Hohes Niveau: Glücklich verzweifelte Juroren

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  • Sechs Preisträger in fünf Sparten: (von links oben im Uhrzeigersinn) Ulrike Markus (Bildende Kunst), Christoph Bücheler (Film), Luca Pfeifer (Klassische Musik), Luca Göpper (Pop), Iris Keller (Darstellende Kunst) und Morizz Fizzl (Pop).  1/7
    Sechs Preisträger in fünf Sparten: (von links oben im Uhrzeigersinn) Ulrike Markus (Bildende Kunst), Christoph Bücheler (Film), Luca Pfeifer (Klassische Musik), Luca Göpper (Pop), Iris Keller (Darstellende Kunst) und Morizz Fizzl (Pop). Foto: 
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Der Saal im Stadthaus voll besetzt, die Präsentationen und Live-Performances hochkarätig, allein die Juroren sind glücklich verzweifelt ob der Schwere der Entscheidungsfindungen für den Förderpreis Junge Ulmer Kunst 2017. Selten zuvor, das hörte man mehrfach, sei das Niveau der jungen Künstler so hoch gewesen wie bei dieser 15. Auflage.

Ulms Kulturbürgermeisterin Iris Mann versteht den Preis als Motivationsschub und Wertschätzung für die jungen Künstler. Sie betonte aber auch, dass der Preis „überregional hohe Anerkennung findet“ und zwar wegen des hohen Qualitätsanspruchs, der über die Jahre hinweg angesetzt werde. Nur in der Sparte Literatur wird es in diesem Jahr keinen Preis geben. Es wurde nicht das Niveau erreicht. Nun werde das Preisgeld in eine Schreibwerkstatt fließen.

Junges Gesicht

Der Förderpreis, für den sich in diesem Jahr 55 Künstler in sechs Kategorien beworben hatten, zeigte bei der Preisverleihung im Stadthaus ein junges Gesicht. Die Geförderten wurden nicht nur auf der Bühne präsentiert, zudem wurden sie mit kurzen Porträtfilmen vorgestellt. So wurde das zweistündige Programm, das von Marc Huttenlocher mit Hut und Witz moderiert und mit einer lockeren Aftershow-Party beendet wurde, zu einer richtig runden Sache. Wobei der Abend eigentlich bereits zwei Stunden zuvor im Museum Ulm mit der Eröffnung der Ausstellung „Neoplasmic Island“ der Künstlerin Ulrike Markus begonnen hatte (siehe Artikel links).

In der Kategorie „Klassische Musik“ zeigte dann Luca Pfeifer, der seit 14 Jahren Klavier und Violine spielt, live sein Können am Stadthaus-Flügel. Mindestens fünf Stunden übt er täglich, auch weil in den kommenden Wochen Aufnahmeprüfungen an diversen Musikhochschulen anstehen und er es liebt, „welche Klangmasse man mit direkt mit seinen Fingern beeinflussen kann“.

Obgleich, wie Klassik-Juror Wolfgang Seeliger aus Darmstadt betonte, alle sieben Kandidaten „vielversprechende Talente mit einem deutlichen Willen zur eigenständigen Gestaltung“ seien, habe sich die Jury einstimmig für Luca Pfeifer entschieden, der aber noch „ein musikalischer Suchender“ sei. Mit Bravour-Stücken von Strawinsky und Chopin zeigte er, zu was er auch aus dem Stand und im gewöhnlichen Rahmen in der Lage ist.

Diesen Rahmen nutzte auch Iris Keller, die im Bereich „Darstellende Kunst“ mit ihrer Idee des Figurentheaters die Jury begeistern konnte. „Iris Keller hat eine unendliche Fantasie und brennt für die Kunst“, betonte Laudator Holger Schultze, Intendant des Theaters und Orchesters Heidelberg, und beschrieb wie sehr sich gerade freie Theaterschaffende immer wieder der Unsicherheit aussetzten. Dazu muss man wohl schon ein ganz schöner Esel sein, dachte sich die Darstellerin und setzte sich am Ende ihrer sehr beeindruckenden Performance „Esel“ die passende Maske auf.

Bei Christoph Bücheler hieß es dann Film ab, denn dieser hat in seinem Projekt „Home“ mit interaktivem Storytelling und schlichten Schwarzweiß-Streifen den Weg von zwei nigerianischen Flüchtlingen nachgezeichnet. Die  Deutsche-Filmpreis-Trägerin Sibylle Tiedemann sagte über Büchelers Film: „Er ist berührend, aber niemals überfrachtet, reduziert, aber stimmig. Form und Inhalt bestimmen sich gegenseitig.“ Bücheler selbst dankte vor allem den beiden Gefilmten: „Ihr seid die mutigsten Männer, die ich kenne.“

Geradezu sprachlos war die Jury für Populäre Musik, denn „das Niveau war unfassbar gut und das Vorspiel der vorausgewählten fünf Bewerber im Roxy hätte schon ein großartiger Konzertabend sein können“, betonte  „Voice of Germany“-Gitarrist Patrick Wieland.

„Wir konnten uns nicht entscheiden.“ So gab es am Ende erstmals zwei Pop-Sieger. Rapper Morizz Fizzl, der im Stadthaus nicht von seiner Band, sondern DJ Sill begleitet wurde und als Zukunftsziel mit frechem Augenzwinkern „Zehntausender-Hallen, 30 Shows alle zwei Jahre“ angab, begeisterte mit flockigem deutschen HipHop und einem Titel wie „Ich will alles.“

Einfach nur „Wow“

Der 19-jährige Singer/Songwiter Luca Göpper, der mit seiner Band bereits den Förderpreise „Play Live“ gewinnen konnte und in diesem Jahr auf dem Southside Festival spielte, will vor allem Songs schreiben, die „ehrlich, handgemacht und hoffentlich überzeugend“ sind. Juror Wieland dachte beim ersten Hören einfach nur „Wow“ und bekam Dauer-Gänsehaut, da Göpper bereits extrem weit und stilsicher sei, wie er in der Folge allein an der Gitarre, mit charismatischem Auftreten und großer Stimme bewies.

Wielands Prognose für Göpper sollte auf jeden Fall für alle Preisträger und Preisträgerinnen des Förderpreises 2017 gelten: „Von diesem jungen Mann werden wir noch sehr viel hören.“

Förderpreis Breits zum 15. Mal hat die Stadt Ulm ihre Förderpreise Ulmer Kunst  in den Sparten Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Klassische Musik, Populäre Musik und Film vergeben. Mitmachen kann, wer nicht älter als 30 Jahre ist, in Ulm geboren wurde oder dessen künstlerisches Betätigungsfeld überwiegend in Ulm liegt. Dieses Jahr hatten sich 55 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet – so viele wie noch nie zuvor.

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