Hoch zu Ross: Dirk Linke ist Old Firehand in Burgrieden

Nach einem Tag beim Wildwest-Spektakel tun dem Schauspieler alle Knochen weh – missen möchte er die Erfahrung nicht.

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Schauspieler Dirk Linke (vorne) auf seinem Pferd in der Rolle als Old Firehand.  Foto: 

„Wenn ich heimkomme, will ich manchmal nur noch in die Wanne liegen, damit sich die Spannungen lösen“. Der 46-jährige Wahl-Ulmer Dirk Linke ist zwar alles andere als unsportlich, aber nach einem Elf-Stunden-Tag bei den Festspielen Burgrieden merkt auch er jeden Knochen am Leib. Trotzdem ist sein Engagement als Westmann Old Firehand in „Winnetou II – Ribanna“ für ihn ein unvergleichliches Erlebnis, das er in seiner bewegten Vita nicht missen möchte.

Geboren in Leipzig, zog er mit den Eltern einst vorübergehend nach Moskau, aus DDR-Sicht das sozialistische Ausland. Wäre es, wie ursprünglich vorgesehen, Bagdad geworden, „hätten meine Eltern in dieser Zeit sämtliche Kontakte in der Heimat abbrechen müssen“.  Eine Vorliebe für die osteuropäische Lebensart ist Dirk Linke davon bis heute geblieben.

Nach der Schulzeit folgte eine Ausbildung zum Elektromechaniker, später dann eine zweite im gastronomischen Bereich, die er 2014 mit einem IBA Master in „Bartending, Wine & Spirits“ abschloss. Bis heute ist das Kreieren neuer Cocktails und Drinks eine Leidenschaft, der Linke als Barkeeper in einer Ulmer Szene-Bar nachgeht. Dieser Job ist natürlich auch ein wichtiges zusätzliches Standbein, um einer noch größeren Leidenschaft nachzugehen – der Schauspielerei.

Dabei wäre aus dem einstigen Kindheitstraum fast nichts geworden: Wegen seines für Schauspielaspiranten schon fortgeschrittenen Alters hagelte es  deutschlandweit viele Absagen, bis es dann im Jahr 2000 von der Akademie für darstellende Kunst in Ulm hieß: „Komm wie Du bist!“. Seit seinem Abschluss an der AdK folgten allerlei Rollen am Akademietheater sowie an den  Theatern Ulm, Neu-Ulm und Erbach. Jüngere Zuschauer kennen Linke vielleicht als Märchenerzähler in der Märchenjurte auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt oder vom Leseförderprogramm „Kicken und Lesen“, das an der Spitalhofschule stattfindet.

Ein Gastengagement führte ihn ans Deutsche Staatstheater in Temeswar in Rumänien, wo er seine Begeisterung für körperbetontes Theater entdeckte: „Die Deutschen sind da manchmal zu intellektuell veranlagt.“ So mag es kaum verwundern, dass Linke schon bald seiner Freundin im Reitsport nacheiferte und sich auf ein Online-Inserat meldete, in dem  Schauspieler mit Reiterfahrung gesucht wurden – rasch kam er mit Regisseur Mike Dietrich von den Festspielen Burgrieden ins Gespräch.

Zwar ist Dirk Linke kein ausgewiesener Fan von Karl May, aber neben Liselotte Welskopf-Henrichs Indianerbuch-Klassiker „Die Söhne der Großen Bärin“  verschlang er in jungen Jahren einige Bücher des sächsischen Abenteuerschriftstellers und fieberte im TV mit Pierre Brice mit, wobei für ihn als Kind der DDR vielleicht Defa-Chefindianer Gojko Mitic oder Dean Reed die größere Vorbildfunktion hatten.

Schnell zeigte sich, dass bei so einem Wildwest-Spektakel vor allem das Training mit den Pferden im Mittelpunkt steht. Linke intensivierte – auch auf eigene Kosten – seinen Reitunterricht, um auch hoch zu Ross eine möglichst gute Figur zu machen. Trotzdem kam es während der Proben zu einem gefährlichen Sturz. Mit Bühnenkollege Marcus Jakovljevic (Sam Hawkens) „will ich 1000 Kreuze machen, wenn wir die Spielzeit heil überstanden haben“, scherzt Linke nicht ohne einen ernsten Unterton, muss er doch bald die verantwortungsvolle Rolle als Vater ausfüllen.

Aber auch ohne Pferd darf er hier zeigen, was er so alles drauf hat, Kampfeinlagen inklusive. Die noch ziemlich neue „Mitmach-Bühne“ (Linke) ist ohnehin für den handwerklich ausgebildeten Schauspieler der ideale Ort, um auch selber mal mit anzupacken, wenn „man mal etwas rumliegen sieht“. Der Teamgedanke werde hier groß geschrieben und ungleich dem großen Bruder in Bad Segeberg könne man sich schon mal erlauben, etwa auf Facebook Fotos zu posten, die vor allem eines zeigen – dass man bei der Arbeit und hinter den Kulissen viel Spaß hat.

Auch wenn das Stück für Linke in seiner schematisch eher einfachen Konzeption von Gut und Böse nicht unbedingt zum bevorzugten Sujet gehört – in TV-Produktionen wie „Utta Danella“ oder „Berlin & Tag Nacht würde er nie mitspielen wollen – erkennt er darin eine emotionale Tiefe und Familienwerte, mit denen er sein Publikum berühren möchte.

Nach Burgrieden kommt der Bart jedoch erstmal ab, da spielt Linke für die Junge Ulmer Bühne neben Markus Hummel in „Retten, was zu retten ist“ – im Retten ist er dann als Ex-Old-Firehand ja mehr als geübt.

Aufführungen Wer erleben möchte, wie Dirk Linke mit Winnetou (Ivica Zdravkovic) und dem schurkischen Häuptling der Poncas, Parranoh (Marcus Berger), um das Herz  der schönen Ribanna (Alexandra Bentz) kämpft, kann dies noch bis zum 10. September tun: im August immer freitags, 20 Uhr, samstags, 15 Uhr und 19.30 Uhr sowie sonntags, 17 Uhr. Dernière ist am 10. September um 19 Uhr. Mehr Infos und Tickets auf der Homepage unter:
www.festspiele-burgrieden.de

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