Harry Potter und der Tramp

Im Kinderkonzert am Theater Ulm war zu hören, aber auch zu sehen, wie Musik für Kinoemotionen sorgt: Das Philharmonische Orchester begleitete einen Chaplin-Stummfilm und spielte John-Williams-Themen.

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Film und Musik: Nils Schweckendiek dirigiert die Philharmoniker zu Charlie Chaplins "The Floorwalker". Foto: Volkmar Könneke

"Harry Potter!", ruft der Neunjährige - eigentlich sogar schon, bevor die Celesta den ersten Ton spielt. Klar, die prägnanten Themen aus den Potter- und Krieg-der-SterneSagas gehören zum ABC der Popkultur, und John Williams Filmmelodien für Hollywood-Hits kennt heute tatsächlich: fast jedes Kind.

Allein deshalb ist es eine gute Idee, am Theater Ulm ein Kinderkonzert wie "Star Wars Meets Charlie Chaplin" anzubieten und Jüngere erleben zu lassen, wie wuchtig, aber auch sanft ein Orchester live klingen kann. Nur hatte sich das im Fall der beiden Konzerte gestern offenbar nicht an den Schulen herumgesprochen oder war nicht auf Interesse gestoßen. Oder passte der Zeitpunkt nicht? 150 respektive 260 Zuhörer verloren sich im Großen Haus. Also fast gähnende Leere.

Dabei war das Gebotene nicht zum Gähnen. Johanna Paschinger führte sehr wach - ausgerüstet mit Kuschelbär, Cola und Popcorn - auf einem Sofa durchs Programm. Die Darth-Vader-Maske aufgesetzt, das Lichtschwert gezückt, schon knipste sie mit ihrer Fernbedienung die Musiker an. Die spielten Themen aus Williams bekanntestem Klangkosmos: Sternenkrieger starteten durch, Ewoks mischten das böse Imperium auf, und Han Solo flirtete mit Prinzessin Leia.

Wie passend, dass das Philharmonische Orchester mit Nils Schweckendiek am Pult derzeit den "Ring an einem Abend" bewältigt - Williams hat bekanntlich Wagners Leitmotivik studiert. Es geht um Erinnerungen, Energie und Emotionen. Je nachdem, welche Gefühle die Musik vermittelte, knutschte, balgte und tollte Johanna Paschinger dann auch mal mit dem Teddy herum.

"Vor langer Zeit" in einer "weit, weit entfernten Galaxie" spielt "Star Wars", doch dann reisten die Musiker in eine wirklich ferne Ära zurück: in die Epoche, als die Filme noch schwarz-weiß, ja sogar stumm waren. Fast 100 Jahre alt ist Charlie Chaplins "The Floorwalker", der Tramp und Diebe sorgen darin im Kaufhaus für Chaos. Zunächst gab es eine Szene ganz ohne Begleitung - naja. Danach mit Klavier - schon besser. Schließlich mit Orchester - richtig lustig! Carl Davis, Spezialist für Neuvertonungen von Kinoklassikern wie "Intolerance", lässt jede Gefühlslage und Stimmung klingend mitvollziehen, ja akzentuieren; fällt der Held die Rolltreppe herunter, purzeln die Noten mit. Ein Spaß - aber auch eine Herausforderung für Dirigent und Musiker: Es ist nicht leicht, alle Synchronpunkte exakt zu erwischen, wie zu hören und dabei zu sehen war.

Ohnehin ist Filmmusik nicht immer so einfach zu spielen: Mancher Blechbläser versuchte sich im finalen Marsch als Jäger der verlorenen Töne. Und doch riefen die Kinder sofort: "Indiana Jones!"

Info Nochmals am 6. Juli, 18 Uhr, Karten: 0731/161 44 44.

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