Im geplanten Flüchtlingsheim in Wiblingen sollen Familien wohnen

Die Flüchtlingsunterkunft auf den Eschwiesen soll ab Oktober nächsten Jahres bewohnbar sein. Mehr Asylsuchende als geplant werden darin leben. Ziel ist, die Wohnungen auch anderen Mietern anzubieten.

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Von innen, von vorne, von hinten: So soll die geplante Flüchtlingsunterkunft auf den Wiblinger Eschwiesen aussehen.  Foto: 

Der Andrang war nicht annähernd so groß wie im Juli. 500 Wiblinger kamen damals zu einem Informationsabend über die geplante Flüchtlingsunterkunft auf den Eschwiesen, viele verbrachten ihn stehend. Am Donnerstag war das Bürgerzentrum am Tannenplatz nicht mal zur Hälfte gefüllt.

Auch die Stimmung war nicht so aufgeladen wie im Sommer, als Gegner und Unterstützer der Unterkunft im Vorfeld Flugblätter verteilt hatten. Im Gegenteil: Es ging unaufgeregt und sachlich zu, als Baubürgermeister Tim von Winning die Häuser vorstellte, die ab April kommenden Jahres auf den Eschwiesen zwischen Aldi-Markt und Wohngebiet entstehen werden.

Geändert hat sich auch die Anzahl der Asylsuchenden, für die das Quartier ab Oktober 2016 ausgelegt sein wird. War die Unterkunft zunächst für 72 Menschen vorgesehen, ist die Zahl inzwischen auf 108 gestiegen. "Wir arbeiten sehr tagesaktuell", erklärt von Winning die Veränderung. Denn die Stadt werde laufend mit neuen Flüchtlingszahlen konfrontiert.

Das bedeutet jedoch nicht, dass auch 108 Menschen auf den Eschwiesen leben werden. 4,5 Quadratmeter Wohnraum sind für einen Flüchtling nach Landesrichtlinie vorgesehen, auf bis zu neun Personen sind die Wohnungen ausgelegt. "Bei den Bewohnern wird es sich aber vor allem um Familien handeln, die jetzt in der Römerstraße oder in der Hindenburgkaserne untergebracht sind", kündigt Flüchtlingskoordinator Werner Fischer an. Da nicht alle Familien neun Köpfe zählen und Alleinerziehende mit Kindern in der Unterbringung ohnehin bevorzugt werden, werde die Unterkunft auch nicht voll ausgelastet, sagt Fischer.

Als Flüchtlingskoordinator ist Fischer auch für die soziale Betreuung zuständig. Ein Sozialarbeiter wird sich der Bewohner der Unterkunft annehmen. Außerdem haben sich bereits zahlreiche ehrenamtliche Helfer gemeldet, die beim Eingewöhnen in Wiblingen helfen wollen. Dabei gehe es um Freizeitangebote, Sprachtandems oder auch Themen wie berufliche Perspektive und Kinderbetreuung. Zudem ist eine enge Anbindung an Kirchen- und Moscheegemeinden geplant. Einen Sicherheitsdienst wird es nicht geben. "Das funktioniert bei der Größenordnung auch ohne", sagt von Winning. Vor allem, da es sich bei den Bewohnern um Familien handeln wird.

Drei Millionen Euro hat die Stadt sich die Unterkunft kosten lassen. "Das ist nicht unbedingt kostengünstig", gibt von Winning zu. "Eine billige Sammelunterkunft wäre für diese Umgebung aber nicht das Richtige." Ein halbes Jahr ist für den Bau der drei Häuser vorgesehen, jedes davon beinhaltet vier Wohneinheiten. Diese sollen auch als Anschlussunterkunft genutzt werden. Langfristiges Ziel sei laut von Winning jedoch, die Wohnungen sowohl für Flüchtlinge als auch auf dem freien Markt anzubieten. Wann das der Fall sein wird, könne angesichts sich ständig ändernder Flüchtlingszahlen nicht vorausgesagt werden. 20 Jahre lang sollen die Häuser bewohnbar sein.

Den Zuschlag für den Bau hat eine Firma aus Vorarlberg erhalten. Von Winning auf die Frage eines Bürgers, warum kein deutsches Unternehmen die Häuser baut: "Die Österreicher fahren schöne deutsche Autos und wir bauen schöne österreichische Häuser."

Ekin Deligöz: Mehr Geld für Folteropfer

Zentren "Mit nur 30 Behandlungszentren für Folteropfer in Deutschland wird der derzeitige Bedarf bei weitem nicht gedeckt. Deshalb fordert unsere Fraktion 50 Millionen Euro Bundeszuschuss zum Ausbau der Psychosozialen Zentren." Das sagte die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz in ihrer Rede zum Haushalt.

Finanzierung Die Finanzierung der Behandlungszentren müsse sichergestellt sein. Über die Situation vor Ort hatte sich die Grünen-Abgeordnete bei einem Besuch des Zentrums für Folteropfer in Ulm (BFU) informiert. Es arbeitet unter dem Dach des Reha-Vereins für soziale Psychiatrie Donau-Alb.

Diagnostik Nach Einschätzung der Psychologen könnten 40 bis 50 Prozent der Flüchtlinge traumatisiert sein, was nicht heißt, dass alle eine Traumatherapie benötigen; eine frühzeitige Diagnostik sei aber sehr wichtig. Die Wartezeit bei Flüchtlingen, die im BFU behandelt werden, liegt bei rund neun Monaten.

 

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Kommentare

09.12.2015 21:21 Uhr

Bildungsnotstand

Dass einige Kommentatoren hier im SWP Online-Forum ausgewiesene Fremdenfeindlichkeit demonstrieren, dürfte den Leser*innen aufgefallen sein. Als um unser aller Steuergeld besorgter Bürger möchte sich unser A. Ulmer hervorheben. Ein wenig stört mich diese Heuchelei schon. Denn bei den Millionenkosten, welche die schwachsinnigen Brandstifter aus der kriminellen rechten Nationalistenszene bisher mit ihren Anschlägen in Deutschland auf Asylunterkünfte und dafür vorgesehene Gebäude verursacht haben, habe ich noch kein Wort der Entschuldigung oder Distanzierung für das verbrecherische Tun seiner Gesinnungsgenossen von A. Ulmer gehört. Vielleicht wären seine Zeilen glaubwürdiger, wenn er zu diesem Sachverhalt seine persönliche Erklärung abgeben würde? In einigen Jahren werden wir dem Bürgermeister in Wiblingen für seine Weitsicht danken. Auch wenn nur 20 Jahre für die Gebäude garantiert werden, so ist eine längere Lebensdauer nicht ausgeschlossen. Preiswerter und einfacher Wohnraum wird in wirtschaftlich schweren Zeiten immer eine Nachfrage haben. Selbst wenn also ein schneller Friedensprozess im Nahen Osten durch die von unserem Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) moderierten Wiener Gespräche zustande kommen sollte, werden die Wohnungen belegbar sein. Das was gerade die rechten Marktschreier neuerdings fordern, die gleichen Hilfeleistungen für junge Deutsche wie für Flüchtlinge, wird in Wiblingen umgesetzt werden. Und wieder ist "das Pack" wie unser Wirtschaftsminister Gabriel richtig erkannte, nicht zufrieden. Denn in Wirklichkeit sind die vorgeschobenen Ängste und Sorgen vieler Wortführer der sogenannten besorgten Bürger, nur die schlecht getarnten aufgewärmten Vorurteile der Enkel von Herrenmenschen und Rassisten. Da halfen anscheinend weder Bildung noch stattliche Erziehung. Diesem Bildungsnotstand sollte in den künftigen Lehrplänen Rechnung getragen werden.

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09.12.2015 14:00 Uhr

Antwort auf „Hammer”

Sollte Döring Neubauwohnungen für Flüchtlinge für zu luxuriös halten, dann darf er der zuständigen Verwaltung gerne seiner Meinung nach besser geeignete Unterbringungsmöglichkeiten nennen in Nicht-Neubauwohnungen.
Falls er meinen sollte, 4,5 Quadratmeter pro Mensch seien luxuriös, dann möchte man ihn fragen, ob er für sich selber eine Fläche von 4,5 Quadratmetern für zu luxuriös halten würde.
Zitat Döring: "Die erhalten noch eine Freikarte für den FKK Club und einen Geldbetrag über 2000 euro monatlich um die Umsatzsteuer anzukurbeln". Diese Aussage ist natürlich Unsinn und schlicht eine Lüge.
Aber offensichtlich geht es Döring nur darum, wenig intelligente Propaganda zu verbreiten, da kann die Wahrheit schon mal oder auch dauerhaft ignoriert werden.
Wenn man sich herablässt, sich die plump-derbe Formulierung „Furz im Hirn“ zu eigen zu machen, dürfte es jedem Leser leicht fallen zu entscheiden, wer unter diesem bizarren „Krankheitssymptom“ wohl eher leidet, die zuständigen Behörden oder vielleicht doch Döring selber.

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06.12.2015 20:45 Uhr

„Wiblinger Steuerzahler-Ignoranz?” - 2, Nachtrag.

Je öfters man den Artikel liest - um so mehr wird klar, wie hier eine besondere Form von (Kommunal-)Politikern und "Flüchtlingskoordinatoren" mit Steuergeldern umgehen:

(..) Ein halbes Jahr ist für den Bau der drei Häuser vorgesehen, jedes davon beinhaltet vier Wohneinheiten. (..)

3 mal 4 = 12

(..) Das bedeutet jedoch nicht, dass auch 108 Menschen auf den Eschwiesen leben werden. 4,5 Quadratmeter Wohnraum sind für einen Flüchtling nach Landesrichtlinie vorgesehen, auf bis zu neun Personen sind die Wohnungen ausgelegt. "Bei den Bewohnern wird es sich aber vor allem um Familien handeln, die jetzt in der Römerstraße oder in der Hindenburgkaserne untergebracht sind", kündigt Flüchtlingskoordinator Werner Fischer an. (..)

12 mal 9 = 108 (Personen/Flüchtlinge könnten ein "Dach über dem Kopf" haben)

Das aber ist die Rechnung ohne den "Flüchtlingskoordinator Werner Fischer".

"Flüchtlingskoordinator Werner Fischer": (..) Da nicht alle Familien neun Köpfe zählen und Alleinerziehende mit Kindern in der Unterbringung ohnehin bevorzugt werden, werde die Unterkunft auch nicht voll ausgelastet, sagt Fischer. (..)

Gibt's plötzlich so viele Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge, das man auf eine Vollbelegung verzichten kann? Über welchen Informationsvorsprung verfügt "Flüchtlingskoordinator Werner Fischer"?

Wie wird man eigentlich "Flüchtlingskoordinator"?

.

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06.12.2015 18:31 Uhr

@Andreas Döring

"Die erhalten noch eine Freikarte..."

Was Sie offensichtlich nicht erhalten haben, ist gute Erziehung und Bildung!

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06.12.2015 11:54 Uhr

„Wiblinger Steuerzahler-Ignoranz?” - Nachtrag.

(..) Den Zuschlag für den Bau hat eine Firma aus Vorarlberg erhalten. Von Winning auf die Frage eines Bürgers, warum kein deutsches Unternehmen die Häuser baut: "Die Österreicher fahren schöne deutsche Autos und wir bauen schöne österreichische Häuser." (..)

Die Aussage des (..) Baubürgermeister Tim von Winning (..) zeigt die Abgehobenheit gewisser (Kommunal-)Politiker auf.
Frei nach dem Motto - Ist ja nicht mein Geld und die lokale Wirtschaft (auch die damit einhergehenden Steuereinnahmen) sind mir doch wurscht.
(Kommunal-)Politiker-Scherze auf Kosten der Steuerzahler sind doch für die eigenen Reihen die witzigsten. Oder etwa nicht?

.

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06.12.2015 11:38 Uhr

Wiblinger Steuerzahler-Ignoranz?

(..) Drei Millionen Euro hat die Stadt sich die Unterkunft kosten lassen. "Das ist nicht unbedingt kostengünstig", gibt von Winning zu. "Eine billige Sammelunterkunft wäre für diese Umgebung aber nicht das Richtige." Ein halbes Jahr ist für den Bau der drei Häuser vorgesehen, jedes davon beinhaltet vier Wohneinheiten. Diese sollen auch als Anschlussunterkunft genutzt werden. Langfristiges Ziel sei laut von Winning jedoch, die Wohnungen sowohl für Flüchtlinge als auch auf dem freien Markt anzubieten. Wann das der Fall sein wird, könne angesichts sich ständig ändernder Flüchtlingszahlen nicht vorausgesagt werden. 20 Jahre lang sollen die Häuser bewohnbar sein. (..)

So, so, ...
Also 3.000.000 Euro - und (..) 20 Jahre lang sollen die Häuser bewohnbar sein (..)

Nach Eva Zwerg (Schwester von Adam Riese) also:
20 Jahre mal 12 Monate = 240 Monate
Somit 3.000.000 Euro / 240 Monate = 12.500 Euro
Also für "nur" 12.500 Euro Monatlich kann man 72 (ach ja - jetzt sind's ja108 - oder auch doch wieder nicht) ein sicheres Leben in Deutschland ermöglichen?

Für eine derartige Ignoranz gegenüber den Steuerzahlern kann man sich unmittelbar nur eines - "Fremdschämen".
Bei der nächsten Wahl aber kann man die Konsequenzen ziehen - und Ignoranz gegenüber den Steuerzahlern "honorieren".

.

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05.12.2015 08:10 Uhr

Man streut wieder schön Sand in die Augen

Ich kann mich noch gut erinnern, wie mich hier nach der letzten Bürgerversammlung ein Vertreter der Grünen angemacht hat, weil ich die Zahl "72" anzweifelte, nachzulesen im Archiv unter dem entsprechenden Artikel.

Nun zweifle ich an, dass dort Familien untergebracht werden. Wollen wir das Spielchen wieder spielen, Herr J.? Diesmal bin ich sogar zu einer Wette bereit.

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