HEUTE PREMIERE: Brechts Parabel

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Das Parabelstück "Der gute Mensch von Sezuan" schrieb Bertolt Brecht (1898-1956) in den 30er Jahren, uraufgeführt wurde es 1943 am Schauspielhaus Zürich. Heute, 20 Uhr, feiert es im Großen Haus am Theater Ulm Premiere.

Handlung: Drei Götter machen sich in der chinesischen Provinz Sezuan auf, den guten Menschen zu finden und somit den Himmel eines Besseren zu belehren. Nach einigen Pleiten treffen sie auf die Prostituierte Shen Te: Die ist zwar arm, bietet ihnen aber dennoch ein Nachtlager an und scheint damit den schlechten Ruf der Menschheit zu retten. Die Gastfreundschaft des Straßenmädchens belohnen die Götter mit Geld, von dem sich Shen Te einen Tabakladen kauft. Doch ihre Freude währt nur kurz: Skrupellose Schmarotzer ziehen bei ihr ein und drohen, ihre neue Existenz zu ruinieren. Da taucht plötzlich der geheimnisvolle Vetter Shui Ta auf, der mit harter Hand und geschäftsmännischem Geschick für Ordnung sorgt. Doch seit Shui Tas Erscheinen ist Shen Te nicht mehr aufzufinden. Der Verdacht wird laut, Shui Ta habe seine Cousine ermordet. Als er sich vor Gericht verantworten muss, nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung - denn Shui Ta ist niemand anderes als die verkleidete Shen Te.

Parabel: "Der gute Mensch von Sezuan" ist typisch für Brechts "episches Lehrtheater". Nicht an Identifikation und kathartischer Wirkung war ihm gelegen, sondern an Verfremdung, Distanz und um die daraus zu gewinnende Erkenntnis. Das Stück ist nicht wirklich in China angesiedelt, Brecht schreibt, dass dies parabelhaft zu begreifen ist: Sezuan soll stellvertretend für alle Orte stehen, an denen Menschen von Menschen ausgebeutet werden. Denn letztlich geht es um Kritik am Kapitalismus. Brecht zeigt geradezu modellhaft, wie es einem Individuum gar nicht möglich sein kann, sich im kapitalistischen System nur gut und selbstlos zu verhalten. Hinzu kommt - in der Darstellung der weltfremden, fast lächerlichen Götter - Kritik an der Religion.

Verfremdungstechniken: Um beim Zuschauer keine Illusion, sondern kritische Distanz aufkommen zu lassen, setzt Brecht in seinem epischen Theater auf so genannte Verfremdungseffekte. In "Der gute Mensch von Sezuan" sind das Perspektivwechsel, sarkastische Kommentare, Übertreibungen, ein Aus-der-Rolle-Treten von Schauspielern, der deutliche Kontrast zwischen Objektivität und Subjektivität in der Darstellung, zudem Zwischenspiele und Lieder - die Musik stammt von Paul Dessau.

Regie: Antje Schupp hat "Der gute Mensch von Sezuan" inszeniert. Sie hat am Theater Ulm schon bei "Gespräche mit Astronauten" Regie gerührt hat. Bühne und Kostüme sind von Mona Hapke.

Es spielen: Aglaja Stadelmann (Shen Te/Shui Ta), Raphael Westermeier (Yang Sun/Neffe/Schreiner Lin To), Christian Streit (Wang/Schwager/Arbeitsloser/Kellner), Gunther Nickles (Gott 1/Shu Fu/Mann/Bonze), Renate Steinle (Gott 3/Mi Tzü/Frau/Teppichhändlerin), Christel Mayr (Frau Yang/Witwe Shin), Florian Stern (Gott 2) sowie Alfredo Miglionico am Klavier und Benedikt Brachtel an der Gitarre (auch musikalische Leitung).

Dauer: Gut drei Stunden, inklusive einer Pause.

Nachtkritik: Rund eine Stunde nach der Premiere steht eine Kurzkritik im Internet: swp.de

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