Berliner Ring bleibt Staustelle

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Der allmorgend- und -abendliche Stau auf dem Berliner Ring. Autofahrer müssen sich in Geduld üben:  Erst im Frühjahr kommt die zweite Linksabbiegespur in die Wissenschaftsstadt.  Foto: 

Als Autofahrer muss man sich in Ulm in Geduld üben. Wegen der vielen Baustellen, die es nicht nur in  der Innenstadt gibt, sondern auch auf den Straßen, die Ulm in weitem Bogen umfahren. Wie auf dem Berliner Ring. Insbesondere im Bereich Wissenschaftsstadt staut sich in den Hauptverkehrszeiten der Verkehr. Wer dort unterwegs ist, kann ein leidiges Lied davon singen.

Als „Sondersituation“ bezeichnet der städtische Verkehrsplaner Gerhard Fraidel die Kreuzung Berliner Ring/Albert-Einstein-Allee deshalb, weil zweimal täglich die Menschen zu ihren Arbeitsplätzen drängen. Durch den Personalwechsel in den Kliniken führt das nicht nur morgens zu großem Andrang an Autos, sondern auch nachmittags. Dadurch bildet sich regelmäßig ein Rückstau auf dem Ring, „jeder einzelne Fahrer trägt dazu bei“.

Verkehrsplanerisch läuft der Berliner Ring unter der Bezeichnung K 9915, was für Kreisstraße steht. Dass „der Abfluss von der K 9915 in die Wissenschaftsstadt verbessert werden muss“, ist längst beschlossene Sache, bestätigt Fraidel. Die Pläne für die „Ertüchtigung des Knotenpunkts“ liegen in der Schublade: Sie sehen eine zusätzliche zweite Links­abbiegespur in Richtung Uni vor.

„Eigentlich sollte damit im Herbst begonnen werden“, erklärte Fraidel am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung. „Aber die Arbeiten wurden zurückgestellt bis zum Frühjahr.“ Das habe mehrere Gründe: Erstens wird der Ring für den Schwertransport genutzt, insbesondere für den Abtransport des Materials von der Tunnelbaustelle der Bahn. Steine und Erde müssen ja irgendwie weg. Der Durchstich der ersten Röhre ist vor zwei Wochen geschafft, der der zweiten Röhre soll in Kürze folgen. Das bedeutet, dass in absehbarer Zeit weniger Material anfällt, aber „da sind immer noch kleine Gebirgslandschaften, die auf ihren Abtransport warten“, beobachtet der Verkehrsplaner. Deshalb sei es besser, erst im Frühjahr die Kapazität der Straße einzuschränken.

Zweitens will man die Semesterferien abwarten, wo erfahrungsgemäß weniger Verkehr ist.

Der Plan für die Bauarbeiten sieht vor: Erst mal auf der Straßenseite zur Sporthalle Nord „Ausweichraum“ zu schaffen, damit anschließend links die zusätzliche Abbiegespur angelegt werden kann. Im Zuge der Arbeiten wird auch eine Lärmschutzwand für das Lehrer Neubaugebiet Wengenholz errichtet. Laut Fraidel wird das Ganze drei Monate lang dauern.

 Die Verkehrssituation dort oben ist auch deswegen erschwert, weil die Großbaustelle der Straßenbahnlinie 2 zu Behinderungen auf der Albert-Einstein-Allee führt. Das ist andererseits aber der Grund dafür, dass die Stadt für den Ausbau der Kreuzung einen ordentlichen Zuschuss vom Land bekommt: Von den Kosten, die rund 950 000 Euro betragen, bekommt die Kommune etwa die Hälfte erstattet. Die Pläne sind im Herbst 2015 noch nachträglich ins Straßenbau-Förderprogramm aufgenommen worden, weil durch den Bau der Straßenbahn eine höhere Belastung der Umfahrung anerkannt wurde. Genau so ist es jetzt gekommen – und die Autofahrer müssen sich weiter in Geduld üben, ehe es besser wird.

An allen vier Adventssamstagen gibt es in diesem Jahr das Angebot, kostenlos die Busse und Straßenbahnen zu benutzen. Auch das Benutzen der Park & Ride-Parkplätze ist gratis. So sollen möglichst viele Menschen dazu gebracht werden, nicht mit dem eigenen Auto in die Stadt zu fahren. Der kostenlose Nahverkehr gilt in Ulm und Neu-Ulm von Betriebsbeginn um 4.30 Uhr und bis Betriebsschluss.

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Kommentare

10.12.2016 10:45 Uhr

Abbiegespur

Die Wissenschaftsstadt wird gewollt immer größer und innerhalb des Rings verdichtet. Was man da oben tatsächlich braucht ist nicht eine dritte Abbiegespur, sondern weitere Zu- und Abfahrten, schon im Interesse der Patienten, die in einem Rettungswagen zur Klinik gebracht werden.

Der Mähringerweg ist eine Privatstraße und für den normalen Verkehr gesperrt, dass müsste geändert werden, die Uni sollte auch vom Süden her anfahrbar und nicht abgeschottet sein. Das würde den Berliner Ring wesentlich entlasten.

Geplant sind weitere Institute, Einkaufsmöglichkeiten, Parkhäuser und sogar ein Hotel. Der Autoverkehr wird weiter zunehmen. Die wachsende Wissenschaftsstadt muss versorgt werden, allein die Anzahl der Zulieferer (Essen, Getränke, Verbrauchsmaterial) Handwerker, Müllfahrzeuge usw. hat sich in den letzten 25 Jahren mit Sicherheit verdoppelt.

Viele Mitarbeiter, Studenten, Patienten und deren Besucher kommen nicht direkt aus Ulm, sondern aus dem Umland, es können einfach nicht alle mit der Straßenbahn fahren auch wenn das gewünscht wird.
Dazu kommt, es sollen immer mehr Leute auf dem Eselsberg arbeiten und studieren, wie man da aber einigermaßen vernünftig hinkommt scheint niedrigste Priorität zu haben.

Die westliche und östliche Zufahrt sind und bleiben ein Nadelöhr. Die Zufahrt Lise-Meitner Straße ist zwar eine erste Entlastung, reicht aber zukünftig ebenso wenig aus wie eine dritte Abbiegespur im Osten. Der Berliner Ring muss weiter perforiert werden um eine tatsächliche Entlastung zu spüren. Aber solange Stadt und Land das nicht wollen, wird es weiterhin den täglichen Stau geben.

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10.12.2016 10:31 Uhr

Das übliche Versagen der Ulmer Verkehrsplaner

In der Innenstadt werden ohne vernünftigen Grund die Hauptverkehrsachsen zurückgebaut. Weicht man auf die dadurch überlastete Umgehungsstraße aus, steht man deshalb ebenfalls im Stau. Ziel der Verkehrsplanung muss sein, den Verkehr flüssig zu gestalten. In Ulm wird er aus ideologischen Gründen ausgebremst.

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