Was alles für Bienen in Ulm getan wird

Bienen und ihre Wildformen sind wichtige Bestäuber. Ein paar Beispiele, was alles für sie getan wird in der Stadt: auf dem Münsterplatz, dem Höhenweg, beim Bäcker.

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    Biene im Anflug. Foto: 
  • Martin Denoix, Vorsitzender des Bezirks-Imkervereins Ulm/Donau, hat  das Wildbienenhotel im BUND-Hermannsgarten in Söflingen „eröffnet“. 2/3
    Martin Denoix, Vorsitzender des Bezirks-Imkervereins Ulm/Donau, hat das Wildbienenhotel im BUND-Hermannsgarten in Söflingen „eröffnet“. Foto: 
  • Zur Winterfütterung wird eine Tränke mit Zuckerlösung in den Stock gestellt. 3/3
    Zur Winterfütterung wird eine Tränke mit Zuckerlösung in den Stock gestellt. Foto: 
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Bienen finden in der Stadt stellenweise mehr Blüten und damit Nektar als in artenarmen Wiesen des Umlandes. Andererseits stellen Imker ihre Bienenstöcke neben Rapsfelder und pachten dazu Ackerrandstreifen. Allein auf Ulmer Gemarkung gibt es einige Rettungsversuche für die bedrohten Honig- und Wildbienen.

Stadthausbienen Auf der Terrasse des Stadthauses am Münsterplatz standen diesen Sommer wieder zwei Bienenstöcke zwischen den bepflanzten Trögen. Die Völker konnten vor Ort Nektar sammeln an Kissenprimeln, Schnittlauchblüten, Wiesenschafgarbe, Lavendel und Kornblumen, zählt Sabine Schwarz nur einige auf. Sie ist zuständig für die Organisation im Stadthaus und weiß deshalb auch, dass ihr Techniker-Kollege und Hobbyimker Franz Nägele bei den Stadthausbienen 34 Kilo Honig geerntet hat. Die 68 Pfund-Gläser waren im Nu verkauft. Auf dem Etikett steht „Stadthaus-Blütenhonig“. Und da die Blütengewächse auf der Terrasse beim Nektarsammeln nebenher bestäubt wurden, haben Helfer später die reifen Samen geerntet und in Tütchen verpackt. Die werden nun verkauft für private Bienenweiden. Inzwischen sind die Völker bereits in ihr Winterquartier nach Dellmensingen gebracht worden.

Winterbienen Wie bereitet ein Imker seine Völker überhaupt auf die kalte Jahreszeit vor?  Das hat Martin Denoix kürzlich im Hermannsgarten des BUND den Gästen des Apfelfestes erzählt: Wenn er Ende August sieht, dass die Bienen nicht mehr genug Honig in ihren Waben haben, etwa, weil ein Jungvolk noch nicht so viel Nektar sammeln konnte, dann füttert Denoix einmalig eine Zuckerlösung zu. Bis Ende September sollen die Bienen „eingefüttert“ sein, denn danach bildet jedes Volk um seine Königin eine Winterkugel, um sich bis zum Frühjahr zu wärmen. Im Sommer rechnet der Imker mit 50.000 Bienen pro Volk. Über den Winter sind es meist nur 10.000, weil viele vorher sterben. Denoix: „Der Flugmotor einer Honigbiene ist nach 200 Kilometern verbraucht.“

Wildbienen Insgesamt elf Wildbienenhotels hat die Stadt Ulm von ihren Baubetriebshofmitarbeitern im Grundriss zimmern und an verschiedenen Orten aufstellen lassen: etwa am Ulmer Höhenweg, der vom Eselsberg über Michels- und Safranberg bis Böfingen führt, an der Einsinger Grundschule und oberhalb von Ermingen Richtung Turritellenplatte. Auf dem Gelände der Einsinger Firma Zwick haben die Mitarbeiter in einer „Lernwoche“ selbst Nisthilfen für die Wildbienen gebaut. Solche Hotels sollten wettergeschützt gen Süden stehen. „Stellenweise haben wir die Wildbienenhäuser schon mit gebohrten Hölzern gefüllt“, sagt BUND-Projektleiterin Almut Sattelberger. Demnächst wird noch reifes Schilfröhricht gesammelt, geschnitten, und gebündelt in die  Fächer gestopft. Denn auch in diese kleinen Röhren legen die Wildbienen ein Ei mit einem artspezifischen Blütenpollen, deckeln die Kammer mit Lehm ab, legen wieder ein Ei . . . und so weiter, bis die Röhre voll ist.  „Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Larven darin überwintern und im Frühjahr alle gleichzeitig schlüpfen“, erklärt Almut Sattelberger. Es gibt über 400 verschiedene Wildbienenarten und die sind eben wegen des Aufzuchtpollens auf unterschiedliche Blüten angewiesen. Fazit: Vor allem in der Nähe von artenreichen Wiesen sind die Bienenhotels komplett ausgebucht.

Pachtbienen Sogar das Liegenschaftsamt der Stadt Ulm ist auf dem Bienentrip: Für ein gutes Dutzend Bienenstöcke haben Imker Gehölzstreifen am Rande landwirtschaftlicher Flächen gepachtet – für eine minimale Gebühr. Und weitere 20 Bienenvölker schwirren von so genannten kleingärtnerischen Flurstücken aus, sagt Mitarbeiterin Johanna Rösch. Meist sage die Stadt zu, wenn Imker anfragen, es dürften bloß keine Spielplätze in der Nähe sein. Am besten geeignet seien natürlich die neuen Blühstreifen der Stadt.

Bäckerbienen Aus rein privater Initiative hat Bäckermeister Marcus Staib vom gleichnamigen Familienunternehmen im Ulmer Norden drei Bienenstöcke mit insgesamt rund 180.000 Insekten neben die Bäckereizentrale gestellt, „um unseren Beitrag dafür zu leisten, dass es wieder mehr Bienen gibt“, sagt Staib. Denn auch die Bäcker seien auf die Arbeit der Bestäuber angewiesen. „Sonst würde es keine so leckeren Produkte aus unserer Backstube mehr geben.“ Beispielsweise Apfelkuchen oder gar Bienenstich mit eigenem Honig oder Brot aus einem speziellen Honigsauerteig. Staib hat aber nur einmal Honig geschleudert (56 Kilo), „weil wir den übrigen Honig den dann noch etwa 10.000 Bienen an Ort und Stelle zum Überwintern lassen“, erklärt der Bäckermeister.

Lehrbienenstand Am kommenden Samstag, 14. Oktober,  beginnt um 10 Uhr ein Kurs für alle, die sich für die Bienenhaltung interessieren. Er begleitet an voraussichtlich zehn Samstagvormittagen das Bienenjahr und findet am Lehrbienenstand der Ulmer Imker im Kleingartengebiet Lehrer-Tal/Eselsberg statt. Beschildert ist der Zugang am ersten Kurstag ab dem Parkplatz bei der Turnhalle der Multscherschule. Nähere Informationen findet man unter www.imker-ulm.de

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