Schutz vor Gewalt - Hoffnung auf ein neues Frauenhaus

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Bei häuslicher Gewalt ist Schutz das oberste Gebot. Schlägt ein Mann seine Frau oder seine Kinder, geht es in erster Linie um Sicherheit. Die finden die Betroffenen zum Beispiel in einem Frauenhaus. Die Ulmer Einrichtung, getragen vom Verein Frauen helfen Frauen, kann jedoch den Schutz im vollen Umfang nicht mehr bieten, den die Bewohnerinnen brauchen. Zu lange hat es schon die selbe Adresse, die sich nach und nach herumgesprochen hat. Der Trägerverein ist deshalb seit fast zwei Jahren auf der Suche nach einem neuen Haus. Nun ist Geschäftsführerin Angelika Glaschick vorsichtig optimistisch, dass sich etwas auftut.

Raum Noch ist das neue Quartier nicht in trockenen Tüchern, die Chancen stehen aber nicht schlecht, meint Glaschick. Viele Details zu dem Haus kann sie ohnehin nicht preisgeben, das verlangt schon der Sicherheitsaspekt. Für die Mitarbeiterinnen und den Vereinsvorstand war aber klar, dass das Haus ein paar Voraussetzungen erfüllen sollte: genügend Platz und Privatsphäre für die Bewohnerinnen und ihre Kinder, Freiraum zum Spielen, verkehrsgünstige Lage zum Beispiel. Im jetzigen Frauenhaus hat jede Bewohnerin mit ihren Kindern zwar ein eigenes Zimmer, die Küche und das Bad teilen sich die Familien aber.

Platz Die räumliche Enge ist eine Herausforderung für die Frauen. Sie befinden sich in einer Ausnahmesituation, „die geschundene Seele braucht Abstand und Freiraum“, formuliert es Gisela Tamm vom Vereinsvorstand im Jahresbericht. Die Frauen müssen sich mit fremden Mitbewohnerinnen arrangieren, „unterschiedliche Gewohnheiten, Bedürfnisse und Kulturen prallen aufeinander“.

Aufenthalt 26 Frauen und ebenso viele Kinder lebten im vergangenen Jahr im Ulmer Frauenhaus. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 97 Tagen. Sie ist auch deswegen oft lang, weil die Frauen, die nicht zu ihrem gewalttätigen Mann zurückkehren wollen, sich schwertun, eine günstige Mietwohnung zu finden. Mit insgesamt 5400 Übernachtungen lag die Auslastung des Frauenhauses bei 115 Prozent. Wegen Platzmangels mussten 18 Frauen abgewiesen werden, berichtet Glaschick. Sie  kamen in anderen Häusern unter, oder es wurde eine andere Lösung gefunden.

Kinder Fast alle Kinder im Frauenhaus waren jünger als zwölf Jahre (92 Prozent), mehr als die Hälfte sogar jünger als 5. Für die Jungen und Mädchen ist die Situation besonders schwierig, berichten die Mitarbeiterinnen. Daheim haben die Kinder erlebt, dass ihr Vater ihre Mutter schlägt, haben selbst Ängste ausgestanden. Durch die Flucht ins Frauenhaus verlieren sie oft nicht nur ihr gewohntes Umfeld und ihre Freunde. Aus Sicherheitsgründen kann es auch vorkommen, dass die Kinder die Schule wechseln müssen.

Workshops an Schulen

„Ziel unserer Arbeit ist, den Kindern  gewalt- und angstfreie innere und äußere Orte zu ermöglichen“, sagt Glaschick. Die Kinder sollen zur Ruhe kommen und Sicherheit spüren. „Das ist Voraussetzung zur Bewältigung der häufig traumatisierenden Gewalterfahrungen.“

Zur Prävention bietet der Verein Frauen helfen Frauen auch Workshops in Schulen an. Viele Kinder und Jugendliche seien mit dem Thema häusliche Gewalt vertraut, sei es aus eigener Erfahrung, durch ihr Umfeld oder Medien. Viele trauten sich aber nicht, mit anderen darüber zu sprechen. Mit den Workshops soll ihnen Mut gemacht und Hilfsangebote aufgezeigt werden.

Frauenberatungsstelle 140 Frauen wandten sich im vergangenen Jahr an die Beratungsstelle des Vereins Frauen helfen Frauen. Die meisten kamen wegen häuslicher (66 Prozent) oder sexueller Gewalt (24 Prozent). Die Frauen suchten Unterstützung in akuten Krisen, hatten Fragen zur rechtlichen Lage, wollten Begleitung bei der Anzeigenerstattung oder im Strafverfahren oder suchten Informationen zu weiteren Hilfsangeboten. Die Frauenberatungsstelle ist auch die Anlaufstelle für das Frauenhaus.

Kontakt Die Frauenberatungsstelle hat ihre Räume in der Olgastraße 143 (am Willy-Brandt-Platz), Tel. (0731)61 99 06, Email info@fhf-ulm.de

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