Hellmut Hattler und Band: Souveränes Heimspiel im Roxy

Da weiß man, was man hat: So wurde in den 70ern Qualität beworben. Der Persil-Mann ist längst nicht mehr da, Hellmut Hattler aber schon - und wie! Im Roxy zeigt er mit Band einmal mehr Qualitätsarbeit.

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"Sprüche vor dem Gig nützen eh nix, genauso wie vor der Wahl!" Ziemlich spät, nach fünf Songs, begrüßt Hellmut Hattler das Publikum im Roxy mit dieser lebensweisen Erkenntnis. Na, mit 61 darf man das.

Zum Eingrooven hatte die Band den "C 64" angeknipst. Der Songtitel lässt die 80er Jahre aufleben, doch just diese Epoche spielt kaum eine Rolle, wenn sich Hattler seiner persönlichen, mehr als vier Dekaden andauernden Musikgeschichte annimmt. Dafür sind die 70er und die 90er umso präsenter: einerseits Kraut- und Jazzrock, psychedelische Collagen, Funk und Fusion, andererseits süffig-entspannter Pop, Triphop und Acid Jazz. All das zusammen ergibt: Hattler.

Auf ihrer Herbst-Tour nun mischt die Fünfer-Band - drei Mann, eine Frau, eine Festplatte - älteres Material wie "Someone Alive", "New I.D." und "Dinner for Three" mit ein paar aktuellen Songs. Das im August erschienene Hattler-Album "The Kite" ist schließlich ein richtig gutes: eingängige, chillige, funkige Lieder. Mit "Whatchagonnado" steht aber auch ein Tab-Two-Standard auf der Setlist.

Mitreißend geraten die Instrumental-Sets: Der Clubszene wird ein Besuch abgestattet, urbane Neonlandschaften erwachen zum Leben, vor allem in "Nachtstrom" - auch wenn die nur rund 200 Fans im Roxy nicht unbedingt unter Hochspannung stehen. Aber Hattlers beste Dance-Nummer, der Achtminuten-Trip "Delhi News", bringt wie immer noch den letzten Tanzmuffel verlässlich in Bewegung.

Hellmut Hattler selbst drängt sich während seines Ulmers Heimspiels nicht vor, das muss er auch nicht, sein Sound prägt die Show ohnehin. Mal abgeklärt, mal aufgedreht macht er sein Bass-Ding - lässige Virtuosität oder auch virtuose Lässigkeit.

An der Gitarre sind die laut Hattler "schönsten drei Worte" zugange: Torsten de Winkel. Der singt mit seinen Saiten die Melodien aus, bringt akkordisch Jazz-Harmonien ins Spiel oder malt mit der Sitar orientalische Klangfarben in den Raum.

Gewohnt brillant ist Oli Rubow, der an den Drums perfekt mit Maschinenbeats und Elektronikgefrickel harmoniert - und damit etwas auf der Bühne zum Erlebnis werden lässt, was laut Hattler zunächst nur ein "Hirnkonzept" ist.

Und natürlich ist da noch Sängerin Fola Dada, die das Projekt Hattler endgültig von der Studiotüftelei zum Live-Act werden lässt. Zwischen raffinierter Coolness und knisternder Wärme hat sie eine enorme Ausdrucksbreite; vor dieser Sängerin kann man schon mal auf die Knie gehen, wie es Hattler tut. Auch dank ihrer Stimme wird "Fine Days" - nur im Duett mit dem Bass - zu einem Highlight.

"Fine Days": Eigentlich habe er seine neue Platte so nennen wollen, erzählt Hattler, seine Freundin Siyou hätte das aber als "Kack-Idee" bezeichnet und "The Kite" favorisiert. "Das war richtig", grinst Hattler, "es verkauft sich super."

Super dann auch als letzte Zugaben nach eineinhalb Stunden der Titeltrack des aktuellen Albums, "The Kite", und "So Low". So tief? Nein, Hattlers Drachen steht noch immer prächtig am Himmel.

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