Hans-Joachim Heist ist Gernot Hassknecht - ein Interview

In der „Heute-Show“ ist er der cholerische Chefkommentator, der gerne einmal vom ZDF-Pausenzeichen unterbrochen wird. Am Sonntag, 20 Uhr, gastiert Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht im Ulmer Roxy.

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Gernot Hassknecht, der in Wirklichkeit Hans-Joachim Heist heißt.  Foto: 

Wie werden Sie auf der Straße eigentlich angesprochen? Mit Herr Heist oder mit Herr Hassknecht?
HANS-JOACHIM HEIST: Unterwegs kommt es vor, dass ich mit Herr Hassknecht angesprochen werde.

Stört Sie das dann?
HEIST: Nein, das ist okay. Die Figur kennen die Leute aus der „Heute-Show“. Es gibt viele, die meinen Namen gar nicht kennen. Es zeigt mir, dass die Leute die Sendung sehen.

Ein Tag ohne Ausraster ist ein verlorener Tag, sagen Sie. Sind Sie heute schon mal ausgerastet?
HEIST: Nein, ich hatte heute noch keinen Grund. Wir fahren gerade auf der Autobahn von einem Auftritt zum nächsten. Es läuft gut.

Aber bei einem Stau würden Sie schon mal ausrasten?
HEIST: Ja, das passiert. Und das Verhalten mancher Autofahrer bringt mich mitunter zum Ausrasten.

Bei welchen anderen Gelegenheiten rasten Sie sonst noch aus?
HEIST: Vor allem bei sozialen Ungerechtigkeiten. Das bringt mich auch als Hans-Joachim Heist in Rage. Ansonsten bin ich kein Choleriker, sondern so ein Heinz-Erhardt-Typ mit dem Schalk im Nacken.

Haben Sie nach einem Kommentar in der „Heute-Show“ mal Ihren Blutdruck messen lassen?
HEIST: Nein, das haben wir wirklich noch nicht gemacht. Ich denke mal, der Blutdruck ist in dem Moment hoch, in dem ich ausraste. Ich habe mal mit meinem Arzt gesprochen. Und der sagte mir, dass sei so wie bei einem Spitzensportler. Bei dem geht der Blutdruck runter, wenn er seine Leistung gebracht hat.

Sie sind Schauspieler und Kabarettist, aber Sie waren auch schon SPD-Stadtrat in Pfungstadt (Südhessen). Sind Sie in Sitzungen auch explodiert?
HEIST: Ich war tatsächlich im Stadtparlament vom Pfungstadt als Stadtverordneter, wie das bei uns heißt. Ich musste das Amt leider aufgeben, weil es terminlich nicht gepasst hat. Das ging gar nicht mehr.

Waren Sie in den Sitzungen friedlicher zugange?
HEIST: Ja, natürlich. Ich habe das nicht so gemacht wie in der „Heute-Show“. Obwohl einige sicher auf solche Momente gewartet haben.

Sie kommen am Sonntag nach Ulm. Kennen Sie die Stadt?
HEIST: Natürlich kenne ich die Stadt. Meine Frau stammt aus Klingenstein und hat dann in Wiblingen gewohnt. Ich kenne also den Weihnachtsmarkt bei Ihnen und auch den Dom.

Wie bitte?
HEIST: Ach entschuldigen Sie, natürlich das Münster. Quatsch, was will ich denn mit dem Dom?

Was erwartet einen in Ihrem Programm „Das Hassknecht-Prinzip – In zwölf Schritten zum Choleriker“?
HEIST: Auf der Bühne wird der Herr Hassknecht schon zum echten Choleriker. Wie sagte Albert Einstein? Die Menschen nutzen nur zehn Prozent ihres Wutpotentials. In meinem Programm lasse ich auch Themen wie die Ehe nicht aus. Ich gebe Tipps, Beschwerdebriefe zu schreiben. Sogar zur Ernährung gibt es von mir was zu hören, damit das Ganze nicht auf den Magen schlägt.

Sind Sie selbst erstaunt darüber, wie populär Gernot Hassknecht ist?
HEIST: Jetzt nicht mehr. Anfangs hat es mich erstaunt, dass so eine Figur mit einem Drei-Minuten-Auftritt in einer Sendung Kult wird. Für viele ist Gernot Hassknecht die Stimme der ungehörten Masse. Er ist das Sprachrohr, wenn es darum geht, Frust und Ärger zu formulieren, Missstände lautstark und wortgewaltig auf den Punkt zu bringen.

Zur Person
Nach seiner Lehre zum Installateur machte Hans-Joachim Heist (63) eine Schauspielausbildung und wirkte in mehr als 70 Fernsehproduktionen mit. Berühmt wurde er mit der Rolle des Gernot Hassknecht als unflätiger Kommentator in der „Heute-Show“ des ZDF. 2010 erhielt er dafür den Grimme-Preis. Am Sonntag, 20 Uhr, gastiert Heist mit seinem Kabarettprogramm im Roxy.

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