Der Ulmer Matthias Hochrein ist Landwirt in Rumänien

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Ein rumänischer Bauer: Matthias Hochrein hat sich seinen Lebens­traum verwirklicht.    Foto: 

Matthias Hochrein (36), geboren in Ulm, hat seinen Lebensmittelpunkt in Rumänien – auf einem Bauernhof 20 Kilometer außerhalb des Städtchens Suceava in der Region Bukowina. Denn Hochrein will Landwirt sein. Die Leidenschaft dafür hat er in einem Praktikum in seiner Schulzeit an der Ulmer Waldorfschule entdeckt. „Da hat es bei mir gezündet.“

Doch fürs Leben als Landwirt hat man schlechte Karten, wenn man in Deutschland nicht bereits auf einem Bauernhof zur Welt kommt oder über wahnsinnig viel Geld verfügt. Hochrein bezeichnet sich bestenfalls „reich an Ideen“. Deswegen zog er – über diverse berufliche Stationen nach dem Studium in Deutschland und in Tschechien – nach Rumänien.

Einen ersten Kontakt zum Land hatte er über das Baulager der Waldorfschule. Kürzlich war er in Ulm, anlässlich des 60. Geburtstags seiner Mutter. Matthias Hochrein ist der lebende Beweis dafür, dass Waldorfschüler die Welt nicht zwangsläufig durch eine ökoromantische Brille sehen. Denn auf die Frage, ob es Hochrein mit seinem Betrieb um Artenvielfalt geht, meint er, dass er in erster Linie Geld verdienen will. Die Artenvielfalt hat er sogar reduziert in jenem Betrieb, den er mit zwei deutschen Kollegen übernommen hat. Alle drei haben sie Agrarwissenschaften studiert. Weniger Sorten wertet Hochrein er als Struktur, die er in den Betrieb bringt. „Ein Betrieb muss nachhaltig funktionieren. Nachhaltig heißt wirtschaftlich.“

Mit einer Fläche von 450 Hektar hat er angefangen. Mittlerweile haben die drei gleichberechtigten Gesellschafter, von denen nur Hochrein ständig in Rumänien lebt, Flächen dazugekauft. Er bewirtschaftet mit insgesamt 14 Angestellten 2200 Hektar und baut Winterweizen, Winterraps, Soja, Mais, Sonnenblumen und Zuckerrüben an.

Völlig angekommen

Der Hof liegt nahe einer der  letzten vier rumänischen Zuckerrübenfabriken. Den Hauptertrag verkauft Hochrein an lokale Händler, die alles über die Hafenstadt Constanta über das Schwarze Meer in afrikanische Länder verschiffen.

Selbstbewusst sagt der 36-Jährige über seinen Betrieb: „Wir sind ein positives Beispiel dafür, was an unternehmerischer Tätigkeit entstehen kann.“ In Rumänien könne man in der Landwirtschaft etwas in großen Schritten bewegen. Mittlerweile hat er die Landessprache erlernt, eine rumänische Frau geheiratet und mit ihr zwei Kinder.

Gleichwohl sieht er nicht für immer in Rumänien seinen Lebensmittelpunkt. Als nach wie vor schwierig sieht er etwa die Eigenheit der Leute, „sich nicht gut zu fühlen, wenn sie am Abend nicht mit zwei Liter gestohlenen Diesel nach Hause gehen“. Deswegen hat Hochrein in seinem Betrieb Listen ausgehängt, in die jeder Mitarbeiter eintragen kann, was er mit genommen hat. Als Diebstahlsicherung funktioniert es nicht immer.

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