HEUTE IST PREMIERE: "Ghetto"

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Das Musical "Ghetto" von Joshua Sobol, das heute, 20 Uhr, im Großen Haus des Theaters Ulm Premiere feiert (es gibt noch Karten!), ging seit seiner Uraufführung 1984 um die Welt. Es wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und gilt als das erfolgreichste Theaterstück eines israelischen Autors. Nach Peter Zadeks Inszenierung an der Berliner Volksbühne wurde "Ghetto" zum besten Stück und Zadeks Inszenierung zur besten Aufführung des Jahres gewählt. Es machte Ulrich Tukur zum Star und den Klarinettisten Giora Feidman einem größeren Publikum in Deutschland bekannt.

Handlung: Das Stück basiert auf den Tagebüchern eines Ghettobewohners im litauischen Vilnius - des Bibliothekars Hermann Kruk - und thematisiert das dortige Geschehen in den Jahren 1942/43. Hier handeln Kittel, Jazzfan und SS-Offizier, und Gens, Chef der so genannten jüdischen "Selbstverwaltung", einen Deal aus: Hunderte sollen sterben, um Tausenden das Überleben als Zwangsarbeiter im Ghetto zu sichern. Gut gelaunt und sicher, Gens zum Handlanger der Endlösung gemacht zu haben, lässt sich Kittel Theater vorspielen, teilt mit den Ghetto-Künstlern die Leidenschaft für die Musik - bis es zum Ende kommt, das nur das Saxophon und sein Spieler in SS-Uniform überleben.

Für Furore sorgte das Stück vor allem, weil Sobol mit der Frage nach der Beteiligung der Juden am eigenen Genozid provozierte - indem er den Konflikt zwischen dem "linken" Intellektuellen Kruk und dem "rechten" Vorsitzenden des Judenrats im Ghetto, Jacob Gens, schildert. Zudem gelingt es Sobol, anhand der Figur des Deutschen Kittel, die Frage nach dem Wesen des Bösen zu behandeln. Und natürlich erregte "Ghetto" Aufsehen, weil das Thema des Holocaust in einem Musical gestaltet wurde.

Die Musik der Ulmer Inszenierung stammt vom Vibraphonisten und Komponisten Wolfgang Lackerschmid. Auf der Grundlage der Lieder, die einst in Vilnius gesungen wurden (von denen nur die puren Melodien mit jiddischem Text überliefert sind), hat er die Songs und Theatermusik gestaltet. Die Musik sei "vor allem eine liebevolle Bearbeitung der ursprünglichen Lieder, mal die Figuren charakterisierend oder den Textinhalt durch die Klänge emotional transportierend, mal auch augenzwinkernd übersteigert oder persifliert. Dabei aber immer respektvoll und der Handlung zutragend", sagt Lackerschmid. Es spielt ein Instrumentalensemble des Philharmonischen Orchesters, mit dabei sind auch der Opernchor und die Ulmer Spatzen, die ein Kinderlied singen. Die musikalische Leitung hat Hendrik Haas.

Regisseur Andreas von Studnitz, für den das Stück in den 28 Jahren seit seiner Uraufführung nichts von seiner Kraft eingebüßt hat, bat Lackerschmid, das Klezmer-Klischee zu meiden - und auch sonst ging es ihm darum, "keine Ghetto-Folklore" zu erzeugen. Bühne und Kostüme sind von Britta Lammers.

Es spielen: Gunther Nickles (Schauspieler Srulik mit Lina, der Puppe/Gerstein), Volkram Zschiesche (Kittel/Dr. Paul), Fabian Gröver (Weiskopf, Unternehmer), Tini Prüfert (Chaja, Sängerin), Wilhelm Schlotterer (Gens, Leiter des Ghettos), Jörg-Heinrich Benthien (Kruk, Bibliothekar/Rabbi), Raphael Westermeier (Dressler, jüdischer Ghettopolizist/Dr. Weiner/Itzig), Johanna Paschinger (Luba/Dr. Gottlieb), Florian Stern (Jankel/Richter).

Spieldauer: zwei Stunden, zehn Minuten; eine Pause.Nachtkritik: Rund eine Stunde nach Ende der Aufführung gibt es unter swp.de eine Kurzkritik.

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