Herausforderungen des Alltags meistern

Burnout und das Gefühl, Anforderungen nicht mehr bewältigen zu können: Geistige und emotionale Erschöpfung kann zu psychischen Erkrankungen führen. Die AOK bietet ein Präventionsprogramm an.

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Die AOK-Bezirksdirektion hat an einer Reihe von Ständen gezeigt, was gegen Erschöpfung helfen kann. Kochen mit Freunden gehört dazu. Foto: Carolin Herrmann

Mittel und Wege erfahren und trainieren, Ausgeglichenheit und persönliche Schutzfaktoren stärken: Die psychische Gesundheit rückt immer mehr in den Mittelpunkt von Kursreihen verschiedener Seminaranbieter. Nun bietet auch eine Krankenkasse ein Präventionsprogramm, das helfen soll, sich für die psychischen Herausforderungen des Alltags zu wappnen: die AOK Baden-Württemberg. Psychische Krankheiten sind als Folge von Burnout auf Platz drei der Gründe für Fehltage gerückt, sagt Siegmar Nesch, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg.

Wie berichtet, hat Nesch zusammen mit Sabine Schwenk, der Geschäftsführerin der Bezirksdirektion Ulm-Biberach, dieser Tage das neue Präventionsprogramm vorgestellt, das den Menschen helfen soll, psychischem Druck und den Herausforderungen des Alltags besser standzuhalten. In Ulm und Alb-Donau-Kreis sind psychische Krankheiten im vergangenen Jahr mit knapp fünf Prozent aller Krankheitsfälle zwar in ihrer Anzahl etwa konstant geblieben. Laut Arbeitsunfähigkeitsstatistik 2012 der Bezirksdirektion beanspruche die Heilung aber inzwischen deutlich mehr Zeit: Betroffene Arbeitnehmer konnten im Schnitt erst nach 23,7 Tagen an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. 2011 betrug die Zeit der Rekonvaleszenz noch 22,5 Tage.

Als Hauptgrund für psychische Belastungen macht die AOK die zunehmenden Belastungen am Arbeitsplatz durch Zeitdruck und dauernde Erreichbarkeit aus. Diese deutlichen Zahlen seien eine klare Botschaft an die Unternehmen der Region, psychischen Erkrankungen der Mitarbeiter durch entsprechendes Führungsverhalten und erhöhte Aufmerksamkeit vorzubeugen: zum Beispiel durch betriebliches Gesundheitsmanagement.

Die AOK biete bereits Prävention in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Stressvorbeugung, nun komme das Programm zur Stärkung der psychischen Gesundheit dazu. Zunächst habe die Kasse hierfür ein fertiges, schlüssiges Konzept gesucht - vergeblich. Schließlich habe man ein neues Konzept in Auftrag gegeben: bei den Professoren Mathias Berger (Freiburg) und Martin Bohus (Heidelberg und Mannheim) - Spezialisten auf dem Gebiet der Psychiatrie, Psychotherapie und psychosomatischen Medizin. "In der Schule sagt uns niemand, wie wir mit Stress, Angst und Druck klarkommen sollen" , sagte Mathias Berger in einem Gespräch vor der Auftaktveranstaltung.

Selbstfürsorge stärken. Nachprüfen, ob der Alltag noch den eigenen Wünschen und Werten entspricht und ob das Netzwerk, das man um sich aufgebaut hat, einen noch umspannt. Das kann man dieses Jahr bei 40 Seminaren in der Region Ulm/Biberach - mit je zwölf Teilnehmern pro Gruppe an sieben Abenden. Für Nesch ist dies erst der Anfang eines breit angelegten Präventionsprogramms: Zum einen gebe es dieses als Buch und auf DVD. In einem zweiten Schritt werde die AOK in die Betriebe gehen. Und in einem dritten Schritt an die Schulen - wie mit "Science Kids, Kinder lernen Gesundheit". Damit sei man inzwischen an 1000 Schulen präsent.

Mathias Berger betont, dass das AOK-Konzept ausschließlich der Verhaltensprävention folgt - und sich damit an den Einzelnen wendet und ihm Wege aufzeigt. "Das andere ist die Verhältnisprävention." Diese setzt am Arbeitsumfeld selbst an. "Und ich bin überzeugt, dass dieses Thema in dieser Legislaturperiode der Bundesregierung einen breiten Raum einnehmen wird."

Info Für AOK-Mitglieder ist die Teilnahme am Programm kostenlos - weitere Informationen unter www.lebe-balance.de

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