Inga Rumpf und die BAP-Band eröffnen Ulmer Zelt

Warmer Rock gegen kühle Temperaturen: Das Ulmer Zelt legte am Mittwoch los, mit Inga Rumpf & BAP-Band. Etwa 500 Zuhörer ließen sich von Rock-Soul-Blues-Klassikern erhitzen.

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Wenn das Wort Rock-Röhre noch erlaubt ist, dann für sie: Inga Rumpf im Ulmer Zelt. Foto: Oliver Schulz

Nee, diese engen schwarzen Jeans, das sind nicht die modernen, die sind echt. Genauso wie die Weste und der Hut und die Stimme und die ganze Frau dazu. Inga Rumpf ist so verdammt authentisch, dass sie sich jede Ironie leisten kann. Auch eine freundliche Begrüßung des Publikums bei diesem "herrlichen Frühlingswetter".

Tatsächlich dürfte es mit elf Grad Außentemperatur eine der kühlsten Eröffnungen in der Geschichte des Ulmer Zelts gewesen sein. 500 merklich begeisterte Zuhörer waren immerhin da zum Auftakt der 27. Festival-Ausgabe. Und sie blieben, denn die Betriebstemperatur von Band und Publikum sollte sich im Fortgang des Abends sowieso noch spürbar erhöhen.

Inga Rumpf ist schon mit B.B. King aufgetreten, Udo Lindenberg war ihr Drummer bei den "City Preachers", mit den Bands Frumpy und Atlantis wurde die Hamburger Seemannstochter in den 70ern bekannt. Am Mittwoch war die 66-jährige Blues-Rock-Lady mit der BAP-Band gekommen. Wolfgang Niedecken hatte sie einmal zu einem Jubiläumsauftritt geladen, so die Legende, und es war Liebe auf den ersten Blick mit dieser Band. Entsprechend gut aufgelegt wirkte die Rocker-Truppe - ohne Niedecken, dafür mit Helmut Krumminga, Michael Nass, Werner Kopal, Jürgen Zöller und ihren kleinen Schrulligkeiten. Das Programm - klar: "Still Got The Rock!" - schien einfach alles zu beinhalten, was die Musiker selbst gern spielen und was der Mensch an sich gern hört. Darunter Gospelhaftes wie "Love Is Gold", das am Keyboard regelrecht orgiastische "How The Gypsy Was Born" oder "Mr. Bigshot", mit dem der zuvor eher gediegene Schunkel-Soulfunk schließlich richtig in die Gänge beziehungsweise ins Tanzen kam. "Its A Mans World" klingt in Rumpfs Stimmlage, ganz pur vorgetragen, nicht weniger überzeugend als bei James Brown. Und wenn Gitarrist Krumminga nicht mehr nur mittels Instrument sang, hörte man etwa bei "Heroes" vernehmlich den Stadion-Rocker durch.

Musiziert wurde in die Länge, Breite und Tiefe, mit ausführlichen Soli und gründlichem Blues. Freunde der leisen Zwischentöne sind die Profi-Rocker allesamt nicht. Aber wer das Duett "Love Hurts" aus so tiefem Herzen holt, dem verzeiht man auch zwei, drei schiefe Töne in der zweiten Stimme. Bevor der Abend artgerecht mit "Like A Rolling Stone" in der dritten Zugabe zu Ende ging, brach das Herz nochmal entzwei: Schlagzeuger Zöller trat vor ans Mikrofon. Mit den Händen auf dem Rücken und geschlossenen Augen sang der ergraute Musikant so lange "Stand By Me", bis das ganze Zelt dabei war. Weils ja wahr ist, weil es am Ende doch immer darum geht. Das ist nicht modern, aber es ist echt.

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