Ikea und Mahler: Zwei Möbelhaus-Restaurants im Test

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  • Neben dem obligatorischen Köttbular ist der eigene Räucherofen das Besondere der Ikea-Küche. 1/2
    Neben dem obligatorischen Köttbular ist der eigene Räucherofen das Besondere der Ikea-Küche. Foto: 
  • Der Küchenchef im Münsterblick von Möbel Mahler, Michael Jäger, füllt seine Maultaschen noch nach eigenem Rezept und von Hand. 2/2
    Der Küchenchef im Münsterblick von Möbel Mahler, Michael Jäger, füllt seine Maultaschen noch nach eigenem Rezept und von Hand. Foto: 
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Speisen im Möbelhaus? Für die einen ist das stillos, die anderen probieren es einfach mal und hoffen, über Kantinenniveau hinauszukommen. Das ist genial, preiswert und man wird richtig satt, sagt so manch ein Möbelhaus-Ess-Profi. Viele Meinungen. Welche ist richtig? Wir wollten es wissen und gingen zum Probeessen: Abendessen bei Möbel Mahler in Neu-Ulm und Mittagessen bei Ikea an der Blaubeurer Straße.

Um es vorweg zu nehmen: Beide Restaurants sind keine Gourmet-Tempel – aber das dürfte auch niemand erwarten. Jedoch wird in beiden Häusern Gutes serviert. Die Speisen machen satt, aber nicht arm. 20 Zentimeter Currywurst in einer gut gewürzten Sauce, dazu Pommes aus der Friteuse im Möbel-Mahler-Restaurant mit dem Namen Münsterblick.

Currywurst-Liebhaber wissen, was man alles falsch machen kann. An dieser Wurst war vieles richtig. Ein Chefsalat, optisch sehr schön angerichtet mit hübsch gerolltem Schinken und hartem Ei genau richtig in der Härte, nämlich nicht stahlhart und nicht wachsweich. Die Salatsauce könnte etwas besser gewürzt sein.

Seit zwei Jahren leitet der 22-jährige Michael Jäger die Küche im Münsterblick bei Möbel Mahler. Alles pieksauber und aufgeräumt. Wer die Küche sieht, vertraut dem Essen. Jäger erläutert die Herkunft der Ware. Vieles kauft er bei Metro. Aber Jäger weiß, woher der Markt seine Ware bezieht: Fleisch vom UImer Schlachthof, den Wurstlieferanten kann er auch benennen, die Kartoffeln vom Kartoffelhof Gaß­ebner in Dietenheim.

Jäger und sein Team kochen selber, bereiten nicht nur zu. Der Chefkoch rührt seine Saucen selbst an, lehnt Fertigprodukte ab. Die Maultaschen werden von Hand gefüllt. Trotz der Größe ist es keine Großküchenabfertigung. Dazu kommen eine Pizzabäckerei und eine hauseigene Konditorei. Die Preise sind nicht Marke Billigheimer, aber äußerst human. Billig könnten sie nur sein, wenn die Qualität schlechter wäre. Bei Möbel Mahler isst man also nicht billig, sondern preiswert im wahren Sinne des Wortes: Es ist seinen Preis wert.

Das Restaurant ist während der Mahler-Öffnungszeiten geöffnet. In Stoßzeiten, so Jäger, ist es randvoll, da sind 800 Plätze belegt, aber es herrscht natürlich eine hohe Fluktuation, sodass kein hungriger Magen umdrehen muss. Wenn wenig los ist, abends, ist das Restaurant richtig gemütlich. Vom Münsterblick haben wir allerdings nichts gesehen. Zum Abendessen war es draußen schon dunkel.

Mittagessen bei Ikea: Wenn es dumm läuft, geht erstmal gar nichts. Beim ersten Besuch Samstagmittag gegen 12 Uhr bietet schon der Parkplatz vor dem Möbelhaus keinen freien Platz mehr, geschweige denn das Restaurant. Dennoch bildet sich eine Schlange hungriger und ungeduldiger Menschen, weshalb es in diesem Fall ratsam war, den Rückzug anzutreten. Beim zweiten Versuch ging alles gut. Denn der war auf einen Werktag gelegt.

Erster Eindruck: Keine langen Schlangen, und Biobabykost gratis für die kleinsten Besucher. In den Kühlvitrinen zuerst das Dessert, dann Kuchen und dann die Salate. An der Essensausgabe eine freundliche Dame, die das Essen je nach Wunsch auf den Teller gibt. Es stehen also keine fertigen Teller an der Ausgabe, die Teller werden je nach Bedarf gefüllt – was in Spitzenzeiten allerdings auch zu Wartezeiten führt.

Schon obligatorisch gibt es Köttbullar (Hackfleischbällchen) mit Kartoffelpüree, Brokkoli, Soße und Preiselbeeren. Als Dessert ein Prinzesschentörtchen. Gekühlte Getränke gibt es aus dem Automaten. Dazu muss man sich vor der Kasse ein leeres Glas oder eine Tasse auf das Tablett stellen. Nach dem Bezahlen kann man sich sein Getränk selbst zapfen. Bis die Salatsoße gefunden, das Getränk gewählt und alles bezahlt ist, dauert es eine Weile. Für Ikea-Profis sicher kein Problem, bei Neulingen kommt das Essen aber lauwarm auf den Tisch.

Das Sahnetörtchen war gut, die Köttbullar schmeckte nach Systemgastronomie. Die Auswahl im Restaurant ist groß, Kuchen, Desserts und teilweise Unbekanntes, denn wie Ikea selbst ist das Restaurant auch auf schwedische Speisen ausgerichtet. Als Hauptspeisen wird Rumpsteak angeboten, Köttbullar und davon auch die vegetarische Variante.

„Samstags ist das Restaurant immer ganz voll und unter der Woche sind wir auch stets gut besucht. An guten Tagen verkaufen wir 2000 Essen“, sagt der Restaurantchef Oliver Stringe. Bei Ikea ist Selbstbedienung, insgesamt stehen 470 Sitzplätze zur Verfügung. Es handelt sich um Systemgastronomie, was bedeutet, dass das Essen fertig angeliefert wird.

„Die Köttbullar erhalten wir von einem schwedischen Lieferanten, sie schmecken beim Berliner Ikea genauso wie bei uns in Ulm“, erklärt Stringe. Doch auch Regionales kommt auf dem Tisch. Täglich verkauft der Möbelriese 700 bis 800 Frühstück. „Seit wir unsere Öffnungszeiten auf halb Neun vorverlegt haben, kommen die Leute in Scharen. Wir haben 150 Frühstücksstammgäste, die wirklich täglich kommen.“ Die Semmeln stammen vom Bäcker Bayer. Ein kleiner Frühstücksteller mit Lachs, Wurst, Käse, Marmelade und Kaffee kostet 1,95 Euro, Kaffee so viel man mag.

Außerdem gibt es frisch zubereitete Spiegel- oder Rühreier, Leberkäse oder Weißwürste. Neben dem fertigen Essen gibt es mittags auch ein Tagesessen für 3,50 Euro. „Das kochen wir selber und die Zutaten kommen aus der Region. Da gibt es auch mal Käsespätzle.“  Eine Besonderheit des Ikea-Restaurants ist der Räucherofen. „Das gibt es hier in der Gegend auch nicht so oft. Wir räuchern Lachse und Forellen.“

Zwei Möbelhaus-Restaurants, zwei unterschiedliche Konzepte und Geschmacksrichtungen. Ikea hat eher Schnellimbiss-Charakter, Möbel Mahler tendiert zu traditioneller Gastronomie.

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Das Ikea-Restaurant hat täglich von 8.30 bis 19.30 sowie freitags und samstags bis 20.30 geöffnet.

Das Restaurant Münsterblick bei Möbel Mahler hat Montag bis Mittwoch von 10 bis 20 Uhr, Donnerstag und Freitag 10 bis 21 Uhr und Samstag von 9 bis 20 Uhr geöffnet.

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