Hilfestellung für Eltern statt Urteil

Mehr als jede dritte Ehe wird geschieden. Oft gibt es dann Streit um die Kinder. In Ulm finden Eltern in der"gerichtsnahen Beratung" Lösungswege.

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Vom Gerichtssaal direkt zur Psychologischen Beratungsstelle: Gut 100 Paare haben das in den vergangenen beiden Jahren praktiziert, auf Vorschlag des Ulmer Familiengerichts oder auch auf dessen Anordnung."Gerichtsnahe Beratung" nennt sich dieser Ulmer Weg, auf dem Eltern in Trennung bei der Suche nach einer gütlichen Einigung für Umgang und Sorgerecht ihrer Kinder unterstützt werden. In vertraulichen Gesprächen versuchen Eltern beim Kinderschutzbund Ulm/Neu-Ulm, der Diakonie oder der Caritas Ulm in fünf Sitzungen eine Absprache zu treffen. Gelingt das, wird dies schriftlich fixiert, von allen unterschrieben und wiederum bei Gericht vorgelegt."Die Erfahrung zeigt, dass solche selbstverabredeten Absprachen in der Regel besser eingehalten werden", sagt Andreas Mattenschlager von der der Caritas. Schwachpunkte gibt es allerdings auch: Ist der Konflikt bereits zu sehr eskaliert, ist der Zeitaufwand der Berater immens - und bleibt meist ohne Ergebnis. Deshalb gibt es eine Neuerung:"15 Prozent aller Paare, die sich trennen, landen vorm Familiengericht. Davon sind 2 Prozent derart eskaliert, dass eine gerichtsnahe Beratung kaum Sinn macht", sagt Lothar Steurer vom Kinderschutzbund. Hochstrittige Fälle werden künftig abgelehnt. Auch neu: Die betroffenen Kinder bekommen fünf Termine alleine in einer der Beratungsstellen."Schon ein kleines Kind kann erstaunliche Aussagen treffen", sagt Katharina Sutter von der Beratungsstelle der Diakonie.

Die Eltern sollen nach der Trennung gemeinsam Sorge tragen, heißt das Ziel. Mit im Boot sind Jugendämter, die eine weitere Betreuung unterstützen, aber auch Anwälte und Richter. Hintergrund ist das 2009 geänderte Familienrecht, das Beratung viel früher ins Spiel bringt. Doch auch vor der Reform habe es in Ulm Ähnliches gegeben, sagt Steurer. Der Arbeitskreis"Kinder im Trennungs- und Scheidungskonflikt" ist seit mehr als 20 Jahren aktiv. Er hat vergangene Woche dieÄnderungen in der gerichtsnahen Beratung in Ulm beschlossen.

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