Hochschule und SWU wollen in Einsingen Erkenntnisse gewinnen

Wie müssen die Stromleitungen der Zukunft ausschauen? Kabel, die elektrische Energie nicht nur zu den Verbrauchern führen, die auch Solarstrom intelligent aufnehmen? Einsingen soll Erkenntnisse liefern.

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Die Stadtwerke-Tochter SWU Netze und Prof. Gerd Heilscher von der Hochschule Ulm haben in Einsingen ein Testgebiet abgesteckt. In einem „Karree“, das mehrere südwestliche Straßen des Ortsteils umfasst, wollen sie herausfinden, wie die Stromnetze der Zukunft beschaffen sein müssen. Stromnetze, die die elektrische Energie nicht nur – wie bisher – zuverlässig zu den Nutzern transportieren. Sondern Stromnetze, die auch in der Lage sind, zeitweise und dann mit ganz unterschiedlicher Intensität eingespeisten Strom aus Solaranlagen aufzunehmen und weiter zu leiten, ohne zu überlasten.

Im Testgebiet stehen 133 Häuser, berichteten Heilscher und Wolfgang Rabe, Chef der SWU-Tochterfirma Netze. Auf 18 Hausdächern sind Solaranlagen installiert. Der Strom, den diese Anlagen produzieren, deckt – übers Jahr hinweg gerechnet – knapp ein Drittel der elektrischen Energie, die im Testgebiet verbraucht wird. Der Solarstrom fließt keinesfalls regelmäßig. An einigen Sommer-Nachmittagen liefern allein die 18 Dachanlagen mehr als das Doppelte, was im gesamten Testgebiet genutzt werden kann. Nachts wiederum kommt nichts von dort. Und an trüben Wintertagen nur ganz wenig.

„Bisher konnten wir nur an Hand von Durchschnittswerten berechnen, was sich im Netz tut“, berichtet Heilscher. Um aber herauszufinden, welchen technischen Ansprüchen die Stromleitungen der Zukunft gerecht werden müssen, damit sie diese Aufgaben sicher und wirtschaftlich vertretbar erfüllen, gelte es als nächstes, diese Berechnungen auf Grundlage des realen Geschehens zu überprüfen. Im Wesentlichen geht es darum, die Zu- und Abflüsse im Leitungssystem auf die zeitliche Schiene zu setzen. Eine möglichst minutengenaue Schiene.

Dazu versuchen die Tester gerade, die 18 Solaranlagen-Eigner zu einem Austausch ihrer Zähler zu animieren. Kostenfrei, so berichtet Florian Meier von der SWU-Netze, bieten sie ihnen neue Lastgang-Zähler an. Die halten die Tagesleistung der Einspeisewerte im Viertelstunden-Rhythmus fest und übertragen diese jede Nacht einmal per Funk oder Internet-Verbindung an die SWU zur Auswertung.

Für den zweiten Teil ihres Versuchs wollen die Tester die Anwohner eines ganzen Straßenzugs im „Karree“ gewinnen. In deren Häuser – gleich ob die Solardächer tragen oder nicht – sollen die Stromzähler durch sogenannte intelligente Smart Meter ersetzt werden. Die arbeiten vergleichbar zu denen, die den Solarstromfluss erfassen. Nur halten sie die Verbrauchswerte der Haushalte ebenfalls im Viertelstunden-Rhythmus fest, die einmal pro Nacht zur SWU übertragen werden.

„Für uns ist das, was sich im Stromnetz ganz konkret abspielt, heute noch nicht zu durchschauen“, hält Rabe fest. Durch die von Frühjahr an angepeilte einjährige Untersuchung erhoffe man sich Erkenntnisse, die letztlich zu einem intelligenteren und den Anforderungen der Energiewende gerecht werdenden Netz führen. Ziel der SWU sei, ihr gesamtes insgesamt 3131 Kilometer langes Stromverteilnetz entsprechend umzurüsten und fit zu machen.

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