Hubert von Goisern überzeugt in der Neu-Ulmer Arena

Zurück im musikalischen Hochgebirge: Hubert von Goisern pendelte am Samstagabend in der Neu-Ulmer Arena zwischen kantigen Alpenrock, Mitsing-Balladen und absoluter Feinschmeckerkost.

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Packt musikalisch wieder deftig zu: Hubert von Goisern. Foto: Oliver Schulz

In der weiten Welt hat sich Hubert von Goisern herumgetrieben, trat mit ägyptischen Popstars auf, machte eine Konzertreise nach Mali und schipperte zuletzt auf seinem eigenem Donau-Konzert-Dampfer bis zum Schwarzen Meer, wo er überall angelegt und fürs Uferpublikum seine zigeunernde Weltmusik gespielt hat. Jetzt ist der steirische Bub zurück in seiner Bergwelt und alle freuen sich auf ihn - so auch in der Neu-Ulmer Arena.

Obwohl er diesmal keine Spezialitäten aus dem weltmusikalischen Feinkostregal mitgebracht hat, sondern nur drei oberösterreichische Burschen, die es ordentlich krachen lassen: einen Trommler, einen Bassmann, einen Gitarrist, dazu Goisern als multimusikalische Schaltstelle zwischen Kuhglocke und Klarinette.

Kleine Band, große Halle - kann das klappen? Es klappt, gerade deswegen. Der kantig geschnitzte Alpenrock dringt verlustfrei bis in die hinteren Reihen der Arena, Schlagzeuger Alex Pohn und Bassist Helmut Schartlmüller erzeugen zum Einstieg mit ihrem verschleppten Groove eine erhabene Wucht, wie wenn sich der Nebel am Dachsteinmassiv lichtet.

"Entweder und oder" heißt die Tournee zum Tonträger, soll heißen: Es gibt Wortspiele und verquere Verse vom freigeistigen Crossover-Musiker in bewährter Weise. Im kompromisslosen steirischen Slang singt von Goisern über Trennungsschmerzen und über die Suche nach Veränderung, liefert mit "Brenna tuats gut" seinen Kommentar zur Weltfinanzkrise: gemeint ist das Geld, das nicht auf der Wiese wächst und sich nicht essen lässt, aber im Ofen verheizen.

Ein singender Gutmensch? Ja, aber Hubert von Goisern darf das, die Kapitalismus-Kritik nimmt man einem ab, der einst auf dem Höhepunkt der Hitparade das Hirtenmädel in die Wüste geschickt und sich eine mehrjährige Konzertpause verordnet hatte, wodurch die musikalische Selbstfindung wieder Vorfahrt bekam.

Dass Goisern 20 Jahre nach "Hiatamadel" nun die Multihalle füllt mit Liedern, hinter denen er selber steht, ist eine fast märchenhafte Verbindung von Kommerz und Qualität. Der Mitsing-Hit "Weit weit weg" von damals gehört übrigens immer noch dazu, und das ist muss so sein, denn ein Goisern-Konzert ohne Balladen ist wie Österreich ohne Berge. Das Besondere ist, dass er noch viel mehr drauf hat.

Auch wenn das Konzert insofern seine Tücken hat, als dass die Verständlichkeit der gesungenen Texte gegen null geht: Irgendwo im Bermudadreieck zwischen Akustik der Beton-Arena, der Qualität der Tonanlage und der Kunst der Mannschaft an den Reglern, mit den Gegebenheiten klarzukommen, verschwinden an diesem Abend viele Liedzeilen des Alpenbarden im Tal des Unerhörten. Und das liegt nicht nur am Dialekt.

Aber der Rest kann sich hören lassen. Goisern ist nicht nur ein Querkopf, sondern ein famoser MultiInstrumentalist, der wie kein anderer über alle Stilgrenzen hinweg galoppiert, Klangmuster gegen den Strich bürstet und wahrscheinlich aus einem Bündel Schnürsenkel ein rappendes Streichorchester machen kann, wenn er es wollte. Keine Scheu vor Kuhglocken und Maultrommel, nebenbei erzählt er über seine Hassliebe zur uncoolen Klarinette, um sie dann hingebungsvoll in warmer, tiefer Tonlage wie ein Saxophon aufzubereiten.

Und sensationell wie immer: das Goisern-Akkordeon. Es hat längst Kultfaktor, weil er einer der ersten war, die dem Instrument seine volkstümliche Bräsigkeit austrieben. Er demonstriert, was man damit in der Welt des Alpenrock alles anstellen kann, setzt Laute wie Peitschenhiebe, überholt die E-Gitarre auf der linken Spur und liefert sich dabei ein furioses Duell mit Saitenkünstler Severin Trogbacher.

Absolute Feinschmeckerkost ist seine Version von Janis Joplins "Mercedes Benz", die komplex arrangiert alle Stilmittel zwischen Rock und Reggae zusammenwirft und jedem der vier Akteure den Platz bietet, sein ganzes Können auszubreiten. Oder um die Ansage zu zitieren: Das ist das große Vaterunser, nicht die A-Klasse. Nach Donau-Folk ist Hubert von Goisern nun also wieder zurück im musikalischen Hochgebirge. Willkommen daheim.

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