Hier spielt die Musik: Barbara Comes, Frau des Spatzenchor-Leiters, im Interview

Unsere Sommerinterview-Reihe beschäftigt sich mit den (Ehe-)Partnern prominenter Ulmer und Neu-Ulmer. Heute zum Abschluss: Barbara Comes, die Frau von Hans de Gilde, dem Leiter des Ulmer Spatzenchors, ist selbst Stimmbildnerin und Chorleiterin.

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Ein Leben mit viel Musik, vier Kindern und zwei Berufen: Barbara Comes und ihr Mann Hans de Gilde können auch vierhändig Klavier spielen - machen es aber nicht allzu oft, wie sie beim Fototermin am Familienflügel zugeben.  Foto: 

Frau Comes, welche Rolle spielt die Musik in Ihrer Familie?
BARBARA COMES: Die dominante, das lässt sich nicht leugnen. Mein Mann und ich, wir lieben beide unseren Beruf. Und die Beschäftigung mit der Musik hört auch am Tisch nicht auf. Sie ist Teil unseres sehr schönen Alltags.

Und wer gibt bei Ihnen den Ton an?
COMES: Den musikalischen Ton natürlich mein Mann. Die häuslichen Belange stehen unter meiner Regie. Das liegt auch daran, dass er öfter beruflich weg ist. Ich war im August vier Wochen weg – zum allerersten Mal seit 24 Jahren ohne einen Teil meiner Familie – und bin hoch beeindruckt, wie gut das hier alles geklappt hat. Das zeigt, dass mein Mann ganz ungeahnte Fähigkeiten hat.

Hat die Begeisterung für die Musik auch auf Ihre vier Kinder durchgeschlagen?
COMES: Ja, ganz klar. Alle vier singen im Chor und spielen Instrumente – allerdings jeder sein eigenes. Unsere Tochter Franziska überlegt gerade, ob sie Gesang studieren soll, und unser Ältester studiert Kulturmanagement, das hat ja auch damit zu tun.

Machen Sie als Familie auch gemeinsam Musik?
COMES: Häufig sind die Spatzen-Konzerte Familien-Konzerte. Alle sind eingebunden: Ich sitze am Klavier, mein Mann leitet den Chor, die Kinder singen mit oder spielen im Orchester. Auch wenn ich mit meinem Kirchenchor ein Konzert habe, unterstützt mich meine Familie musikalisch. Zu Hause musizieren wir schon, aber nicht im Sinn von bürgerlicher Hausmusik. Es ist zielorientierter: Wir proben gemeinsam für Auftritte.

Sie haben als Chorleiterin Ihre eigenen musikalischen Projekte. Wie wichtig ist Ihnen dabei die Meinung Ihres Mannes?
COMES: Jeder von uns hat seine eigenen Ideen. Aber sobald sie habhaft werden, fangen wir an, darüber zu diskutieren. Wir stehen in einem sehr regen Austausch und haben immer schon zusammengearbeitet. Das ist sehr positiv und bereichernd, weil jeder seinen eigenen musikalischen Hintergrund hat.

Ihr Mann ist oft weg im Ausland. Müssen Sie Ihre eigenen Ambitionen da zurückstecken?
COMES: Ich habe immer gearbeitet, auch als die Kinder klein waren. In unserer Zeit an der Oper von Lyon waren es zwei Nachmittage: An einem hatte Hans frei, am anderen habe ich die Kinder mitgenommen. Sie waren es gewohnt, dass sie dabei still sind. Hinterher ging es zur Belohnung auf den Spielplatz. Das Einzige, was gelitten hat, war der Haushalt. Bei uns war es nicht immer so fein geputzt. Aber das kann ich gut verschmerzen.

Wie sieht die Arbeitsteilung daheim aus?
COMES: Ich koche, weil ich das gerne tue, und kaufe ein. Die Wäsche macht immer schon Hans. Er kümmert sich auch um den Rasen im Garten, macht Holz für den Kamin und führt frühmorgens unsere Schafe und die Ziege auf die Weide – an der Leine quer durch den Gemüsegarten. Das ist nicht ohne.

Gibt es für Sie einen typischen Sonntag?
COMES: Typisch ist, dass es mindestens ein Konzert oder eine Probe gibt. Einen freien Sonntag haben wir eigentlich nie – aber das ist kein Problem, weil es schon immer so ist und es alle gewohnt sind. Wir haben andere zeitliche Freiräume, zum Beispiel können wir beide morgens länger am Frühstück sitzen.

Dass Sie mit „Frau de Gilde“ angesprochen werden, kommt öfter vor. Passiert es auch mal, dass Ihr Mann „Herr Comes“ genannt wird?
COMES: Ja, das passiert in Unterkirchberg, wo ich meinen Chor habe – und das hasst er. Er ist mit Leib und Seele Holländer und hängt an seinem Namen. Ein Doppelname ist für mich nicht in Frage gekommen, dann hätte ich nur noch buchstabieren müssen. Denn das „G“ in de Gilde wird als „Ch“ ausgesprochen. Comes ist schon schwierig genug: Der Name kommt vom lateinischen Wort Begleiter, die Römer haben damit eine Art Schultheiß bezeichnet. Im Kölner Raum ist das als Name geblieben. Außerdem heißt so eine musikalische Figur in der Fuge, was ich sehr schön finde.

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