Hochwasserschutz zahlt sich aus: Ulm/Neu-Ulm gerade noch verschont

Die Städte Ulm und Neu-Ulm sind gerade noch mal davongekommen. Das Hochwasser am Sonntag hat weniger Schäden angerichtet als in den Jahren 1999 und 2005 - auch dank der neuen Schutzeinrichtungen.

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  • Das Freizeitbad Ulm/Neu-Ulm im Hochwasser 2013 (oben) und im Hochwasser 1999: Auch wenn die Perspektiven der Luftaufnahmen verschieden sind, dokumentieren die Bilder doch, dass das Ausmaß der Überschwemmungen vor 14 Jahren weitaus größer war und dass das Bad (es hieß damals "Atlantis", heute "Wonnemar") und die Eislaufanlage kaum gegen Hochwasser geschützt waren. Heute ist die Anlage von einem Ring an Spundwänden umgeben. Fotos: Wienfried Kassera, Matthias Kessler/Archiv 1/3
    Das Freizeitbad Ulm/Neu-Ulm im Hochwasser 2013 (oben) und im Hochwasser 1999: Auch wenn die Perspektiven der Luftaufnahmen verschieden sind, dokumentieren die Bilder doch, dass das Ausmaß der Überschwemmungen vor 14 Jahren weitaus größer war und dass das Bad (es hieß damals "Atlantis", heute "Wonnemar") und die Eislaufanlage kaum gegen Hochwasser geschützt waren. Heute ist die Anlage von einem Ring an Spundwänden umgeben. Fotos: Wienfried Kassera, Matthias Kessler/Archiv
  • 2013: mmmm Foto: Winfried Kassera 2/3
    2013: mmmm Foto: Winfried Kassera
  • Die Ulmer Feuerwehr leistet Amtshilfe. Foto: Ralf Zwiebler 3/3
    Die Ulmer Feuerwehr leistet Amtshilfe. Foto: Ralf Zwiebler
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Der in den Jahren 2005 bis 2008 für zehnMillionen Euro errichtete Hochwasserschutz hat die Stadt Neu-Ulm am Sonntag vor größeren Schäden bewahrt. Am meisten profitiert hat dabei das Freizeitbad Wonnemar. War das alte Atlantis gleich nach der Eröffnung 1999 und auch sechs Jahre später komplett untergegangen, so hielten die danach errichteten Schutzwände die Wasserfluten diesmal ab.

Überflutet wurde der Parkplatz und auch der Thermalwasserbrunnen, dessen teuere Technik beschädigt worden sein dürfte. Dennoch wird das Freizeitbad voraussichtlich am Mittwoch wieder öffnen. Die Einnahmeverluste bezifferte der Centermanager des Bads, Maximilian Haag, mit bis zu 50.000 Euro.

Nach Auskunft von Thomas Nägele und Uli Frommer von der Neu-Ulmer Stadtverwaltung hatte die Donau (Messstelle Bad Held) ihren höchsten Stand in der Nacht zum Montag gegen 2 Uhr morgens mit 5,05 Meter erreicht. Das war somit gut 70 Zentimeter unterhalb des Jahrhunderthochwassers von 1999.

Schon am Samstagvormittag war die Donau im Bereich der Kleingartenanlage Koppenwörth über die Ufer getreten. Parzellen standen unter Wasser, auch die Goldochsenwiese, die als Stellplatz für Wohnmobile im Gespräch ist. Dazu stieg das Grundwasser kontinuierlich an. Teile der Kleingartenanlage Jakobsruhe und des benachbarten Biergartens liefen voll. Gegen 23 Uhr schwappte auch das Donauwasser über die Wiblinger Straße, so dass diese gesperrt werden musste.

Glimpflich davongekommen sind die Bewohner des Villenviertels am Illerkanal. Dort liefen zwar einige Keller und eine neuere Tiefgarage voll, die Neu-Ulmer Feuerwehr wurde von den Bewohnern allerdings nicht in Alarm versetzt. Viele halfen sich selbst mit Pumpen, die auch am Montagvormittag noch im Einsatz waren. Insgesamt rückte die Neu-Ulmer Wehr nur sechsmal aus, um drei Wohnhäuser auszupumpen - unter anderem das Anwesen des Grünen-Stadtrats Rainer Juchheim. Außerdem galt es einen brennenden Stromverteilerkasten zu löschen, wie gestern der stellvertretende Neu-Ulmer Kommandant Andreas Hoffzimmer bilanzierte.

"Wir haben aus den Hochwasserereignissen 1999 und 2005 gelernt und die richtigen Schlüsse gezogen", waren sich gestern Nägele und Frommer einig. Den Sonntagnachmittag über hatten die 20 Mitarbeiter des Baubetriebshofs nach und nach die Schutzmauer an der Donau zwischen der Sandstraße und dem Freibad mit mobilen Elementen geschlossen. Problematisch, so Nägele, waren die vielen Hochwasser-Touristen, die die Arbeit erschwert hätten. Vom Wonnemar-Parkplatz mussten 14 Autos abgeschleppt werden. Die Kosten müssen die Fahrzeug-Halter tragen.

Verwunderung über die Schaulustigen gab es auch auf Ulmer Seite. Einsatzleiter Reiner Schlumberger von der Ulmer Feuerwehr kann darüber nur den Kopf schütteln. Er war mit seinen Helfern von Samstagfrüh an fast im Dauereinsatz, wobei Ulm erfahrungsgemäß weniger betroffen ist von den Hochwassern als Neu-Ulm. Dennoch galt es, an der Altstadt die Durchgänge der Stadtmauer zu verschließen, beim Metzgerturm stand das Wasser immerhin 40 Zentimeter hoch an den Schutzwänden. Weil das Hochwasser aber nicht die Pegel früherer Ereignisse erreichte, konnte sogar noch die Blau abfließen - das Fischerviertel blieb verschont.

Etwas kritischer stellte sich die Lage in Wiblingen an der Iller dar, wo der Höchststand korrigiert bei 7,34 Meter lag. "Es gab etwas Druckwasser in den Kellern, aber keine Überflutungen oder Überschwemmungen", gab Schlumberger am Montag Entwarnung. Unsicherheit herrschte nur wegen der genauen Höhenangaben, die der bayerische Hochwasserdienst am Montag nach oben korrigierte. Ursprünglich war die Ulmer Feuerwehr von einem Höchststand an der Iller von 7,05 Meter ausgegangen. "Ich weiß auch nicht, wie sich das erklärt", sagte der Einsatzleiter gestern.

Insgesamt war die Feuerwehr über das Wochenende 25-mal zu Einsätzen gerufen worden, um Keller leerzupumpen oder Sandsäcke auszulegen. In einem Fall hat der ganze Einsatz nicht geholfen - beim vollgelaufenen Fischerheim am Sandhaken. Das Areal von Gewässerschutz und THW blieb wegen der Schutzmaßnahmen trocken.

Auch die Stadtwerke (SWU) melden kaum nennenswerte Schäden. Die Trinkwasserbrunnen in der Roten Wand wurden überschwemmt, und sind bis Ende der Woche auf die Landeswasserversorgung Langenau umgeschaltet. In den Wasser-Kraftwerken Wiblingen und Böfinger Halde wurden die meisten Turbinen wegen des zu hohen Wasserstands zeitweise abgeschaltet.


 

 

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