Horror Alzheimer

Die Schreckensvision unserer Zeit lautet: Alzheimer, nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein. Anlässlich des Ulmer Alzheimtages war jetzt der Film "Eines Tages. . ." mit anschließender Diskussion zu sehen.

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Diese Frau hatte es nicht leicht. Sabine Mayer-Dölle, bis vor kurzem Kulturbürgermeisterin der Stadt Ulm, pflegte 15 Jahre lang ihre an Alzheimer erkrankte Mutter. Sie weiß, was die Krankheit alles mit sich bringt: das anfängliche Entsetzen, das Nichtwahrhabenwollen, Arztbesuche, schwindende Hoffnung, die Alternative Pflegeheim oder Demenz-Wohngemeinschaft, Verkauf von Hab und Gut, um die Pflege finanzieren zu können.

Um das Leid zu teilen, wurde der Verein "Trotzdem" gegründet, dessen Vorsitzende Mayer-Dölle seit 2005 ist - daran werde sich nach ihrer Aussage nichts ändern. "Jetzt habe ich endlich mehr Zeit, um mich darum zu kümmern. Wir brauchen mehr Mitglieder und Ehrenamtliche."

Zum Ulmer Alzheimertag lief im Mephisto-Kino jetzt der preisgekrönte Film "Eines Tages . . ." von Iain Dilthey, der um drei Alzheimerkranke geht. Danach konnte man mit Sachkundigen diskutieren: Prof. Christine von Arnim (Uni-Klinik), Dr. Albert Lukas (Geriatrisches Zentrum), Alexandra Werkmann (Projekt Demenz Ulm), Ute Bezner-Unsöld (Paritätische Sozialdienste) und Sabine Mayer-Dölle ("Trotzdem").

Am meisten beschäftigte die Besucher die Frage, wo die Grenze zwischen Altersvergesslichkeit und Demenz liege. Vergesslichkeit kann laut von Arnim auch andere Ursachen haben, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion. Erst viele Untersuchungen über einen längeren Zeitraum ermöglichen die Diagnose. Sie appellierte, so früh wie möglich zum Arzt zu gehen, damit der Krankheitsverlauf verlangsamt wird. Gestoppt werden kann er nicht. Über Vorbeugemaßnahmen sprach Lukas. Geistig rege bleiben, etwa. "Ein Kreuzworträtsel am Tag reicht allerdings nicht aus." Wichtiger seien Gespräche, Spiele und Sport.

Der Film zeigte auch, dass Angehörige zuweilen nicht loslassen können. Nicht so Sabine Mayer-Dölle. Ihre Mutter lebte in Freiburg in einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke, nachdem sie nicht mehr alleine zu Recht gekommen war. Auch für Mayer-Dölle war das Loslassen schwierig: tägliche Telefonate, häufige Besuche, engster Kontakt mit dem ambulanten Pflegedienst. Mayer-Dölle: "In ein Pflegeheim hätte meine Mutter nicht gepasst. In der Demenz-WG fühlte sie sich wohl." Eine Stadt brauche unterschiedliche Angebote, meinte sie.

Für die Pflegekräfte ist Sabine Mayer-Dölle voll des Lobes. "Aber manchmal bleibt die emotionale Ebene auf der Strecke. Da springen unsere Ehrenamtlichen ein. Sie nehmen sich Zeit für die Demenzkranken."

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