HEUTE PREMIERE: "Warten auf Godot"

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"Warten auf Godot" begründete seinen Ruhm: Samuel Beckett. Foto: afp

Das Stück "Warten auf Godot" von Samuel Beckett (1906-1989), das heute, 20 Uhr, am Theater Ulm Premiere feiert, gehört zu den unbestrittenen Bühnenklassikern des 20. Jahrhunderts. Beckett schrieb es 1948/49, die Uraufführung fand 1953 in Paris statt. Wurde es wegen seines Nihilismus zunächst als Skandalwerk tituliert, trat es bald als Paradestück des absurden Theaters seinen Siegeszug an und beförderte des Weltruhm Becketts. In Ulm wurde es zuletzt 1999 gespielt.

Im Mittelpunkt stehen zwei Männer, Wladimir und Estragon, die vergeblich darauf warten, dass ein gewisser Godot erscheint. So tun sie an einem nicht näher definierten Ort, einer Landstraße mit einem Baum, im Prinzip: nichts. Sie plaudern, pendeln dabei zwischen Hoffen und Bangen. Estragon: "Komm, wir gehen." - Wladimir: "Wir können nicht." - Estragon: "Warum nicht?" Wladimir: "Wir warten auf Godot." - Estragon: "Ah." Schließlich tritt ein zweites Figurenpaar auf: Lucky, der Träger, mit seinem Herren Pozzo. Obwohl Pozzo mit Diener und Picknickkorb versorgt ist, geht es ihm nicht besser als den beiden Wartenden. Als sie am nächsten Tag wieder auftauchen, ist Pozzo blind und Lucky stumm. Alles wiederholt sich, nur schlechter als vorher. Godot taucht sowieso nicht auf, und auf Estragons letzte Worte "Gehen wir!" lässt der Autor die Regieanweisung folgen: Sie gehen nicht von der Stelle.

Bis zum Ende bleibt unklar, wer Godot überhaupt ist und warum genau man in einer so "gottverlassenen Gegend" auf ihn wartet. Beckett selbst sagte nur: "Hätte ich gewusst, wer Godot ist, ich hätte es im Stück gesagt." Dass der Name eine Anspielung auf Gott ist, erscheint unwahrscheinlich: Beckett hatte den Text auf Französisch geschrieben ("En attendant Godot"), in dieser Sprache heißt Gott "dieu".

Eine Bühne, ein Baum, zwei landstreicherartige Figuren - "mehr brauchte Beckett nicht, um die Fantasie der ganzen Welt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dauerhaft zu beschäftigen. Wer sind diese beiden Figuren? Wo oder wann befinden sie sich? Und vor allem: Auf wen warten sie?", schreibt das Theater Ulm. "Warten auf Godot" sei zum "Inbegriff der metaphysischen Unbehaustheit des Menschen in der (Post-)Moderne geworden". Der Regisseur Herbert König drückte es deftiger aus: Beckett vermittle die bitter-komische Einsicht, "dass der Mensch in seiner Blödheit und Unvollkommenheit nicht die Krone der Schöpfung, sondern das ohnmächtige Arschloch des Daseins ist".

Inszeniert hat das Stück am Theater Ulm Intendant Andreas von Studnitz. Bühne und Kostüme sind von Britta Lammers.

Neu im Ensemble des Theaters Ulm ist Maximilian Wigger - er stellt sich dem Publikum in der Rolle des Wladimir vor. Den Estragon spielt Volkram Zschiesche. In weiteren Rollen sind zu sehen: Jörg-Heinrich Benthien, Wilhelm Schlotterer und Juliane Nawo.

Spieldauer: Gut zwei Stunden, eine Pause.

Nachtkritik: Eine kurze Rezension ist etwa eine Stunde nach Ende der Premiere im Internet unter swp.de zu lesen.

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