In Kinder Zeit statt Ehrgeiz stecken

Zuviel Ehrgeiz und gutgemeinte Fürsorge in der Erziehung schadet dem Kind. Zeit braucht es hingegen, sagte eine Psychologin auf einem Themenabend.

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Eltern wünschen sich glückliche Kinder. Kinder, die wissen, was sie wollen und die Kompromisse eingehen können. „Viele Eltern wollen ein selbstbewusstes Kind. Aber: Dieses Selbstbewusstsein üben die Kinder zuhause – und das ist anstrengend für Eltern“, sagte Bettina Müller vom Kinderschutzbund Ulm. Das Kinder- und Familienzentrum in Böfingen hatte die Psychologin zu einem Themenabend eingeladen, der der Frage nachging, was Kinder stark macht.

„Erziehung ist total anstrengend, total spannend und total schön. Aber manchmal auch total schwierig“, sagte Müller, die keinen Vortrag hielt, sondern auf die Fragen der vielen Eltern einging. Etwa jener, warum Erziehung heutzutage anspruchsvoller und schwieriger geworden sei als noch vor Jahrzehnten. Heute gebe es eine ganz andere Generation von Eltern, die ganz andere Vorstellungen habe als früher, antwortete Müller.

Während sich Eltern heutzutage für ihre Kinder Werte wie Zufriedenheit und Selbstverwirklichung wünschten, hätte man früher auf die Frage, was Kinder stark macht, geantwortet: Pünktlichkeit, Gehorsam, Ordnung, Fleiß. Mittlerweile kommen mit Büchern wie: „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ Ratgeber auf den Markt, die vor einer Verhätschelung des Nachwuchses warnen.

„Auch pausenloses Loben verunsichert die Kinder. Sie wissen normalerweise sehr gut, was sie können und nicht“, sagte Müller, die selber vier Kinder hat. Eines ihrer Kinder sei, als es fünf Jahre alt war, mit einem Gleichaltrigen aus dem Kindergarten ausgebüxt, weil es Häschen streicheln wollte. „Schlimm fand ich hauptsächlich die Diskussion, die danach von den ängstlichen Eltern im Kindergarten geführt wurde“, erinnerte sich Müller, die aufzeigte, wie wichtig es ist, Kindern auch Freiräume zu lassen.

Prinzipiell aber gelte, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich selber auszuprobieren, mit ihnen zu diskutieren, ihnen aber auch Grenzen zu setzen. Und sie eben auch mal Unsinn machen zu lassen.

„Kümmern um Kinder braucht Zeit“, sagte die Mitarbeiterin der Psychologischen Beratungsstelle in Ulm. Und ganz besonders die Nähe im ersten Lebensjahr sei entscheidend: „Nehmen Sie sich die Zeit – dann brauchen Sie auch später keine Stark-Mach-Kurse.“

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