Verkehr: Heimstraße wird zur Fahrradstraße

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Tempo 30 bleibt, rechtlich sollen Radler in der Heimstraße aber in Zukunft Vorrang haben und auf besserem Belag fahren.  Foto: 

Fast wäre die Sache in eine Grundsatz-Diskussion ausgeartet: Fußgänger versus Radler versus Autofahrer. Was Baubürgermeister Tim von Winning halbwegs verhindern konnte: „Jeder Euro, den wir in den Radverkehr stecken, verbessert die Erreichbarkeit der Stadt für Autos“, versprach er im Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag. Gut 250.000 Euro lässt sich die Stadt dieses Jahr rund 100 Maßnahmen kosten. Was alles ansteht, berichtete die Fahrradbeauftragte Friederike Christian. Ein Überblick:

Fahrradstraßen
„Eines der wichtigsten Projekte“ nennt Christian den Umbau der Zeitblomstraße zur Fahrradstraße, der im vergangenen Jahr begonnen wurde und beinahe abgeschlossen ist. Die Oberfläche sei inzwischen fast überall saniert, nur noch die Wendeplatte bei der Martin-Schaffner-Schule fehle. Außerdem müssen noch Markierungen aufgebracht und Schilder aufgestellt werden. „Das ist eine sehr attraktive Verbindung von der Oststadt bis zum Neutor“, lobte von Winning. Rund 700.000 Euro hat die Stadt dafür ausgegeben. Günstiger soll es in der Heimstraße werden. Mit Fördermitteln wird auch diese Achse für 50.000 Euro von der Tempo-30-Zone zur Fahrradstraße umgebaut. Dann dürfen Radler auch offiziell nebeneinander fahren, der motorisierte Verkehr muss sich ihnen unterordnen. Am Übergang Heimstraße/Hafenbad soll eine Verkehrsinsel die Überquerung erleichtern.

Radwege
In der Magirusstraße müssen Radler in Zukunft nicht mehr auf dem Radweg fahren. Den schätzt die Stadt als zwar wichtig, aber auch gefährlich ein, weil beide Richtungen auf der gleichen Straßenseite geführt werden. Sicherer sei das Radeln auf der Fahrbahn. In Gögglingen soll das gefährliche Radweg-Ende an der Bruckackerstraße durch bauliche Maßnahmen entschärft werden. Der Radweg an der Landstraße zwischen Unterweiler und Donaustetten soll noch in diesem Jahr beschlossen und 2018 gebaut werden.

Schutzstreifen
Bei den Markierungen auf der Fahrbahn, die Radler vor dem motorisierten Verkehr schützen sollen, sind die Meinungen geteilt. „Schutzstreifen sind nachgewiesen sicherer“, argumentierte der Baubürgermeister, räumte aber ein: Die gefühlte Sicherheit sei auf einem Radweg größer. Bekommt man also mehr Leute aufs Rad, indem man diese gefühlte Sicherheit erhöht – oder sollte man versuchen, die Menschen vom Schutzstreifen zu überzeugen? Letzteres soll auch ein Video zum Thema erreichen, das in Ulm gedreht wurde. Den Schutzstreifen auf der Neuen Straße vor dem Sparkassen-Hauptgebäude hielt im Ausschuss allerdings niemand für gelungen. „Da herrscht Unsicherheit für beide Seiten“, befand Gerhard Bühler (FWG).

Bahnhof
„Es ist voll, aber nicht angespannt“, sagte Friederike Christian zur Situation am Bahnhof. Für die Fahrradständer, die wegen der Baustelle weichen mussten, gibt es bereits Ersatz in unmittelbarer Nähe des Bahnhofsgebäudes sowie am ZOB West und Ost. Ute Metzler von der städtischen Verkehrsplanung stellte in Aussicht, dass es am Bahnhof eine bessere Anbindung und Beschilderung für Radler geben soll. „Es kann nicht der Sinn sein, dass Radler auf den schmalen Fußwegen fahren.“

Bilanz
Einige Maßnahmen hat die Stadt bereits umgesetzt:

Im Radhaus am Rathaus gibt es eine neue Schließanlage, die erst nach Bezahlen einer Gebühr geöffnet werden kann.

Neue Fahrradständer gibt es am Gemeindeplatz in Söflingen, in der Frauenstraße 11 und in der Herdbruckerstraße.

An der Böfinger Steige wurde der Gehweg verbreitert; Radler dürfen hier nun auch auf der Straße fahren, wenn sie wollen.

Die Querungshilfe im Lehrer-Tal-Weg wurde fertiggestellt.

Baubürgermeister und Stadträte waren voll des Lobes für Friederike Christian, die sich als neue Fahrradbeauftragte schnell und gut eingearbeitet habe. Michael Joukov (Grüne) ärgerte sich über das Zuparken von Radwegen, das in Ulm zu lax geahndet werde und will das Problem im Hauptausschuss behandelt sehen. Und Karl Fassnacht (FWG) wollte wissen, wie nah die Stadt dem Ziel von 20 Prozent Radverkehr bis 2020 sei. Das könne man nicht genau sagen, erklärte Christian auf Nachfrage, weil es keine aktuelle Verkehrserhebung gibt.

Tim von Winning hingegen hat zumindest einen Lösungsansatz: „Wenn alle in der Stadt so fahren würden wie meine Rätinnen und Räte, hätten wir kein Problem.“

Ausstellung Zum 200. Geburtstag der Erfindung des Fahrrads tourt eine Ausstellung mit sechs E-Lastenrädern drei Monate lang durch Baden-Württemberg. An diesem Sonntag, 2. Juli, macht sie von 13 bis 17 Uhr auf dem Münsterplatz halt. Es gibt einen kostenlosen Radcheck vor Ort.

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Kommentare

29.06.2017 22:14 Uhr

Antwort auf „Warum verbessert jeder Euro, der für den Radverkehr ausgegeben wird,”

Die maximal zulässige Geschwindigkeit in Fahrradstrassen ist 30 km/h und nicht Schrittgeschwindigkeit. Wenn die Fahrradstrasse für das Auto freigegeben ist, ändert sich nicht viel für Autofahrer, außer das Fahrräder halt Vorfahrt haben.

Fahrradstrassen können aber nicht einfach so eingeführt werden. Dafür gibt es klare gesetzliche Regelungen, wie z.B. Die Straße muss mehrheitlich von Fahrrädern genutzt werden, etc.

Also keine Panik.

Und nutzen mehr Leute das Fahrrad, gibt es für die Autofahrer mehr Platz und mehr Parkplätze,...

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29.06.2017 14:01 Uhr

Warum verbessert jeder Euro, der für den Radverkehr ausgegeben wird,

die Erreichbarkeit der Stadt für Autos? Durch Fahrradstraßen muss man mit dem Auto im Schrittverkehr tuckern, dass verlagert noch mehr Verkehr von Seiten auf Hauptverkehrsstraßen. Die Heimstr. ist sowieso schon sehr ruhig, der Umbau zur Fahrradstraße ist purer Auktionismus und Geldverschwendung.

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