Im Hafen der Zweisamkeit

Die Hochzeit selber war ein geheimer Staatsakt. Das dazu gehörige Fest ließ fast ein geschlagenes Jahr auf sich warten. Dafür geriet es dann umso rauschender. Ein Report aus der Idylle des Hochschwarzwaldes.

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  • Bilder sagen mehr als tausend Worte (von oben nach unten und von rechts nach links): Oju, eine Frau, die in allen Sätteln gerecht wird, was Michael weiß, auch wenn er ab und zu ungläubig staunt. Ein Traumpaar sind sie dennoch geworden. Wenn sich Freundinnen treffen und Frankieboy fotografiert, wird bisweilen Kunst daraus. Gemeinsame Reisen werden mitunter eine derart heiße Angelegenheit, dass man sich dem Vesuv ganz nahe wähnt. Ein Essen im Kreis guter Freunde ist nie zu verachten, vor allem, wenn sie gut beißen können, wobei Oju es gerne deftig mag - und manchmal auch extravagant. Mitunter schlägt sie sich auf die falsche Seite - und er sich dann an die von Desperados. Und ab und zu verkleiden wir uns alle. 1/4
    Bilder sagen mehr als tausend Worte (von oben nach unten und von rechts nach links): Oju, eine Frau, die in allen Sätteln gerecht wird, was Michael weiß, auch wenn er ab und zu ungläubig staunt. Ein Traumpaar sind sie dennoch geworden. Wenn sich Freundinnen treffen und Frankieboy fotografiert, wird bisweilen Kunst daraus. Gemeinsame Reisen werden mitunter eine derart heiße Angelegenheit, dass man sich dem Vesuv ganz nahe wähnt. Ein Essen im Kreis guter Freunde ist nie zu verachten, vor allem, wenn sie gut beißen können, wobei Oju es gerne deftig mag - und manchmal auch extravagant. Mitunter schlägt sie sich auf die falsche Seite - und er sich dann an die von Desperados. Und ab und zu verkleiden wir uns alle.
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Es war die schönste Zeit im Jahr. Die Landschaft stand im satten Grün, die Kirschblüte war vorüber, die Apfelblüte brach an. Betörend der Duft des frühen Sommers. Hierher also, nach Bonndorf in die Sommerau, die einem Bilderbuch entliehene ländliche Abgeschiedenheit, hatte das Paar eingeladen. Was insofern ein bemerkenswerter Ort ihrer Wahl war, als es sich bei Oju und Michael um eine mongolisch-deutsche Konstellation mit Lebensmittelpunkt in der Schweiz handelt, um mondäne Global Players, wie man heute sagt, die sich auf internationalen Parketten bewegen.

Hier, in der lauschigen Verträumtheit des Hochschwarzwaldes, wo der Kuckuck nicht nur aus der Uhr ruft, sondern auch aus dem tropfenden Tann, sollte endgültig besiegelt werden, was fast ein Jahr zuvor formal schon vollzogen worden war. Es war der 29. Juli 2011 gewesen, als im Ulmer Rathaus die Ja-Worte fielen. Ja, was ein schwäbischer Standesbeamter zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Das Paar beging diesen Tag inkognito, allein zu zweit. Sehr zum Verdruss mancher hartnäckig, aber vergeblich recherchierender Freunde hatten Oju und Michael die Trauung als ein Geheimnis so streng gehütet, wie die Amerikaner ihre Goldvorräte in Fort Knox bewachen.

Eine längere Rundfahrt hat also im Hafen der Ehe ihr Ende gefunden. Der deutsch-mongolische Luxusliner Kieninger/Schiller hat nach einem sich über Jahre hinweg erstreckenden Landemanöver angelegt am Kai der Ewigkeit. Die eine oder andere Kreuzfahrt in exotische Gewässer für die Zukunft ist nicht auszuschließen - bei der Herkunft dieser Braut ohnehin nicht.

Zuerst sollte nun aber der verspätete Festakt über die Bühne gehen in besagter Schwarzwald-Idylle, wo sich am 16. Juni 2012 eine stattliche Festgemeinde eingefunden hatte. Ganz im Sinne einer maßlosen Energieverschwendung waren die Gäste allein oder zu zweit angereist. Viele in Autos, die die Welt nicht braucht, in Limousinen, deren Fahrer hinter verdunkeltem Glas sitzen, ein bisschen höher als gewöhnliche Autofahrer, eben über ihnen.

Die Gästeliste las sich wie das Who is who der internationalen Hautevolée. Bedeutende Führungskräfte aus der Wirtschaft befanden sich ebenso darunter wie Chefärzte deutscher Provinzkrankenhäuser. Nicht unerwähnt bleiben soll aber auch eine Clique, die das Niveau der festlichen Schar deutlich relativierte: Die Rede ist von Ojus Ulmer Freundeskreis, einer multikulturellen Vereinigung, bestehend aus Bayern und Schwaben, Rumänen und Deutsch-Rumänen, aus Deutschen mit Wurzeln im Sudetenland und besagter Mongolin, die selber am besten weiß, sich als exotisches I-Tüpfelchen dieser schillernden Truppe zu inszenieren.

Ehe die Gäste sich den abendlichen Tafelfreuden hingeben durften und hernach allerlei merkwürdige Gesellschaftsspiele über sich ergehen lassen mussten, waren sie gezwungen, an einer 15 Kilometer langen Wanderung teilzunehmen. Diese führte sie zu einer Schwarzwaldhütte. Dort wartete nicht nur Blasenpflaster auf verwundete Füße, sondern ein üppiges Schwarzwaldvesper auf hungrige Mägen. Dazu wurde von Staats wegen gebrautes Bier ausgeschenkt, solches aus den Sudkesseln der landeseigenen Brauerei Rothaus.

Danach steuerte der Tag unaufhaltsam seinem Höhepunkt entgegen. Zu Weinen, bei denen einem allein schon die Lektüre der Etiketten das Wässerchen im Munde zusammenlaufen ließ, wurde den Gästen am Abend ein köstliches Festmenü aufgetischt. Über die fünf Gänge hüllen wir besser den Mantel des Schweigens. Schließlich soll uns die Schwarzwald-Bilderbuch-Idylle als Geheimtipp erhalten bleiben und nicht zur Stätte des Massentourismus missraten. Nur so viel: Es war ein berauschender Abend.

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