Inhaftierte Neu-Ulmer Journalistin Mesale Tolu spricht von Folter

Neue Nachrichten aus dem Istanbuler Frauengefängnis. Die inhaftierte Neu-Ulmer Journalistin schreibt, sie sei nach ihrer Festnahme bedroht worden.

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Die in Istanbul inhaftierte Mesale Tolu.  Foto: 

Nach Angaben ihres Vaters sind die Haftbedingungen der seit Ende April in der Türkei inhaftierten deutschen Übersetzerin und Journalistin Mesale Tolu schlecht. Man habe versucht, seine Tochter einzuschüchtern – etwa, indem man ihr gesagt habe, „die Behörden wüssten genau, wer ihre Verwandten sind“. Das sagte Ali Riza Tolu am Dienstag im Interview mit der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „Neues Deutschland“ (Onlineausgabe). Zudem werde der Kontakt  behindert. So habe er Dokumente der gesamten Familie vorlegen müssen, um zu beweisen, dass er Mesales Vater sei. Solche Schikanen verkürzten die ohnehin knapp bemessene Besuchszeit.

Die 33-jährige Tolu, die in Ulm geboren ist und bis zu ihrer Verhaftung abwechselnd in Neu-Ulm  und Istanbul gelebt hat, geht in ihren Anschuldigungen sogar weiter.  Der „Solidaritätskreis für Mesale Tolu“ hat jedenfalls eine schriftliche Erklärung von ihr veröffentlicht. Derzufolge lässt Tolu über ihre Anwältin mitteilen, sie sei in den ersten sechs Tagen ihrer Untersuchungshaft in einer Istanbuler Polizeistation Drohungen ausgesetzt gewesen. Wörtlich bezeichnet  sie diese als „Untersuchungshaftfolter“.

Termin im Konsulat

Am Dienstag waren Mesale Tolus Vater und Schwester sowie ihre Anwältin zu einem Gespräch im deutschen Generalkonsulat in Istanbul eingeladen. Dort sei ihnen mitgeteilt worden, dass zwei Besuchsanträge des Konsulats abgelehnt wurden, berichtet Baki Selcuk, Sprecher des Solidaritätskreises, auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Das Konsulat habe einen weiteren Besuch Anfang Juni beantragt,  über den noch nicht entschieden sei. „Die Familie ist froh, dass das Konsulat sich kümmert, aber zugleich traurig, weil so wenig vorangeht“, sagte Selcuk.

 Tolu sitzt seit dem 6. Mai im türkischen Frauengefängnis Bakirköy. Ihr zweijähriges Kind ist mittlerweile bei ihr. Tolu werden offenbar Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen, eine Anklageschrift gibt es aber nicht. Die studierte Gymnasiallehrerin engagierte sich seit Jahren in linken Organisationen und arbeitete seit 2014 in Istanbul für einen regierungskritischen Radiosender, der nach dem Putschversuch im Sommer 2016 geschlossen wurde. Zuletzt war sie Übersetzerin für eine ebenfalls regierungskritische Nachrichtenagentur.

Insgesamt sitzen in der Türkei derzeit rund 165 Journalisten im Gefängnis, der bekannteste Häftling dürfte der deutsch-türkische „Welt“-Journalist  Deniz Yücel sein. Die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte am Dienstag erneut, Tolu umgehend aus der Haft zu entlassen.

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Der Fall Mesale Tolu

Seit Ende April 2017 sitzt die deutsche und in Ulm geborene Journalistin Mesale Tolu in einem türkischen Gefängnis. Der Vorwurf: „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“.

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