Immundefekte früh behandeln

Kinder mit angeborener Immunschwäche müssen rasch behandelt werden. Welche Folgen hat eine Therapie? Das hat eine Ulmer Ärztin untersucht. Ergebnis: Es gibt keine erhöhte Anfälligkeit für Tumorerkrankungen.

|

Für die Abwehr von Bakterien, Viren und anderen Krankheitserregern ist das menschliche Immunsystem unverzichtbar. Durch einen Gen-Defekt kann es allerdings dazu kommen, dass Säuglinge mit einer schweren Störung des Immunsystems (genannt SCID) geboren werden. Deutschlandweit werden jährlich nur etwa 20 bis 30 Fälle dieser seltenen Erkrankung diagnostiziert und behandelt.

Dr. Catharina Schütz, Wissenschaftlerin und Ärztin im Bereich Immunologie, Rheumatologie und Stammzelltransplantation an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uni-Klinik Ulm, beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit Kindern, deren Immundefekt durch eine Stammzelltransplantation geheilt werden kann und arbeitet an verbesserten Therapiemöglichkeiten. Zusammen mit der Ulmer Forschergruppe und Wissenschaftlern aus Paris und San Francisco hat sie über fünf Jahre die Spätfolgen der Behandlung bei SCID-Patienten untersucht und ist der Frage nachgegangen, welche Therapieansätze richtungsweisend sein könnten. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden jetzt online im medizinischen Fachmagazin "Blood" veröffentlicht.

Die SCID-Erkrankung betrifft Gene, die für die Reifung von weißen Blutzellen, so genannten T-Lymphozyten, verantwortlich sind. T-Lymphozytenvorläufer entstehen im menschlichen Knochenmark und unterstützen die Immunabwehr. Sie spüren krankhafte Veränderungen, zum Beispiel durch Viren, im Körper auf und setzen eine Abwehrreaktion in Gang, um diese Erreger zu zerstören.

Säuglinge, die mit SCID auf die Welt kommen, haben ein sehr schwaches Immunsystem, bereits leichte Infekte sind lebensbedrohlich. "Die Patienten erkranken häufig an Infektionen, insbesondere an Lungenentzündungen, chronischen Durchfällen und weisen eine Gedeihstörung auf", sagt Schütz. Werde der Immundefekt nicht in den ersten Lebensmonaten erkannt und behandelt, habe das Neugeborene kaum eine Überlebenschance. "Durch eine Blutstammzelltransplantation, häufig kombiniert mit einer Chemotherapie, haben Kinder mit SCID sehr gute Heilungschancen", sagt Prof. Ansgar Schulz, Leiter des Bereichs Immunologie, Rheumatologie und Stammzelltransplantation an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Die Chemotherapie sei notwendig, damit die transplantierten Spenderzellen anwachsen. Sie bilden dann selbst T-Lymphozyten und stabilisieren das Immunsystem.

Man vermutete zunächst, dass eine genetisch definierte Gruppe von SCID-Patienten in Folge der Chemotherapie anfälliger für Tumorerkrankungen ist. Dies habe sich in der aktuellen Studie aber nicht bestätigt. Hingegen traten in der Nachsorge vermehrt Wachstumsstörungen, eine verzögerte Pubertät oder eine gestörte Zahnentwicklung auf. Die meisten dieser Spätfolgen lassen sich aber mit Medikamenten gut kontrollieren", sagt Catharina Schütz.

Eine vielversprechende Strategie zur besseren Diagnose von SCID sieht die Wissenschaftlerin in der Früherkennung durch das Neugeborenen-Screening. "Mit Hilfe dieses Screenings könnten auch in Deutschland bei Neugeborenen genetisch bedingte, schwere Immundefekte zukünftig noch früher diagnostiziert und die Säuglinge rechtzeitig an ein spezialisiertes Zentrum wie das unsere überwiesen werden."

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Nach tödlichem Unfall bei Aufhausen: Ermittler suchen weitere Zeugen

Nach dem schweren Verkehrsunfall vergangenen Woche, bei dem ein 28-Jähriger zwischen Aufhausen und Königsbronn ums Leben kam, sucht die Polizei weiter Zeugen. weiter lesen