratungsstelle in Ulm;
Projekt Demenz.
Aktuell zählt der Diakonieverband 520 Mitarbeiter, wobei viele in Teilzeit tätig sind.

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