Hanf-Marsch: Ulmer demonstrieren für die Legalisierung von Cannabis

Hanf soll legal werden – das fordern die Demonstranten, die am Samstag durch Ulm zogen. Viele Passanten reagierten amüsiert, einige auch verärgert.

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Der Ulmer Spatz reihte sich vorne in den Hanf-Marsch mit ein, getragen von zwei Demonstranten. Der Spatz ist passend im Hanf-Design gestaltet: Schwarz lackiert und mit grünen und roten Cannabis-Blättern verziert. Begleitet wird er von lauter Musik, Pfiffen und Schreien. Dazu gibt es große Banner, mit Aufschriften wie „Deutscher Staat, erlaubt die Saat“.

Die Demonstranten auf dem vierten Hanf-Marsch in Ulm ließen sich einiges einfallen, um ihre Botschaft an die Leute zu bringen. Und die lautet: Hanf soll legalisiert werden. „Wir wollen heute ein Zeichen setzen, dass diese Pflanze zu uns gehört“, sagt Torsten Hergesell von den Hanffreunden Ulm, der die Demonstration mit seinem Team organisierte, im Rahmen des Welt-Hanf-Marsches. Seit Tausenden von Jahren nutze der Mensch die Hanfpflanze, berichtet er: „Man kann alles daraus machen: Kleidung, Papier, Dämmmaterial.“

Sein Fokus liegt aber auf dem medizinischen Nutzen von Hanf: „Die Patienten sollen versorgt werden“, fordert er. Besonders für Schmerzpatienten kann Hanf eine Erleichterung bringen. Momentan ist allerdings hoher Verwaltungsaufwand nötig, um an Hanf zu gelangen. Außerdem müssen die Patienten die Kosten von ungefähr 15 Euro pro Gramm selbst zahlen. „Da sagen viele: Ich krieg das beim Dealer am Bahnhof günstiger“, sagt Hergesell.

Das unterstützen auch einige Patienten, die beim Hanf-Marsch mitliefen. Zum Beispiel ein Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Seit einem schweren Motorradunfall ist er Schmerzpatient, er muss ständig starke Schmerzmittel nehmen. „Und die haben viele Nebenwirkungen – die hat Cannabis nicht“, sagt er. Er hat Hanf als Alternative schon ausprobiert: „Ich komme dann mit 50 Prozent weniger Morphium aus.“

Insgesamt waren beim Hanf-Marsch etwa 300 Leute mit dabei, schätzt Stefan Oberdorfer, Betreiber des „Hanflagers“, das die Demonstration unterstützt. Darunter waren viele junge Menschen, barfuß und mit Rastalocken. Aber auch Kinder halten Schilder in den Händen. Ganz vorn fährt ein 8-jähriger Junge auf einem Roller, der mit Hanf-Blättern verziert ist. Er hat ein Megafon in der Hand und schreit Dinge wie „Wenn ihr Kinder habt, erzieht sie mit Hanf“ oder „Hanf ist das beste Medikament, das ich kenne“.

Viele Passanten blieben stehen und betrachteten die Demonstranten. „Exoten“, kommentiert eine Frau den Zug. Die meisten lachen, zücken ihr Handy und schießen Fotos. Einige schütteln aber auch verärgert den Kopf. „Das wird ja immer besser “, sagt ein Mann ironisch.

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Kommentare

09.05.2016 22:32 Uhr

Antwort auf „Schwachsinn!”

"Ob mit Droge oder ohne." Weil Tabak ja keine Droge ist und nicht Todesursache für ca. 100.000 Menschen alleine in Deutschland. Das ach so gefährliche Cannabis hat in der Menschheitsgeschichte... Moment ich hab die Zahl irgendwo... Ach ja, genau niemanden getötet! Im Gegensatz zu Tabak lässt sich Cannabis aber nicht nur rauchen, sondern auch völlig Schadstofffrei verdampfen oder essen.

Wenn ich jetzt hier geschätzt zum fünfhunderttausendsten Mal Gründe für die Legalisierung aufzähle, wie wärs wenn die Prohibitionsliebhaber (z. B. Malcolm McNeal) sich dann endlich mal erbarmen würden und außnahmsweise auch mal einen Grund gegen eben diese vorbringen könnten, anstatt nur die eigene Missgunst Legalisierungsbefürwortern gegenüber zum Ausdruck zu bringen?

Das Verbot von Cannabis ist teuer. Ca. 3 Mrd. € jedes Jahr nur für die Durchsetzung des Verbots im engeren Sinne. Wenn man sich an den Erfahrungen die mit Heroin gemacht wurden orientiert dürfte der gesamte sozialökonomische Schaden durch Streckmittel, Düngermittelrückstände, Legal Highs, dem Führerschein- und damit einhergehend oft auch dem Jobverlust (ohne jemals berauscht gefahren zu sein) und den weiteren "Kollateralschäden" des Verbots eine zweistellige Milliardensumme jährlich betragen. Und alles nur um der organisierten Kriminalität das Monopol auf Herstellung und Handel mit Drogen staatlich zu garantieren. Die möglichen Steuereinnahmen von ca. 1 - 3 Mrd. € die zusätzlich zu dem riesen Batzen den man sparen würde drin wären, sind dagegen natürlich nur Peanuts.

Dazu dass das Verbot teuer ist, ist es auch noch sinnlos. Nicht eine Person lässt sich durch das Verbot vom Konsum abhalten. Viel eher ist es wahrscheinlich so, dass der Reiz des Verbotenen das Gegenteil bewirkt. Der Vergleich in andere Länder bestätigt das. In Frankreich wo sehr hart mit Konsumenten umgegangen wird kiffen weit mehr Menschen als in den Niederlanden. Generell haben die Drogengesetze eines Landes nichts mit der Verbreitung des Konsums zu tun.

In Colorado ist der Gebrauch unter Jugendlichen im Gegensatz zum landesweiten Trend gesunken. In Deutschland steigt er, trotz Verbot. Portugal hat 2001 den Gebrauch jeglicher Droge für den Eigenbedarf entkriminalisiert, mit großem Erfolg. Das Land steht drogenpolitisch heute wesentlich besser da als vor dieser Maßnahme. Auch kann die Legalisierung von Cannabis in immer mehr Ländern kein Zufall sein. Es gibt einfach keinen sinnvollen Grund freien Menschen die Wahl des ungefährlicheren Rauschmittels im Vergleich zu Alkohol oder Zigaretten zu verbieten.

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09.05.2016 17:22 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Schwachsinn!”””

Am besten wäre es, wir beide träfen uns mal zu einem Gespräch unter "Nicht"-Fachleuten...

Wären Sie dazu bereit?

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09.05.2016 04:32 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Schwachsinn!””

Wie zu erwarten kam die komplett sinn- und inhaltsleere Antwort. Abermals mit einer Menge an Besserwisserei und Hass, weil man selbst nicht vom Fach ist, gerne aber dazugehören würde. Dafür muss man sich aber beweisen und da gibt es nur sehr wenige, welche sich nicht nur auf kuriose Informationen von fragwürdigen Internetseiten beziehen. Denn wenn Medizin so einfach wäre, dass man sich mit der Kenntnis von ein paar Verschwörungstheorien im Internet legitimieren könnte, dann wäre jeder ja Arzt oder Wissenschaftler. Gott sei Dank sind Sie dies jedoch nicht.

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08.05.2016 19:07 Uhr

Antwort auf „Schwachsinn!”

...alle Jahre wieder kommt Doktor MCNEAL und erklärt allen anderen seine Sicht der Dinge.

Wenn Sie wirklich aprobierter Arzt sind, dann bitte ich Sie inständig, sich mal mit dem Endocannabinoid-System des Menschen zu beschäftigen. Ja, es wurde und wird nicht an den Universitäten in der BRD gelernt, aber es gibt genügend Informationen dazu im Internet.

Aussagen über die (angebliche) Wirkungsweise von Sativex - so heißt das Medikament, das "via Sprühstoß in den Mund verabreicht" wird - sind so hanebüchen, dass man eigentlich nur den Kopf aufgrund der gezeigten "Fachkompetenz" schütteln kann...

Aus Doktor MCNEALs Aussagen klingt für mich frustrierter Hass durch, gut gewürzt mit einer Prise "Besserwisserei".

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08.05.2016 12:12 Uhr

Schwachsinn!

Alle Jahre wieder wird von diversen Hanffreunden insbesondere für die medizinische Nutzung des Hanfs geworben. Wenn man dann aber wirklich ein Medizinprodukt anbietet (was es schon lange gibt mittlerweile), dann wird die Nase gerümpft. Denn dieses Medikament wird zumeist via Sprühstoß in den Mund verabreicht, lindert dann zwar den Schmerz, macht aber nicht high in der Form wie die geeichten Kiffer es gewohnt sind. Und genau ab dem Punkt kommt dann die Forderung, dass man am besten doch selbst anbauen und sich einen Joint drehen dürfe, denn das gemütliche Kiffen sei doch noch um einiges besser als das hygienisch einwandfrei hergestellte Medizinprodukt... Als Arzt sehe ich wirklich überhaupt keinen Sinn darin, dies zu befürworten, denn man kann ja wirklich nicht mehr wegdiskutieren, dass das Rauchen allein gesundheitsschädlich ist. Ob mit Droge oder ohne.
Leider werden solche Aussagen gerne von militanten Hanfbefürwortern zerrissen. Wie gewohnt komplett ohne Argumente, jedoch mit einer arroganten Sturheit, die jegliche sinnvolle Diskussion über die medizinische Nutzung zunichte macht. Denn es geht ja offenbar bei vielen wohl doch einfach nur darum, sich die Birne wegzurauchen und nicht um die Leiden chronisch Kranker. Leider.

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