In Ulm zweite Heimat gefunden

|
Josef Trabert mit seinem Schulkoffer, den er auf der ganzen Flucht mit sich geführt hat.  Foto: 

Kurt Wolke war ein dünner Schlaks, als er 1942 im Rahmen der Kinderlandverschickung von Hamburg nach Vèmènd in Südungarn kam. In Deutschland herrschte Krieg, die Menschen flüchteten und baten um Asyl. Etwa 80 Kinder aus Hamburg waren Gast in der Heimat von Josef Trabert, der wenige Jahre später am Kriegsende selber flüchten musste und vertrieben wurde.

„Kurt war für mich bald wie ein großer Bruder“, schreibt der 82-jährige Trabert in seiner Familienchronik „Die zweite Heimat“, die im Buchverlag „danubebooks“ auf den Markt kommt. Ein Buch, das von einer schönen Kindheit beispielsweise mit Kurt Wolke handelt, aber auch von Flucht und Vertreibung und den Anstrengungen, in einem fremden Land eine neue Heimat zu finden. Passend ist die Veröffentlichung wenige Tage vor dem  Donaufest gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist es ein vielschichtiger Beleg schwerer Jahre, über Heimatverlust, Vertreibung, Neuanfang, Flucht und erneutem Neuanfang. Zum anderen ein lebendiger Beweis für die heute noch existierenden engen Verbindungen und Verflechtungen entlang der Donau. Und zum dritten ist der Autor Vater von Sabine Geller, die seit Jahren aktiv die Ulmer Donauaktivitäten begleitet und von Ulm aus das zweisprachige Magazin „Danube Connect“ herausgibt.

Dabei hat der junge Josef Trabert mehrfach erfahren, was es heißt, die Heimat zu verlieren und flüchten zu müssen. Erst die Vertreibung aus Ungarn, dann die Neuansiedlung im Erzgebirge und schließlich die Flucht über Berlin in den Westen. „Die politischen Umstände hatten uns zu diesem Schritt bewogen“, schreibt der Autor in seinem Buch. Über verschiedene Stationen landete er schließlich in Ulm, machte eine Lehre als Goldschmied und gründete eine Familie.

Seine Frau lernte er erst in der neuen Heimat kennen – und das, obschon sie aus dem selben Ort in Südungarn stammt.  Mit seiner Familienchronik erzählt er nicht nur sein eigenes bewegtes Leben, sondern liefert vielmehr eine Episode europäischer Zeitgeschichte ab, wie sie angesichts der politischen Großwetterlage aktueller nicht sein könnte.

So schön seine Kindheit in Südungarn war, so lebhaft die Erinnerungen an das Gastkind aus Hamburg sind, so eindeutig hat Josef Trabert seinen Frieden in der neuen Heimat Ulm gefunden. Und mit ihm seine Kinder und Enkelkinder, die in dem Buch ebenso zu Wort kommen und eine Brücke in die Zukunft bauen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

10. Internationales Donaufest

Vom 1. bis 10 Juli 2016 findet in Ulm und Neu-Ulm das zehnte Internationale Donaufest statt. Zehn Tage lang werden die Vielfalt und Besonderheiten sowie Gemeinsamkeiten des Donauraums mit einem facettenreichen Kunst- und Kulturprogramm gefeiert.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kripo-Beamter der Ulmer Polizei vor Gericht

Wegen Strafvereitelung und Unterschlagung von Geldbußen in zig Fällen muss sich ein Polizist vor der Justiz verantworten. Der Angeklagte bestreitet alles. weiter lesen