Hellmut Hattler feiert seinen 60. Geburtstag im Roxy mit fünf Bands

Morgen wird Hellmut Hattler 60. Und das feiert der weltweit renommierte Bassist mit seinen musikalischen Weggefährten im Roxy. Ein etwas anderer Rückblick auf mehr als 40 Jahre Karriere in Rock und Jazz.

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Hellmut Hattler feiert Geburtstag. Und wie es sich für einen Musiker geziemt, tut er das mit jeder Menge Musik. Fünf Bands hat sich der Bassist eingeladen. Wobei das so nicht stimmt: Denn in all diesen Formationen spielt Hattler Bass. Und jede dieser Bands beleuchtet auch eine andere Facette des Musikers.

"Eigentlich ist das alles Wahnsinn", sagt Hattler. "Ich spiele heute noch mit den Jungs zusammen, mit denen ich schon als Schüler angefangen habe. Und die waren ja auch der Grund dafür, dass ich mit 19 Jahren beschlossen habe, Profimusiker zu werden." Die Rede ist von Peter Wolbrandt, Jan Fride und der Band "Kraan", die in den 70er Jahren neben "Kraftwerk" der Musikexport schlechthin aus Deutschland war. Und in Sachen Jazz-Rock ebenso stilbildend wie die Elektronik-Pioniere. Die Stücke der Band entstanden in stundenlangen Jam-Sessions auf dem Weidegut Wintrup, wo die Band lebte. "Wir wussten voneinander genau, wie wir ticken. Dementsprechend haben wir auch unsere Stücke entwickelt."

Zu "Kraan" gehörte Ende der 80er Jahre auch ein junges Ulmer Talent, das längst zu den Spitzentrompetern des Jazz gehört: Joo Kraus. Als sich die Band 1990 trennte, machten Kraus und Hattler als Duo weiter, das die damals neuesten Technologien nutzte: Samples und Drumloops. "Wir wollten den Maschinen einfach ein bisschen Charme verleihen", schmunzelt Hattler und erklärt: "Wir waren zwei Musiker wie sie gegensätzlicher nicht sein konnten: Joo war musikalisch bestens ausgebildet. Ich bin Autodidakt. Doch diese Gegensätze ergänzten sich prima", sagt Hattler.

Und die Mischung war auch breitentauglich. Tab Two galt damals als das erfolgreichste deutsche Jazz-Duo, schrieb auch mal einen Song für Superstar Tina Turner. 1999 war Schluss, die Musiker hatten sich zerstritten. Erst im vergangenen Herbst kündigten Kraus und Hattler an, wieder als Tab Two auf die Bühne zu gehen: Das erste Mal jetzt bei Hattlers Geburtstagsfete. Nach Tab Two schlug die Stunde des Komponisten Hattler. "Komponiert hatte ich auch für Kraan und Tab Two, aber jetzt wollte ich Songs schreiben und suchte mir die Musiker, die sie auf die Bühne bringen können", erklärt der Musiker, der für seine Band "Hattler" auch auf einen alten Weggefährten zurückgriff, mit dem er schon in den 80er Jahren zusammengearbeitet hatte: den Gitarristen Torsten de Winkel.

Den eigentlich radikalsten musikalischen Schritt machte Hattler aber im Duo "Siyou n Hell" mit seiner Partnerin, der Gospel- und Soulsängerin Siyou Isabelle Ngnoubamdjum. Nicht wegen der spartanischen Besetzung mit Stimme und Bass, sondern wegen des Materials, das die beiden auf die Bühne bringen. "Ich hatte mich zuvor immer geweigert, Musik von anderen zu interpretieren. Und als Isabelle meinte, sie möchte mal nur mit Bass ein paar ihrer Lieblingstitel singen, war ich alles anders als begeistert. Aber ich sage zu meinen Kindern immer: Du musst erst etwas probieren, bevor du sagen kannst, dass es nicht schmeckt." Das tat der sechsfache Vater auch und fand Gefallen daran, solche Funkrock-Hämmer wie "Baby Love" aufs Äußerste zu reduzieren - in typischer Hattler-Handschrift. "Ich habe die Sachen nicht von Platte abgehört, sondern in meinem Gedächtnis gekramt, was mir wichtig war. So gesehen, sind das also eigentlich gar keine Cover-Versionen", scherzt der Bassist, der auch mit dem Projekt "Deep Dive Corporation" des DJs Peter Musebrink ganz andere Wege geht: "Peter kenne ich schon ewig, irgendwann tauchte er als Fotograf auf, als wir mit Kraan bei Conny Plank im Studio waren. Und irgendwann hat er mir erzählt, dass er jetzt auch Musik macht." Die beiden tauschten Aufnahmen aus, Musebrink veredelte sie mit seinen Synthesizerklängen und ist auch als Miturheber auf diversen "Hattler"-Titeln genannt. Musebrink bringt seine Titel auch live auf die Bühne: Mit Hattler am Bass und Jürgen Schlachter am Schlagzeug. Auf der Geburtstagsfete im Roxy wird das Trio die Party nach dem Konzert-Marathon beschallen.

In fünf Bands an einem Abend zu spielen, das ist auch eine körperliche Herausforderung - vor allem für einen 60-Jährigen. "Ich glaube, ich werfe vorher noch ein paar Magnesium-Tabletten ein, damit ich keinen Krampf bekomme", sagt Hattler, der auf die Frage, wieviele Titel er an diesem Abend spielen wird, den Kopf schüttelt: "Die habe ich nicht gezählt, aber mehr als 40 werden es wohl schon sein."

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